Neue Themen für die K-Branche erarbeiten

Kunststoffland NRW auf politischer und technologischer Ebene aktiv

Auf möglichst vielen politischen Ebenen für die Bedürfnisse der Kunststoff-Industrie werben und deren Bedeutung in Bewusstsein rücken – darin sieht der Branchenverband „Kunststoffland NRW“ eine Kernaufgabe. 

Dr. Bärbel Naderer ist seit Februar 2009 Geschäftsführerin des Vereins Kunststoffland NRW. Zuvor war sie im Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen unter anderem für Branchen- und Industriepolitik zuständig. (Bild: Kunststoffland)

Auf der anderen Seite werden technologische Fragestellungen mit den Mitgliedern aufgearbeitet und in Richtung zukunftsfähiger Lösungen entwickelt. Im Vorfeld der Fakuma wollten wir von der Geschäftsführerin Dr. Bärbel Naderer wissen, welche aktuellen Themen anliegen.

Frau Naderer, außer der Fakuma, und damit der wichtigsten Messe des Jahres, steht die Bundestagswahl an. Bewegt sich – oder bewegen Sie – trotzdem derzeit die politischen Gremien, und wenn ja, mit welchen Themen?

Bärbel Naderer: Natürlich zieht uns die Fakuma in ihren Bann…das oberste Ziel von Kunststoffland ist die langfristige Stärkung der Wertschöpfungskette Kunststoff am Standort und hieraus ergibt sich ein ganzer Blumenstrauß an hochaktuellen Herausforderungen und Themen, die besonders die mittelständischen Unternehmen betreffen. Ein Dauerthema ist sicherlich der Fach- und Führungskräftemangel. Weitere große Themen sind Industrie 4.0/Digitalisierung, Leichtbau und Kreislaufwirtschaft. Hier wirken wir ganz konkret bei der Gestaltung der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. Gerade Vorwahlzeiten bieten eine Menge Spielraum, um wichtige Akzente zu setzen.

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Um Ihnen nur ein Beispiel zu nennen: Als Beiratsmitglied der Initiative Leichtbau des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ist kunststoffland NRW aktiver Treiber im Interesse der gesamten Kunststoffindustrie.

Das Thema Industrie 4.0 ist in den Medien und auf den Messen omnipräsent. Auch wenn man das Marketinggeklingel abzieht, könnte sich hier tatsächlich ein Innovationsfeld eröffnen, das Anlagenherstellern und Verarbeitern gleichermaßen Vorteile im internationalen Wettbewerb eröffnet. Welche Aktivitäten entfaltet das Kunststoffland NRW in diesem Umfeld bei Politikern und Forschungsinstituten?

Bärbel Naderer: Allerdings ein sehr spannendes Thema. Um im internationalen Wettbewerb erfolgreich bestehen zu können, ist die Innovationsführerschaft der deutschen Kunststoffindustrie beim Thema Industrie 4.0/Digitalisierung von immenser Bedeutung. Nirgendwo in Europa ist die Wertschöpfungskette Kunststoff so dicht und komplex aufgestellt wie in Nordrhein Westfalen, folglich liegt es auf der Hand, dass innovative und zukunftsfähige Lösungen entlang der Wertschöpfungskette in NRW entwickelt werden. Hier liegt ein Fokus der Vereinsarbeit. In unseren zahlreichen Veranstaltungen, Plattformtreffen und Strategiemeetings zum Thema haben wir im Laufe der letzten Jahre dazu immer wieder Forschung, Unternehmen und Politik eng vernetzt und erfolgreiche Projekte angestoßen. Andererseits können wir das Thema Industrie 4.0/Digitalisierung nicht nur durch die Kunststoffbrille betrachten, deshalb initiieren wir bewusst den branchenübergreifenden Dialog und stehen in engem und regelmäßigem Austausch mit der Metallindustrie und wichtigen Anwenderindustrien.

Aber auch die Arbeit in den Betrieben wird sich im Zuge von Industrie 4.0/Digitalisierung stark verändern, hier fokussieren wir unsere Aktivitäten auf das Thema Qualifikation und binden neben Forschungsinstituten und Gewerkschaften auch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW ein.

Besonders wichtig aber ist es, Industrie 4.0/Digitalisierung explizit für die kleinen und mittelständischen Unternehmen zu konkretisieren und den Austausch unter Praktikern voranzutreiben. Regen Zulauf fand daher der bis auf den letzten Platz ausgebuchte Kunststoffland Innovationstag im Juli 2017 unter dem Thema „Chancen der Digitalisierung für die Wertschöpfungskette Kunststoff“ bei unserem Mitgliedsunternehmen Murtfeldt Kunststoffe in Dortmund.

Kleinere und mittelständische Unternehmen tun sich typischerweise schwerer, ihre Anliegen offensiv zu vertreten und effektiv voran zu bringen. Wie binden Sie die Gruppe in die Verbandsarbeit ein?

Bärbel Naderer: Hier vielleicht zunächst einmal grundsätzlich: Der Großteil unserer Mitglieder sind kleine und mittelständische Unternehmen. Diese Unternehmen sind hoch-innovativ und schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze: Kleine und mittelständische Unternehmen bilden den Kern der Wertschöpfungskette Kunststoff am Standort.

Ein wichtiges Vereinsziel ist es, gerade der mittelständischen Kunststoffindustrie Gehör zu verschaffen und eine Stimme zu verleihen. Der Kunststoffland Mittelstandsdialog ist dafür das richtige Forum: Hier treffen sich die Geschäftsführer der kleinen und mittelständischen Unternehmen, hier wird Tacheles geredet – hier werden konkrete politische Impulse gesetzt.

Mit Peter Barlog, Geschäftsführer Barlog Plastics, haben KMU – neben dem Vereinsvorsitzenden Reinhard Hoffmann als Geschäftsführender Gesellschafter der Gerhardi Kunststofftechnik – einen weiteren engagierten Vertreter im Kunststoffland-Vorstand, der stets ein offenes Ohr für ihre Herausforderungen und Anliegen hat. Durch unseren kurzen Draht zur Politik finden wir schnell Gehör und adressieren zielgerichtet die Themen der KMU an die richtigen Entscheidungsträger.

Die Kunststoffland Veranstaltungsformate sind ebenfalls konsequent auf KMU ausgelegt. Kunststoffland Innovationstage, Recycling- Veranstaltungen und Leichtbau-Treffen funktionieren nur deshalb, weil hier die KMUs ernst genommen und abgeholt werden, reichlich Raum zur Vernetzung haben und ein starker Praxisbezug gegeben ist. Die stetig steigende Anzahl von KMU-Mitgliedern spricht meines Erachtens dafür, dass wir auch hier auf dem richtigen Weg sind.

Mit welchen Themen bzw. wie vielen Unternehmen werden Sie auf der Fakuma mit dem Gemeinschaftsstand präsent sein? Wie viele Mitgliedsunternehmen sind mit eigenen Ständen vertreten?

Bärbel Naderer: Der Landesgemeinschaftsstand „Kunststoffland NRW“ wird auch dieses Mal wieder einer der größten Messestände auf der gesamten Fakuma sein. Wir freuen uns sehr über die zahlreichen Aussteller: 23 Unternehmen sind auf unserem Stand vertreten. Konkret erwarten dort die Besucher viele spannende Exponate, vom innovativen wärmeleitfähigen Füllstoff über Kunststoff-Systemlösungen und Baugruppen im Bereich Kosmetik bis zu hochinnovativen Kunststoffoptiken mittels Spritzgießtechnik.

44 weitere Kunststoffland-Mitgliedsunternehmen sind mit eigenen Ständen auf der Fakuma präsent. Sie bilden die gesamte Wertschöpfungskette Kunststoff ab und vermitteln einen hervorragenden Einblick in die Innovationskraft der Kunststoffindustrie in NRW, Europas Kunststoffstandort Nr. 1.

Fakuma 2017, Halle B4, Stand 4404


Kunststoffland NRW 

Rund 160 Unternehmen – von der Kunststofferzeugung, der Kunststoffverarbeitung über den Maschinenbau, bis zu Forschung und Aus-/Weiterbildung – sind Mitglied des Branchenverbandes Kunststoffland NRW. Er versteht sich als Netzwerk und Sprachrohr der Kunststoffindustrie und erster Ansprechpartner der Politik. Zentralen Themen besonders auch der mittelständischen Kunststoffindustrie soll Gehör verschafft werden.

www.kunststoffland-nrw.de

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