Kunststoffe in Technik und Politik

Kunststoffland NRW am Bodensee

Der Branchenverband Kunststoffland NRW bietet zur Fakuma einen der großen Gemeinschaftsstände – aus guten Gründen, wie und der Vorsitzende Reinhard Hoffmann erklärt.

Reinhard Hoffmann: Der Vorsitzende Kunststoffland NRW ist seit dem Jahr 2000 Geschäftsführender Gesellschafter der Gerhardi Kunststofftechnik © Kunststoffland NRW

In wenigen Wochen startet die Fakuma. Welche Bedeutung hat diese Messe aus Ihrer Sicht?

Der Branchenverband Kunststoffland NRW bietet zur Fakuma einen der großen Gemeinschaftsstände. © Vanessa Leissring

Für die nordrhein-westfälische Kunststoffindustrie gilt die Fakuma - neben der Düsseldorfer Weltleitmesse K als wichtigste Messe und zugleich als Stimmungsbarometer der Branche. Mitte Oktober werden Kunststofferzeuger, Kunststoffverarbeiter und Vertreter des Kunststoffmaschinenbaus aus unserer Region am Bodensee wieder stark vertreten sein, an eigenen Ständen und auch am komplett ausgebuchten Gemeinschaftsstand des Landes Nordrhein-Westfalen. Unsere führenden Firmen der Kunststofferzeugung Lanxess, Covestro und Evonik werden genauso Flagge zeigen, wie zahlreiche mittelständische Unternehmen vorwiegend aus den ländlichen Regionen unseres Bundeslandes. Das ist ein sehr guter Indikator, dass viele Unternehmen den lösungsorientierten Ansatz der Messe wahrnehmen.

Besonders erfreulich ist aus meiner Sicht, dass viele der ausstellenden Unternehmen mit Stammsitz in Nordrhein-Westfalen Mitglieder in unserem Verein Kunststoffland NRW sind. Einer der Höhepunkte der Fakuma, auf den wir uns besonders freuen: Der traditionsreiche NRW-Abend zum Messeauftakt am 16. Oktober mit optimalen Vernetzungsmöglichkeiten zum Austausch über die großen Themen, die die Branche umtreibt. Ein schönes Beispiel für aktives, lebendiges Netzwerken – ganz im Sinne von Kunststoffland NRW!

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Stichwort EU-Kunststoffstrategie: Wie gehen Sie als Netzwerk der gesamte Wertschöpfungskette Kunststoff mit diesem Thema um? Welche Weichen müssen/können jetzt gestellt werden, an welchen Stellen ist die Kunststoffindustrie jetzt besonders gefordert?

Die Kunststoffstrategie, die die Europäische Kommission im Januar 2018 verkündet hat, wird wegen ihrer Tragweite auch künftig zu den zentralen Schwerpunkten unseres Vereins gehören. Das Anliegen, das hinter dieser Strategie steckt, ist aus meiner Sicht absolut berechtigt. Angesichts der großen Herausforderung, die etwa Plastikmüll in den Weltmeeren bedeutet, muss die Politik handeln. Aber selbstverständlich ist auch die Kunststoffindustrie selbst gefordert. Wir sollten Nachhaltigkeitsaspekte bei Produktion und Verarbeitung, aber auch bei Verbrauch und Verwertung von Kunststoffen noch stärker berücksichtigen. In diesem Sinne halte ich das Ziel einer echten Kreislaufwirtschaft prinzipiell für richtig, allerdings auch für äußerst ambitioniert. Nur gemeinsam und Schritt für Schritt werden wir hier auf Dauer Erfolge erzielen können. Der Verein Kunststoffland NRW ist DIE Plattform, um den Dialog sowohl entlang der Wertschöpfungskette als auch mit Abfallwirtschaft, den Anwenderindustrien, Handel, Markenherstellern und Verbraucherorganisationen zu führen. Mit unseren Aktivitäten wollen wir Unternehmen animieren über den Wertstoffansatz neue Geschäfts- und Nutzungsmodelle zu entwickeln. Denn nur so verhindern wir gesetzliche Hürden und Abgaben.

„Nur gemeinsam und Schritt für Schritt werden wir hier auf Dauer Erfolge erzielen können.“

Wir bei Kunststoffland NRW organisieren einen offenen Prozess, wo jeder seine Ideen und Kompetenzen einbringen kann. Einen weiteren Schritt gehen wir am 10.10.2018 in Iserlohn mit unserer Veranstaltung „Kunststoff neu denken – Chancen für unsere Industrie, ihre Kunden und Anwender“. Alle Interessierten sind herzlich zum Mitmachen eingeladen.

Welche Erwartungen haben Sie an andere Akteure, die für die Kunststoffindustrie von zentraler Bedeutung sind – also beispielsweise Politiker, Verbraucher, unsere Gesellschaft insgesamt?

Neben der Industrie steht natürlich die Politik bei Umsetzung der EU-Kunststoffstrategie selbst in der Verantwortung. Wir diskutieren in unseren Reihen intensiv, wie und an welchen Stellen der Staat auf allen Ebenen wirkungsvoll unterstützen kann. Das sind nach unserer Überzeugung gut durchdachte längerfristige Rahmensetzungen, um Investitionssicherheit zu gewährleisten, aber auch durch sinnvolle Anreize und Förderprogramme. Plakative Aktionen der Kommission, wie das pauschale Verbot von Einwegprodukten aus Kunststoff, helfen nicht weiter. Vielmehr gilt es, den Gedanken der Nachhaltigkeit zu stärken. Entscheidende Voraussetzung für ein wirksames Agieren der Politik ist aus meiner Sicht das ernsthafte Interesse ihrer Vertreter und Vertreterinnen an unserer Industrie mit ihrer enormen Innovationskraft und ihrer wichtigen Rolle als Arbeitgeber. Dies kommt bei den völlig anderen Schwerpunkten aktueller Politik leider oft zu kurz. Gerade deshalb ist der permanente Austausch, wie ihn der Vorstand unseres Vereins mit dem NRW-Wirtschaftsminister pflegt, für uns von zentraler Bedeutung. Allen Stakeholdern ist völlig klar: Die Plastiktüte landet nicht von selbst im Meer, sondern es sind Konsumenten und damit leider wir alle, die hier oftmals unverantwortlich und äußerst kurzsichtig handeln. Dem Konsumenten muss mit klaren Wertstoff-Nutzungswegen gezeigt werden, dass nachhaltiges Verhalten zu sinnvollen Ergebnissen führt.

„Wir bei Kunststoffland NRW organisieren einen offenen Prozess, wo jeder seine Ideen und Kompetenzen einbringen kann.“

Welche weiteren Schwerpunktthemen stehen für Sie und Ihren Verein außerdem in nächster Zeit im Mittelpunkt? Welche konkreten Aktivitäten sind geplant?

Grundsätzlich rangieren die Themen Vernetzung, Wissenstransfer und das Aufgreifen von aktuellen branchenpolitischen Problemen bei unseren Mitgliedern „als Dauerbrenner“ weit vorne. Die oberste Zielsetzung von Kunststoffland NRW ist die langfristige Stärkung der Wertschöpfungskette Kunststoff am Standort, hieraus ergibt sich ein bunter Strauß an aktuellen Schwerpunkten wie Industrie 4.0 und Digitalisierung, Additive Fertigung, Leichtbau und Kreislaufwirtschaft. Darüber hinaus ist der Fach- und Führungskräftemangel ein Dauerthema. Sehr konkrete Mehrwerte erhalten unsere Vereinsmitglieder dadurch, dass wir im wahrsten Sinne des Wortes Türen öffnen – beispielsweise zu OEMs oder zu wichtigen Markenherstellern. Sie alle suchen bei ihren aktuellen Fragestellungen verstärkt die konkrete Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedern, und zwar in nächster Nähe, an unserem Standort. Die Vermittlungsrolle von Kunststoffland NRW erfährt nach meinem Eindruck hier immer größere Wertschätzung, das freut mich sehr.

Wie sehen Sie, auch unter den von Ihnen beschriebenen aktuellen Entwicklungen, den Verein Kunststoffland NRW im Jahr 2025?

Getreu dem Motto „Wer, wenn nicht wir?“ wird Kunststoffland NRW weiter nach innen vernetzen und nach außen sachlich aufklären und den gesellschaftlichen Dialog vorantreiben, für eine starke Kunststoffindustrie in NRW. Von noch größerer Tragweite wird es sein, sämtliche Akteure der Wertschöpfungskette Kunststoff an den berühmten gemeinsamen Tisch zu bekommen. Dabei wird der Dialog der Kunststoffindustrie mit Anwenderindustrien, Markenherstellern, Handel, und NGOs an Bedeutung gewinnen.

„Von noch größerer Tragweite wird es sein, sämtliche Akteure der Wertschöpfungskette Kunststoff an den berühmten gemeinsamen Tisch zu bekommen.“

Nur gemeinsam können wir alle Kompetenzen, die wir an unserem Standort haben, optimal nutzen, um konstruktiv Problemlösungen anzubieten und überzeugende Geschäftsmodelle zu entwickeln. Für unseren Verein wünsche ich mir sehr, dass wir bis 2025 einen großen Teil der rund eintausend Unternehmen der Kunststoffindustrie in NRW als Mitglieder gewonnen haben – durch authentisches Engagement unserer Vorstände und Mitglieder sowie professionelle Arbeit unserer Geschäftsstelle. Wenn es uns bis 2025 zusätzlich gelingt, auch Frauen für eine Arbeit im Kunststoffland- Vorstand zu begeistern, wäre ich hochzufrieden.

Fakuma: Halle B4, Stand 4404


Reinhard Hoffmann

Der Vorsitzende Kunststoffland NRW ist seit dem Jahr 2000 Geschäftsführender Gesellschafter der Gerhardi Kunststofftechnik. An den Standorten Lüdenscheid, Werdohl, Ibbenbüren und Montgomery (USA) des Unternehmens sind heute etwa 1600 Mitarbeiter beschäftigt. Reinhard Hoffmann engagiert sich bereits seit 2012 im Vorstand von Kunststoffland NRW, seit 2016 in der Funktion als Vereinsvorsitzender.


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