VDWF-Präsident Prof. Thomas Seul

Annina Schopen,

Lernen hat seine Zeit

Nachdem die Fachmesse für Kunststoffverarbeitung letztes Jahr pandemiebedingt entfallen musste, fand sie dieses Jahr wieder statt. VDWF-Verbandspräsident Prof. Dr.-Ing. Thomas Seul war mit einigen seiner Studierenden des Studiengangs „Angewandte Kunststofftechnik“ der Hochschule Schmalkalden in Friedrichshafen.

Prof. Thomas Seul mit seinen Studierenden auf der Fakuma 2021. © HS Schmalkalden

Die Studierenden der „Angewandten Kunststofftechnik“ haben sich auf der Messe über neue Verfahren informiert und sich über 3D-Technologien erkundigt, die sie auch selbst ausprobieren konnten. Freut Sie das als Hochschullehrer?
Prof. Thomas Seul: Als Professor sehe ich mich als Ermöglicher. Die Studierenden haben auf der Fakuma die Möglichkeit, sich mit bekannten und neuen Technologien auseinanderzusetzen und Kontakte zu knüpfen. Und ich freue mich, wenn sie diese Chance gemeinsam wahrnehmen. Gerade auch beim berufsbegleitenden Zweig der „Angewandten Kunststofftechnik“ ist es uns wichtig, ein Wir-Gefühl zu erzeugen. Gemeinsames Lernen schafft einen
Erkenntnisgewinn, den man allein nicht erreicht. Lernt man im stillen Kämmerlein, fehlt einfach das Herausfordernde. Neue Impulse bekommt man nur in der Gruppe.

Die Hochschule Schmalkalden wird immer wieder für ihre Angebote bei den Weiterbildungsstudiengängen ausgezeichnet. Ein Studium dort geht also über das „Lernen vom Mitlernenden“ hinaus …
Prof. Thomas Seul: Auf jeden Fall. Ein Feedback, das wir häufig bekommen, ist ein Lob für die Effizienz der Studiengangstruktur. Die Studierenden merken, dass die Zeit, die sie investieren, sinnvoll genutzt wird, und viele sind dankbar, dass es unser Bildungsmodell auch ermöglicht, die Balance zu halten zwischen Arbeit, Weiterbildung und privatem Leben mit Freunden und Familie. Wir haben alle unsere berufsbegleitenden Studiengänge gezielt modular aufgebaut, sodass größtmögliche Flexibilität gegeben ist und keine Belastungsspitzen entstehen.

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Aus welchen Branchen kommen die Studierenden, die die „Angewandte Kunststofftechnik“ als Weiterbildungsangebot belegen?
Prof. Thomas Seul: Die meisten kommen aus dem MINT-Bereich. Im Grunde ist aber jede technische Richtung möglich. Wir haben beispielsweise auch Designer oder Zahntechniker, die sich im Fachgebiet Kunststofftechnik weiterbilden möchten. Von den sieben Masterstudenten, die ich hier aktuell betreue, haben zwei bei uns den Bachelor gemacht, alle anderen haben ihre Erstausbildung an anderen Hochschulen absolviert und sich ganz bewusst dafür entschieden, zu uns nach Schmalkalden zu kommen.

Die Absolventen sind ja auch in der Industrie sehr gefragt.
Prof. Thomas Seul: Ja, der Bedarf an Kunststoffexperten ist hoch. Wenn bei uns jemand einen Bachelor oder einen Master mit einem guten Ergebnis abschließt, ist das eine Investition in die eigene Zukunft.

Prof. Thomas Seul. © HS Schmalkalden

Man muss sich nur trauen, in seinen Geist zu investieren …
Prof. Thomas Seul: Manche Erwerbstätigen werden nach einigen Jahren im Tagesgeschäft reif für einen nächsten Bildungsschritt. Das Schöne ist doch, dass uns das Bildungssystem in Deutschland diese Form der Weiterbildung überhaupt ermöglicht. In vielen Berufen verändern sich nämlich Technologien, Prozesse, Kundenanforderungen etc. Lernen darf hier also niemals aufhören. Für viele Unternehmen bietet ein Weiterbildungsstudiengang dann die Chance, Mitarbeiter fit für die neuen Herausforderungen im Job zu machen. Es liegt aber an jedem selbst, diese Chance zu ergreifen – man muss es nur wollen. Die Freude daran, sich während des Berufslebens weiterzuentwickeln, ist dann der Schlüssel zum Erfolg.

Insgesamt sechs Studiengänge wurden bisher in Kooperation mit dem VDWF konzipiert. Wie ist der Verband hier eingebunden?
Prof. Thomas Seul: Der VDWF sorgt mit Themen und Fragestellungen aus dem Alltag dafür, dass der Praxisbezug im Studiengang hoch ist. Er stellt in verschiedenen Bereichen – von Technologie über Rechtsthemen bis Marketing – auch Dozenten, die für eine anwendungsorientierte Lehre sorgen.

Ihr Labor für Angewandte Kunststofftechnik an der Hochschule Schmalkalden trägt aber auch seinen Teil dazu bei …
Prof. Thomas Seul: Klar. Klein und fein: Dass Forschung und Lehre bei uns aktuell, ja tagesaktuell sind und immer auf dem neuesten Stand der Technik, ist unser Anspruch. Beim Aufbau des Studiengangs und des Labors haben wir die Bedürfnisse der Wirtschaft berücksichtigt und passen uns natürlich an neueste Trends an. Momentan binden wir beispielsweise den Faktor Nachhaltigkeit in der Produktion stärker in die Lehre und auch in die Forschung mit ein.

Nachhaltigkeit – ist das auch ein Trendthema auf der Fakuma?
Prof. Thomas Seul: Auf jeden Fall. Die Frage nach „Sustainability“ ist auch im Werkzeug- und Formenbau angekommen. Das merke ich auch hier auf der Messe. Fragestellungen bezüglich der Nachhaltigkeit in der Fertigung sind inzwischen Bestandteil eines jeden Projektantrags. Während früher die drei wichtigsten Faktoren Preis, Qualität und Zeit waren, kommen nun Nachhaltigkeit, aber auch Flexibilität und Digitalisierung hinzu. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen wird in zehn Jahren nicht mehr wegzudenken sein.

Und wie sehen Ihre Studenten und Sie das Thema der Additiven Fertigung?
Prof. Thomas Seul: Die Auseinandersetzung mit 3D ist kein Trend mehr, sondern in als Standard in der Fertigung angekommen. Wenn man sich hier auf der Messe bewegt, hört man überall, wie in diesem Bereich Lösungen diskutiert werden. Es freut mich, dass dieses Thema nun da angekommen ist, wo es hingehört.
Hochschule Schmalkalden, Fernstudium und Weiterbildung,

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