News

Kuka: Großaktionär stellt Antrag auf außerordentliche Hauptversammlung

Die Grenzebach Maschinenbau GmbH, nach eigenen Angaben mit 27,3 Prozent der Anteile Großaktionär der Kuka AG, hat die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung beantragt. Sie soll voraussichtlich im Herbst stattfinden.
Als Tagesordnungspunkte wurden der Vertrauensentzug gegenüber den Kuka-Vorstandsmitgliedern Dr. Horst Kayser und Dr. Matthias Rapp, die Abberufung des amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Rolf Bartke sowie Neuwahlen zum Aufsichtsrat beantragt. Grenzebach und die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Rinvest (1,9 Prozent der Anteile laut Auskunft) stimmen sich dabei hinsichtlich der Ausübung ihrer Aktionärsrechte ab. Grenzebach hatte,so de Mitteilung, seit der Anteilsaufstockung im März und Juni 2009 mehrfach den konstruktiven Dialog mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und dem Vorstand der Gesellschaft über die künftige Ausrichtung des Unternehmens gesucht, ohne zu einem akzeptablen Ergebnis zu gelangen.

Grenzebach kritisiert vor allem, dass der amtierende Vorstand allen Ankündigungen zum Trotz neue Wachstumsmärkte jenseits der Automobilbranche nicht mit der gebotenen Konsequenz und Geschwindigkeit erschließt. Kuka habe 2008 rund 70 Prozent des Um-satzes mit Automobilkunden erzielt, einem traditionell zyklischen Geschäft, das durch die aktuelle Strukturkrise der Automobilindustrie zusätzlich unter Druck geraten ist. Als besonders aussichtsreich beurteilt Grenzebach Anwendungen in den Wachstumsmärkten Medizintechnik, Solarbranche und Airportlogistik. Die Vernachlässigung dieser Wachstumsbereiche schlage sich auch in einem aus Aktio-närssicht sehr unbefriedigenden Aktienkurs nieder.

Anzeige

Unabhängig von diesen strategischen Weichenstellungen hat es der amtierende Vorstand es aus Sicht von Grenzebach versäumt, rechtzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den massiven Auftragsrückgang zu kompensieren und die Finanzierung zu sichern. So habe der Vorstandsvorsitzende Dr. Horst Kayser noch im Februar 2009 der Presse gesagt, es bestehe keine Gefahr, dass größere Einschnitte notwendig würden. Finanzvorstand Dr. Matthias Rapp führe seit November 2008 ergebnislos Finanzierungsgespräche mit Banken. Zudem versäume es der Vorstand, die bereits Anfang 2009 mögliche und sinnvolle Kapitalerhöhung rechtzeitig durchzuführen. Ein weiterer wesentlicher Kritikpunkt liegt in der Personalpolitik des Vorstandes: Vor allem die Robotersparte habe in den vergangenen Monaten weite Teile ihres Führungspersonals verloren. So habe sich Kuka von drei der vier Geschäftsführer der Robotersparte getrennt, ohne adäquate Nachfolgelösungen zu haben. Als Begründung für die Abberufung des Aufsichtsratsvorsitzenden führte Grenzebach an, dass der Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Dr. Rolf Bartke die Versäumnisse des Vorstands tatenlos hingenommen habe. Zahlreiche neue Anwendungen der Robotertechnik seien im Aufsichtsrat nicht oder unzureichend erörtert worden.

Für die Nachfolge der beiden Vorstände hat Grenzebach nach eigenen Angaben eine strukturierte Suche initiiert und befindet sich bereits in Gesprächen mit einigen profilierten Kandidaten für beide Vorstandsämter. Bis zur außerordentlichen Hauptversammlung sollen die Kandidaten präsentiert werden. Auch mit potenziellen Nachfolgern für Dr. Rolf Bartke als Aufsichtsratsmitglied finden derzeit Gespräche statt. Ihren neuen Vorsitzenden wählen die Mitglieder des Aufsichtsrats selbst. Dafür kandidieren wird Dr. Till Reuter, Verwaltungsratsmitglied der Rinvest AG und Berater von Grenzebach. Er ist bereits seit der ordentlichen Kuka-Hauptversammlung im April 2009 Mitglied des Aufsichtsrats.
Grenzebach und Rinvest betonen, auch weiterhin keinen Anteil von 30 Prozent oder mehr anzustreben, ab dem ein Pflichtangebot an alle Aktionäre abzugeben wäre.

Hintergrund
Die Grenzebach Firmengruppe bezeichnet sich als Spezialist in der Materialfluss- und Verfahrenstechnologie und Weltmarktführer im Anlagenbau für Flachglas und Gipskartonplatten. Stammhaus der Gruppe ist die Grenzebach Maschinenbau GmbH mit Sitz in Hamlar, etwa 40 Kilometer nördlich von Augsburg. Das Unternehmen wurde 1960 von Rudolf Grenzebach gegründet und betreibt sechs Produktionsstandorte, davon drei in Deutschland, und elf Vertriebs- und Service-Niederlassungen. Für das Geschäftjahr 2008 weist das Familienunternehmen 300 Millionen Euro Umsatz und weltweit mehr als 1500 Mitarbeiter aus.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige