Österreichischer Kunststoff Cluster

Meinolf Droege,

Erfolgsrezepte für Werkzeugbauer

Der Formen- und Werkzeugbau in Österreich hat eine lange Tradition, deshalb nahm der Kunststoff-Cluster (KC) gemeinsam mit dem Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen österreichischen Werkzeugbauer unter die Lupe.

Projektmanager im Kunststoff-Cluster Doris Würzlhuber und Martin Ramsl ziehen diverse Schlussfolgerungen und Empfehlungen aus der Studie. © Business Upper Austria

Die jetzt vorliegende, 100 Seiten umfassende KC aktuell Sonderausgabe Werkzeugbau inklusive der Studie „Tooling in Austria“ ist eine breit gefächerte Leistungsschau, die heimischen Unternehmen – vom Kleinbetrieb bis zu Konzernen – einen kompakten Überblick zur Marktsituation liefert. Der Bogen spannt sich von Erfolgsgeschichten bis zu den Herausforderungen, denen sich die Branche in den kommenden Jahren stellen muss.

Erstmals wurde ein Nachschlagewerk über den österreichischen Werkzeugbau erstellt, das auf Fakten basiert, die via Fragebogen ermittelt wurden. „Mit dieser Studie boten wir auch dem kleinsten österreichischen Werkzeugbauer an, sich unkompliziert und schnell mit der Branche zu vergleichen“, beschreibt Doris Würzlhuber, Projektmanagerin im Kunststoff-Cluster, die Intentionen, die zur Umsetzung des Projektes führten. Jeder teilnehmende Betrieb erhielt von Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen eine individuelle Auswertung mit Stärken und Schwächen. Die Studie beschreibt die Charakteristika der Branche Werkzeugbau in Österreich. Dazu wurden Kennzahlen österreichischer Werkzeugbaubetriebe äquivalenten Kennzahlen aus Deutschland sowie aus weiteren Ländern gegenübergestellt. Die Struktur der Branche Werkzeugbau gibt das allgemeine Bild der Größe österreichischer Unternehmen wieder. 79,5 Prozent der internen und externen Werkzeugbaubetriebe in Österreich haben weniger als 50 Mitarbeiter. Insgesamt liegt die durchschnittliche Anzahl der Beschäftigten in österreichischen Werkzeugbaubetrieben bei 38. Der Bedarf an Facharbeitern kann dank Lehrlingsausbildung weitgehend gedeckt werden. Immerhin rund 68 Prozent der Mitarbeiter haben einen Berufsschulabschluss oder eine höhere Qualifikation.

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Der österreichische Werkzeugbau ist als Anbieter tendenziell komplexer und präziser Spritzgießwerkzeuge international angesehen, dennoch werden über 65 Prozent des Umsatzes im Inland erzielt. Charakteristisch ist aber vor allem die hohe Wertschöpfungstiefe: Diese beträgt bei österreichischen Werkzeugbauern durchschnittlich 73,2 Prozent, was ein Indikator für inhärente Kompetenz und die damit einhergehende Spezialisierung von Betrieben aufzeigt. Österreichische Werkzeuge haben im internationalen Vergleich den Ruf teuer zu sein, dem steigenden Preisdruck begegnen die Unternehmen mit starker Kundenorientierung. So bieten sie Werkzeugbaubetriebe ihren Kunden ein breites Spektrum an vorgelagerten und nachgelagerten Dienstleistungen an um sich vom internationalen Wettbewerb zu differenzieren.

Herausforderungen bleiben

Trotzdem gibt es keinen Grund zur Selbstzufriedenheit. Der Werkzeugbau wird sich, wie viele andere Branchen auch, in den nächsten Jahren immer wieder neu erfinden und sich weiterentwickeln müssen, um im internationalen Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben. „Es reicht nicht zu sagen, wir sind technologisch gut aufgestellt, haben gut ausgebildete Mitarbeiter und erzeugen Hightech-Werkzeuge“, betonen die Projektmanager im Kunststoff-Cluster Doris Würzlhuber und Martin Ramsl, die in Summe einen positiven Ausblick ziehen. „Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft, denn wir wissen, dass die österreichischen Unternehmen – gerade im Formen- und Werkzeugbau – lange Historien aufweisen, bodenständige, fleißige, kreative und engagierte Mitarbeiter beschäftigen.“ Die Betriebe verfügen überwiegend über gut ausgebildete Arbeitskräfte und einen modernen Maschinenpark. Entscheidend bleibt im nationalen und internationalen Wettbewerb das Know-how: Die Best Practice Beispiele der Unternehmen Digital Moulds und Roto Frank Austria zeigen, was in Bezug auf die Handlungsfelder Digitalisierung und Automatisierung möglich ist.

„Smart up your mould“ ist das Motto der Digital Moulds. Ihre Vision ist es, allen Werkzeugen „Intelligenz“ zu verleihen, um ganzheitliche Transparenz über die gesamte Supply Chain und den Lebenszyklus eines Werkzeugs zu schaffen. Roto Frank Austria hat erkannt, dass die Verkürzung der Durchlaufzeiten, die Reduzierung von Herstellkosten und die gesteigerte Qualität der Werkzeugkomponenten durch Erhöhung der Automatisierung Effekte sind, welche die Wettbewerbsfähigkeit des Werkzeugbaus im Unternehmen signifikant verbessert haben.

Spitzenreiter bei Spritzgießwerkzeugen

Der österreichische Werkzeugbau besticht vor allem durch seine hochkomplexen und qualitativ hochwertigen Spritzgießwerkzeuge. Diese machen gemeinsam mit anderen kunststoffverarbeitenden Werkzeugen rund 80 Prozent der österreichischen Werkzeugproduktion aus. Zwischen 2017 und 2019 betrug der Anstieg der Produktion von Spritzgießwerkzeugen in Österreich 15 Prozent. Die vorhandenen Ressourcen in den Fertigungstechnologien sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Herstellung von Werkzeugkomponenten mit hohen Qualitätsansprüchen. Im Fräsen, als wichtigste Fertigungstechnologie, sind die Maschinen in der österreichischen Branche Werkzeugbau mit durchschnittlich 9,5 Jahren am jüngsten. Bei der Senkerosion liegt das Durchschnittsalter bei 10,7 Jahren, bei der Drahterosion bei 11,6 Jahren. Die Technologien Drehen und Schleifen sind in der Regel nur Bedarfstechnologien mit einem Durchschnittsalter von über 12 Jahren.

Für Herausforderungen gerüstet

Diese Ressourcen und Voraussetzungen müssen genutzt werden, um die Automatisierung und Digitalisierung der internen Wertschöpfungsprozesse voranzutreiben sowie durch die Entwicklung neuer datenbasierter Geschäftsmodelle zusätzlichen Kundennutzen zu schaffen. Im Vergleich zu Deutschland nutzen österreichische Werkzeugbaubetriebe additive Fertigungsverfahren in geringerem Maße. Entsprechende Kompetenzen sollten daher in Zukunft weiter ausgebaut werden, um den Kunden bessere Produkte und Dienstleistungen bieten zu können. Nur die Adressierung der drei Handlungsfelder Automatisierung, Digitalisierung und Additive Fertigung kann auch künftig eine erfolgreiche Differenzierung österreichischer Werkzeugbaubetriebe vom internationalen Wettbewerb gewährleisten.

Kunststoff-Cluster als Erfolgsfaktor

Cluster bieten Wettbewerbsvorteile für Unternehmen und Regionen, um im globalen wirtschaftlichen Wettbewerb mithalten zu können. Das wurde in Österreich schon früh erkannt und deshalb wurde am 1. April 1999 der Kunststoff-Cluster gegründet. Aktuell vernetzt der er 420 Partner mit rund 65 000 Mitarbeitern und etwa 20 Milliarden Euro Jahresumsatz. Der Exportanteil der Partnerunternehmen liegt bei 61 Prozent. Der Anteil der Großunternehmen beträgt 20 Prozent, der Rest entfällt auf Klein- und Mittelbetriebe. 2019 erhielt der Kunststoff-Cluster zum wiederholten Mal das European Cluster Excellence Gold Label, das höchste europäische Gütezeichen für vorbildliches Clustermanagement. Diese Auszeichnung gilt aber vor allem den innovativen Unternehmen sowie engagierten Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen. Der Kunststoff-Cluster ist eine gemeinsame Initiative der Länder Oberösterreich und Niederösterreich. Die Träger sind die regionalen Standortagenturen Business Upper Austria und Ecoplus.

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