Ausblick

Ralf Dürrwächter: „Für Fleischkäse-Wecken richtet sich der Metzger ja auch keine eigene Backstube ein.“

Wie ist das Jahr 2018 für den Verband und die Mitgliedsunternehmen gelaufen?
2018 war für den VDWF geprägt von schönen Überraschungen. Rund 50 „Neue“ im Verband bescherten uns einen guten Mitgliederzuwachs auf aktuell 325 Unternehmen. Das hieß im zurückliegenden Jahr aber natürlich auch, dass die VDWF-Geschäftsstelle in Schwendi personell weiter verstärkt wurde, um unsere Leistungen und Ideen mit genügend kreativen Freiräumen auch adäquat „auf die Piste“ zu bekommen. Rückenwind und eine Bestätigung von dritter Seite, dass wir mit unseren Anstrengungen auf dem richtigen Weg sind, gab es dann aber auch beim Wettbewerb zum „Verband des Jahres“, wo wir Anfang des Jahres bei der Preisverleihung in Berlin mit dem zweiten Platz ausgezeichnet wurden.

Ralf Dürrwächter ist Geschäftsführer des VDWF Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer e.V. © VDWF

Welche Erwartungen haben Sie an die Jahre 2019 und 2020?
Im Fokus steht immer, das Angebot für unsere Mitgliedunternehmen – sei es mit Veranstaltungen und Seminaren – passend und aktuell zu halten. So werden wir – neben den seit Jahren etablierten Delegationsreisen – den VDWF-Geschäftsführertreff „voll wild“ nachhaltig erweitern und 2019 erstmals auch eine Reise ins entferntere Ausland, nach Portugal unternehmen. Aber auch übergeordnete Branchenthemen wie die überbetriebliche Lehrlings-Ausbildung oder unsere berufsbegleitenden Weiterbildungs-Studiengänge an der Hochschule Schmalkalden werden beim VDWF wieder wesentlich im Fokus stehen.

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Wie schätzen Sie speziell die Region Asien als Anbieter- und als Käufermarkt der nächsten zwei Jahre ein?
Ach, der alte „Angstgegner“ … Ich sehe das so: Für den, der Qualität auf hohem Niveau liefert, ist Asien zunehmend ein Absatzmarkt geworden. In China beispielsweise steigt die Binnennachfrage nach Autos und Produkten für den Alltag. Zunehmend sind daher auch in Fernost europäische Highend-Werkzeuge gefragt, die eine effiziente Produktion gewährleisten. Auf der anderen Seite spielen zurzeit Themen wie Währungs- und Rechtssicherheit oder der Service vor Ort den deutschen Werkzeug- und Formenbau-Unternehmen in die Karten. Kontinuität – und das können unsere Firmen leisten – ist immer mehr das Argument für erfolgsversprechende Kundenbeziehungen.

Welche Risiken erreichen für Ihr Geschäftsfeld besondere Relevanz?
Das größte Risiko liegt in der fehlenden Kommunikation der Akteure: Wer als Werkzeugmacher nicht mit seinem Kollegen „im Vorgarten“ spricht oder ihn, mehr noch, eher als Konkurrenten betrachtet, verliert auf lange Sicht. Innovations- und Investitionsbereitschaft in die Köpfe vorausgesetzt, kann die Werkzeug- und Formenbau-Branche in Deutschland und in Europa nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn man voneinander lernt und einander hilft! Die Zeiten sind vorbei, in denen man noch alles alleine erledigen konnte. Für Fleischkäse-Wecken richtet sich der Metzger ja auch keine eigene Backstube ein … Denn nur in vertrauensvollen Kooperationen gelingt es auch, sich dem globalen Wettbewerb zu stellen. Und das sollte man durchaus mit Freude tun und vor allem ohne Scheuklappen.

Welche technische Innovation sehen Sie als prägend für die beiden nächsten Jahre?
Fräsen wird schneller, Erodieren effizienter und die Additiven Fertigungsmethoden gewinnen im Werkzeug- und Formenbau über zunehmende Materialvielfalt und Baugeschwindigkeiten an Akzeptanz. Es wird aber kein Verdrängungswettbewerb stattfinden, sondern sich ein Zusammenspiel aller Fertigungstechnologien einstellen. Der Kitt, der in der Produktion alles zusammenhält, ist jedoch die Digitalisierung und die Standardisierung. Über „4.0“ redet man schon seit Jahren, doch mittlerweile füllen sich die Worthülsen – auch beim VDWF-Arbeitskreis zum Thema – mit echten, ganz individuellen Anwendungen und vor allem mit Leben. „4.0“ soll nämlich den Menschen dienen und Mehrwert liefern. Diese Sichtweise wird unsere Branche in den nächsten Jahren am nachhaltigsten prägen.

Ihr persönlicher Kommentar?
Werkzeug- und Formenbau rockt! Es lohnt sich, in unser Highend-Metier einzusteigen. Keiner arbeitet präziser in Stahl, als wir Werkzeugmacher – und das meist in der Auflage eins! Man muss sich allerdings etwas die Finger schmutzig machen … Belohnt wird man dann aber mit einem der abwechslungsreichsten Berufe überhaupt. Und warum das Ganze? Weil wir es können! Wir sollten uns stets bewusst sein, dass unser duales Ausbildungs-System und unsere KMU-geprägte Werkzeug- und Formenbau-Struktur im Ausland mit großer Wertschätzung betrachtet wird. Die Ausbildung ist gerade in unserer Branche die Basis für langfristigen Erfolg. Und diese Fahne gilt es gemeinsam hoch zu halten. Machen Sie mit!

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