Keimzelle für Innovationen

Kunststoff – Stahl – Automotive in NRW

Leichtbau ist und bleibt eine Schlüsseltechnologie für die Mobilität. Gerade hier hat Nordrhein-Westfalen mit seinen vielfältigen Kompetenzen in Industrie und Forschung einzigartige Voraussetzungen, um weltweit Spitzenpositionen einzunehmen.

v.l.: Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Bernhard Osburg, Thyssenkrupp Steel Europe, Matthias Zachert, Lanxess, Gunnar Herrmann, Ford, Reinhard Hoffmann, Gerhardi Kunststofftechnik und Vorsitzender Kunststoffland NRW, Christian Hopmann, Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV), Aachen. (Bild: Kunststoffland NRW)

Diese zentralen Botschaften standen im Zentrum der hochkarätig besetzten Veranstaltung „Multi-Material-Leichtbau für die (Elektro-) Mobilität“, zu der der Verein Kunststoffland NRW in die Firmenzentrale von Lanxess in Köln geladen hatte. Ziel war es, im direkten Dialog von Kunststoff-, Stahl- und Automobilindustrie konkrete Innovationschancen auszuloten und die Weichen weiter Richtung Kooperation am Standort zu stellen. Mit dieser thematischen Ausrichtung knüpft Kunststoffland NRW aus Sicht seines Vorsitzenden Reinhard Hoffmann an Diskussionen an, die Experten aus Automobilindustrie und Werkstoffindustrien aktuell bewegen:

·    Wie sieht die neue Mobilität aus?

·    Welche Bedeutung kommt in nächster Zeit dem Leichtbau und damit innovativen Materialkonzepten zu?

·    Wie können die Unternehmen in NRW mit ihren historisch gewachsenen Werkstoffkompetenzen bei Kunststoff und Metall Wettbewerbsvorteile generieren oder ausbauen?

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Gerade die letzte Frage trieb besonders auch NRW-Wirtschafts- und Digitalminister Andreas Pinkwart um: „Wir müssen Nordrhein-Westfalen mit seiner starken Industrie gemeinsam weiter nach vorne bringen. Dazu brauchen wir engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer und das Know-how der Besten, um die sich bietenden Innovationschancen zu nutzen. Lassen Sie uns deshalb rund um das Schlüsselthema Leichtbau auch branchen- und werkstoffübergreifend denken und handeln – im Interesse der einzelnen Unternehmen und des Standortes Nordrhein-Westfalen.“

Bei der Automobilbranche als einer der wichtigsten Anwendungsindustrien traf Andreas Pinkwart damit auf offene Türen. Gunnar Herrmann, Chef der Ford-Werke in Köln, unterstrich in seiner Keynote die zentrale Bedeutung von Innovationen für die Mobilität der Zukunft, Ford setze dabei stark auf neue Materialkonzepte und Multi-Material-Leichtbau. Sein Credo: „Das richtige Material, zur richtigen Zeit, am richtigen Produkt“ brachte die Erwartungen der automobilen Anwender auf den Punkt und markierte zugleich die Richtung, in der noch viele unausgeschöpfte Innovationschancen und neue Geschäftsmöglichkeiten warten.

Als Gastgeber verdeutlichte Lanxess-Chef Matthias Zachert, wie intensiv sein Unternehmen bereits an der neuen Mobilität arbeite: „Neue Mobilitätsformen wie das autonome Fahren, die Elektrifizierung des Fahrzeugantriebs und neue Logistikkonzepte verändern auch die Kunststoffindustrie. Im Jahr 2025 werden etwa 80 Prozent aller weltweit produzierten Fahrzeuge über alternative Antriebe verfügen. Lanxess baut am Auto der Zukunft mit: Wir entwickeln Hochleistungskunststoffe für Leichtbauanwendungen – in allen Bereichen des Automobils.“

Bewusst setzt der Kunststoffhersteller auch auf neue Kunststoff-Metall-Verbundtechnologien für die automobile Großserie und nutzt damit konsequent die Potenziale derartiger Hybridlösungen. Die Kombination von Material- und Prozess-Know-how aus verschiedenen Werkstoffwelten kann nicht nur zu Kostensenkungen führen und Leichtbau so bezahlbarer machen, sondern verschafft ebenso Vorteile bei Montage und Logistik. Wie groß die Herausforderungen dabei allerdings sind, machte Bernhard Osburg, Head of Sales Steering, Thyssenkrupp Steel Europe mit Blick auf die besonderen Prozesse bei Stahlproduktion und -verarbeitung deutlich: „Innovationen müssen bei uns immer im Volumen erfolgreich sein. Auch und gerade für neuartige Multi-Material-Ansätze gilt deshalb zwingend ‚Raus aus der Nische‘.“ Generell sieht Osburg ebenfalls große Potenziale durch Synergien zwischen Stahl und Kunststoff, die zum Wohl des Landes genutzt werden können. Berührungsängste kenne die Stahlindustrie jedenfalls nicht, so Bernhard Osburg, gleichwohl betont er: „Wir müssen in den Köpfen etwas verändern.“

Trotz dieser hoffnungsvollen Ansätze ist noch viel zu tun, davon zeigte sich Reinhard Hoffmann aus der Perspektive von Veranstalter Kunststoffland NRW überzeugt: „Nach meiner Erfahrung bleiben bisher viele dieser Chancen ungenutzt. Offenbar bestehen nach wie vor Berührungsängste und Verständnisprobleme zwischen Kunststoff- und Metallindustrie, echte Hybridansätze in Volumenfahrzeugen sind daher momentan leider noch Mangelware. Hier müssen wir dringend Abhilfe schaffen, wozu wir die OEM als Treiber benötigen.“

Dass davon nicht nur die Unternehmen profitieren, sondern der Standort NRW insgesamt, steht für Diskussionsleiter Professor Hopmann außer Zweifel: „Das Material- und Prozesswissen aus sämtlichen Werkstoffwelten ist in NRW in einer Breite und Tiefe vorhanden wie in keiner anderen Region in Europa, vielleicht sogar weltweit. Wenn wir die Know-how-Träger dieser Segmente systematisch vernetzen und über Werkstoffgrenzen hinweg kooperieren, sind wir im internationalen Wettbewerb unschlagbar.“

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