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Erste Serienanwendung des kompostierbaren Kunststoffs ecovio

Die neue Art Kaffee zu trinken
Der kompostierbare Kunststoff ecovio® der BASF hat seine erste Serienanwendung in einer Systemlösung für Verpackung gefunden. Dabei kommt erstmals die Spritzgieß-Variante ecovio IS1335 zum Einsatz. Kombiniert wird sie mit einem auf ecovio basierenden Mehrschichtverbundsystem, das über gezielte Barriere-Eigenschaften verfügt. Zusammen mit der Swiss Coffee Company ist es der BASF gelungen, ein System zu entwickeln, das aus einer Kaffeekapsel und einer aromafesten Umverpackung besteht. Es genügt den hohen Anforderungen, die an den Schutz des Produkts und das Brühen des Kaffees in Hochdruckkaffeemaschinen gestellt werden und lässt sich trotzdem kompostieren. Die Systemlösung basiert zum überwiegenden Teil auf nachwachsenden Rohstoffen.

Erweitertes ecovio-Portfolio
Nachdem die BASF vor sechs Jahren den Kunststoff ecovio auf den Markt gebracht hat, der nach EN 13432 biologisch abbaubar und kompostierbar ist und zu einem hohen Anteil auf nachwachsenden Rohstoffen beruht, konnte das Material sich in verschiedenen Folienanwendungen beweisen. Das Hauptanwendungsfeld sind bisher Tüten zur Sammlung von Bioabfall und Mulchfolien, mit deren Hilfe Obst- und Gemüseanbau auf dem Acker erleichtert wird.

Mit der neuen Produktvariante ecovio IS1335, die speziell für den Spritzguss geeignet ist und neuartige, auf ecovio basierende Lösungen für Verbundfolien mit Barriere-Eigenschaften bietet, hat die BASF ihr Portfolio weiter ausgebaut. Diese Produktvarianten dienten dazu, gemeinsam mit dem jungen Schweizer Unternehmen Swiss Coffee Company ein Serienprodukt zu entwickeln, das in verschiedener Hinsicht zur Nachhaltigkeit beitragen kann und dabei gleichzeitig den neusten Trend beim Kaffeetrinken bedient.

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Der kompostierbare Kunststoff ecovio® der BASF wird erstmals serienmäßig in einer Systemlösung für Verpackung verwendet.

Swiss Coffee Company und das Produkt beanarella
Seit Ende 2012 bietet die Swiss Coffee Company in der Schweiz Kaffee in kompostierbaren Kunststoffkapseln mit aromadichter Barriereverpackung und die dazugehörigen Kaffeemaschinen unter dem Handelsnamen beanarella an. Die Produktidee der Unternehmensgründer entstand im Jahre 2011. Und nach einer Rekord-Projektzeit von nur gut dreizehn Monaten konnte ein Qualitätskaffee in spritzgegossenen bioabbaubaren Kunststoffkapseln fertig verpackt in den Markt eingeführt werden. Ziel des Unternehmens ist es, qualitativ hochwertigen Kaffee zu vertreiben, der gleichzeitig nach hohen Kriterien einer sozialen und umweltschonenden Produktionsweise hergestellt ist. Die Verpackung soll dabei ganz analoge Eigenschaften aufweisen.

Traditionelle Röstung, Fairtrade und kompostierbare Verpackung
Der Kaffee wird von der ältesten Schweizer Rösterei durch traditionelle Trommelröstung hergestellt und ist daher besonders säurearm und magenschonend. Die Kaffeebohnen stammen aus zertifiziertem Bioanbau und unterliegen den Regeln des fairen Handels (Fairtrade). Entsprechend hoch sind die Anforderungen, die Herr Schaude, Gründer der Swiss Coffee Company, an die Verpackung stellt. Daher bestehen die Kaffeekapseln im Gegensatz zu den meisten marktgängigen Kapseln nicht aus Aluminium. Besonders wichtig war, dass diese Verpackung es erlaubt, die gesamten Reste nach dem Kaffeetrinken klug zu entsorgen. Im Fall von Lebensmittelverpackungen, die einen hohen Anteil an organischen Resten enthalten, bieten sich kompostierbare Kunststoffe wie das ecovio der BASF an. So wird nicht nur bei der Kaffee-Erzeugung, sondern auch bei der Verpackung und Entsorgung Konzepten der Nachhaltigkeit Rechnung getragen.

Zielgruppe und Lieferkonzept
Mit diesem Produktkonzept wendet sich die Swiss Coffee Company an Konsumenten, die hohe Ansprüche an Genuss und Lebensqualität mit einem möglichst gesunden und nachhaltigen Lebensstil verknüpfen wollen. In westlichen Gesellschaften macht diese spezielle Zielgruppe 10 Prozent der Bevölkerung aus. Allein in Deutschland gehen Studien von einem Potenzial von fünf Millionen Haushalten aus.

Der Kaffeeanbieter vertreibt den Kaffee zunächst in der Schweiz und dort über zwei Kanäle: Die Firma Leomat AG, größter Büroausstatter der Ostschweiz, liefert ihren Kunden das System beanarella komplett und transportiert gleichzeitig die Abfälle ab. In Kürze können aber auch Privatkunden über das Internet und den Versandhandel bestellen. Für diesen Fall wird die Swiss Coffee Company zusammen mit dem jeweiligen Dienstleister ebenfalls dafür sorgen, dass die gebrauchten Kapseln und Verpackungen zurückgenommen werden.

Optimiert für Kompostierung - die Verpackung als Entsorgungshilfsmittel
Nicht nur der Kunststoff ecovio IS1335 ist nach der Norm EN 13432 für bioabbaubare, kompostierbare Verpackungen zertifiziert, sondern auch die ecovio-Kaffeekapseln selbst. Und ebenso besteht die Barriereverpackung aus biologisch abbaubaren Komponenten. Sie setzt sich aus drei funktionalen Schichten zusammen: Der äußeren Trägerschicht auf Basis Papier folgt eine dünne Barrierefolie als Mittelschicht und eine innere Siegelschicht aus ecovio. Alle drei einzelnen Schichten sind nach EN 13432 zertifiziert. Sie sind mittels des kompostierbaren Kaschierklebers Epotal® Eco der BASF verbunden. Die Verpackung ist dabei so konzipiert, dass sie die hohen Barriere-Anforderungen für Kaffeeverpackungen hinsichtlich Feuchtigkeit, Sauerstoff und Aroma erfüllt.

In BASF-internen Untersuchungen konnte auch im realen Kompost der Abbau der Kaffeekapseln nach Gebrauch gezeigt werden. Während der Pilotphase sorgt die Swiss Coffee Company in der Schweiz selbst für eine Kompostierung unter industriellen Bedingungen: Leomat wird die zu entsorgenden Kaffeekapseln samt Barriere-Umverpackungen dieser Kompostierung zuführen.

Kompost als Wertstoff
Gerade bei kleinen Portionspackungen wie Kaffeekapseln, die den kompletten Anteil an organischem Abfall enthalten und bei denen der organische Abfall nicht getrennt vom Verpackungsmaterial gesammelt werden kann, ist die Kompostierung gegenüber der Verbrennung und dem Recycling der richtige Entsorgungsweg. Darüber hinaus ist Kaffee bei Komposteuren beliebt, da er ein gutes Strukturmaterial zur Auflockerung des Komposts darstellt.

Auch trägt das Konzept zur Erhöhung der Kompostmenge und damit zu den Abfallzielen der EU bei: Verschiedene wissenschaftliche Studien schätzen, dass in Europa heute nur 30 Prozent aller Bioabfälle getrennt entsorgt werden. Viele Länder deponieren noch einen großen Anteil gemeinsam mit dem Restmüll. Bei der Entsorgung auf Mülldeponien entsteht Methan, das im Vergleich zu CO2 ein rund zwanzigfach höheres Treibhausgaspotenzial hat. Würde der Bioabfall in ganz Europa separat gesammelt und kompostiert, so könnten die Treibhausgasemissionen aus der Abfallentsorgung um 30 Prozent gesenkt werden. Außerdem enthält der Kompost als natürlicher Dünger wertvolle Nährstoffe, wie zum Beispiel Phosphor, der für das Pflanzenwachstum und damit für die landwirtschaftliche Lebensmittel­produktion wichtig ist. Phosphor kann nicht synthetisch hergestellt werden, er muss aus Lagerstätten - größtenteils in Übersee - gefördert werden. Und schließlich haben feuchte Küchenabfälle in der thermischen Verwertung einer Müllverbrennung einen so geringen Brennwert, dass sie dort keinen nutzbringenden Einsatzstoff darstellen. Sie erzeugen für die Gemeinden und Bürger jedoch trotzdem die bei der Restabfallentsorgung anfallenden Kosten. Die Kompostierung von Bioabfall ist also eine Verwertungsart, die nicht nur den Wertstoff Kompost erzeugt, sondern dabei auch eine kostengünstige Entsorgungsform für die Kommunen darstellt.

Erste Auszeichnung und Markteinführung in anderen Ländern
Mitte Mai 2013 hat die Swiss Coffee Company für dieses Produktkonzept in Zürich den Innovationspreis IDEE-SUISSE "Golden Idea Award 2013" für einen "innovativen Beitrag zur nachhaltigen Stärkung der schweizerischen Wirtschaft" erhalten.

Als nächstes will das Unternehmen sein Produkt und Konzept in Deutschland, Österreich und den USA einführen. Im Mittelpunkt jeder Markteinführung steht ein tragfähiges Entsorgungskonzept, um das mit der biologischen Abbaubarkeit einhergehende Wertversprechen einzulösen. Die BASF wird dabei behilflich sein. Zurzeit ist es in Deutschland noch nicht flächendeckend gestattet, Lebensmittelverpackungen aus zertifiziert kompostierbarem Kunststoff in der Bioabfalltonne zu entsorgen.

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