Kennzahlen Formen- und Werkzeugbau

Meinolf Droege,

Marktspiegel: Erfolg an der Produktivität messen

Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschsprachigen Werkzeug-, Modell- und Formenbauten zu sichern, führt die Marktspiegel Werkzeugbau branchenweit anonyme Unternehmensvergleiche durch. Mit dem Ziel, die Betriebe mit Branchenwissen systematisch besser zu machen, sind die Initiatoren 2019 gestartet. Nun präsentieren sie monatlich einen Kennzahlen-Report.

Mit dem Ziel, die Betriebe mit Branchenwissen systematisch besser zu machen, präsentiert der Marktspiegel Werkzeugbau monatlich einen Kennzahlen-Report mit Vergleichswerten für den Werkzeug-, Modell- und Formenbau. Diesmal aus dem Analysefeld – Produktion, Organisation, Prozesse und Strategie. © Marktspiegel

Im Report Januar 2021 haben die Auswerter das Thema Produktivität der Werkzeug-, Modell- und Formenbauer in den Mittelpunkt gestellt. Aber wie lässt sich die in der Branche messen und gezielt steigern? Die Datenauswertungen der Mitgliedsunternehmen aus dem Jahr 2019 haben gezeigt, dass der durchschnittliche Personalaufwand zur Generierung einer Spindelstunde 1,41 Stunden beträgt. Ein Kennwert, an dem sich gut die Produktivität eines Unternehmens beurteilen lässt. Es wird betrachtet, wie viel Manpower für Bedienung, Programmierung und Planung aufgewendet werden muss, um eine produktive Spindelstunde zu generieren. Laut Gutachter Jens Lüdtke ist dieser Wert zu hoch und ein Indikator dafür, wie standardisiert und automatisiert die Prozesskette abläuft und in welchem Anteil mannlos die Maschinen in den Unternehmen produzieren. Er plädiert dazu, dass für eine produktive Spindelstunde nicht mehr als eine Stunde personaler Aufwand benötigt werden sollte.

Apropos mannlos. Der durchschnittliche Bedienanteil, der vom Marktspiegel Werkzeugbau analysierten Werkzeug-, Modell- und Formenbaubetrieben liegt bei 75 Prozent. Auch dieser Kennwert ist deutlich zu hoch. „In vielen Betrieben aus der Branche wird im Umkehrschluss erst zu 25 Prozent mannlos gearbeitet“, verdeutlicht Jens Lüdtke. „Hier kann ich nur jedem Unternehmen ans Herz legen, Konzepte zu entwickeln, wie mannlose Maschinenstunden generiert und die Maschinenproduktivität im eigenen Unternehmen bis zum Ende des Jahres 2021 so gesteigert werden kann, dass sich der Bedienanteil auf mindestens 50 Prozent reduziert.“

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Zu geringe produktive Maschinenlaufzeit

Mit unternehmensspezifischen Individualreports können deutschsprachige Werkzeug-, Modell- und Formenbauten Defizite erkennen und die eigene Positionierung im direkten Vergleich zum Branchenumfeld einsehen. © Marktspiegel

Hohe mannlose Laufzeiten haben enormen Einfluss auf die jährliche produktive Maschinenlaufzeit pro Maschine. Hier liegt der Durchschnitt beim Marktspiegel im Werkzeug-, Modell- und Formenbau bei nur rund 2000 Stunden. Die Feld reicht durchschnittlich von 600 bis 5400 Stunden pro Maschine. Eine enorme Spanne, die das Potenzial in diesem Bereich deutlich macht. Bei Steigerung der Produktivität geht es in erster Linie darum, funktionierende Abläufe und Prozesse sicherzustellen und auch teure Betriebsmittel wie CNC-Maschinen, so effektiv wie möglich auszulasten. Das Ergebnis der Untersuchung sei alarmierend und der Wert viel zu niedrig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass jede Fertigungsanlage 8760 Stunden im Jahr zur Verfügung steht“ Unternehmen sollten die produktive Maschinenlaufzeit nach Aussage von Jens Lüdtke auf mindestens 3500 Stunden im Jahresverlauf steigern. Dazu brauche es einen konkreten Umsetzungsplan.

Der Trend in den Unternehmen gehe klar weg davon, viele Maschinen im Einsatz zu haben. Forciert wird die höhere Auslastung von wenigen Maschinen, woraus sich eine höhere Effektivität und Produktivität sowie niedrigere Maschinenstundensätze erschließen lassen.

Vernetzungsgrad korreliert mit dem Erfolg

Ebenfalls beeinflusst der Vernetzungsgrad der eingesetzten IT-Systeme den Erfolg. Der wirkt maßgeblich auf die standardisierte und automatisierte Prozesskette und somit die Kennzahl Personalaufwand pro Spindelstunde. Auf einer Skala von 0 bis 1 liegt die Kennzahl des Branchendurchschnitts der beim Marktspiegel Werkzeugbau teilnehmenden Unternehmen bei 0,48.

Die besten fünf Unternehmen erreichen hingegen einen um 67 Prozent höheren Vernetzungsgrad. Daraus lässt sich schließen, dass die erfolgreicheren und produktiveren Unternehmen viel mehr Wert auf eine starke Vernetzung ihrer Softwaresysteme und Prozesse legen.

Wer also an einer höheren Produktivität in seinem Unternehmen arbeitet, sollte die Standardisierung in den Fokus rücken, mit Wissensdatenbanken automatisiert bis teilautomatisiert programmieren, eine hohe Prozesssicherheit anstreben, gute Organisationsstrukturen schaffen und auf einen hohen Vernetzungsgrad der Softwarelösungen Wert legen. Im Marktspiegel bekommen Unternehmer der Branche hierzu die konkreten Ansätze und sie erkennen mit welchen Stellschrauben sie welche Auswirkungen erzielt haben.

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