Kunststoff Magazin Online - Fachportal für die Kunststoff Industrie
Home> Wirtschaft + Unternehmen> Branchen, Märkte, Verbände> Archiv>

Produktions-Management mit Cockpit 4.0 - Medizintechnik-Hersteller generiert Business Intelligence

Produktions-Management mit Cockpit 4.0Medizintechnik-Hersteller generiert Business Intelligence

In vielen Unternehmen stehen große Mengen von Daten aus verschiedenen Unternehmensbereichen und Funktionen zur Verfügung. Die schweizerische Medic AG führt diese Daten in einer Cockpitlösung zusammen, um den Führungskräften effiziente Entscheidungsunterstützung im Sinne des Business Intelligence zu bieten.

sep
sep
sep
sep
Produktions-Cockpit

Wenn Führungskräfte Daten für operative Entscheidungen aufwändig nach der Methode „go and see“ am Shopfloor beschaffen müssen, bleiben sie häufig ungenutzt. Dabei kann ihre Erschließung und Nutzung zur Generierung unmittelbar und wirksam zur Optimierung von Produktion und Logistik beitragen. Das Unternehmen Medic in Bülach hat sie in einer Cockpitlösung als „Produktions- und Logistikcockpit 4.0“ nutzbar gemacht. Die Wirkung sei hoch, entsprechend gut die Akzeptanz bei Management und Mitarbeiterschaft, erklärt das Beratungsunternehmen Ingenics. Es unterstützte die Medic AG in Bülach, Hersteller und Zulieferer von Medizintechnik, Maschinenbau, Halbleiterindustrie und Feinmechanik im Flugzeugbau. Ziel war das Heben von Potenzialen zur Optimierung von Qualität auf allen Ebenen. Dabei gingen die Beteiligten von der Analyse der Auftragsabwicklungsprozesse aus.

Anzeige

Schnell sei man sich einig gewesen, dass die Bedingungen geeignet seien für ein Projekt zum Thema Produktionscockpit 4.0. „Wir wollten gezielt IT- und Produktions-Experten zusammenspannen, um zu untersuchen, wie ein Produktionscockpit die Sichten der operativen Führungskräfte im Kontext mit Shopfloor Management und die Herangehensweise der IT in Zeiten von Industrie 4.0 zusammenbringen könnte“, erklärt Berater Stefan Meitinger. Als Schwerpunkte wurden definiert:

  • Entlastung der Führungskräfte von zeitraubenden Tätigkeiten wie Recherchieren, Suchen und Zusammenführen von Informationen und Daten
  • einfaches Zugänglichmachen der Daten aus ERP- und MDE-Systemen ohne Umweg über Excel oder andere Hilfsmittel
  • Transparenz und permanente Sicht auf aktuelle Daten zur Unterstützung der Planungsprozesse
  • Zugänglichmachen neuer Daten mit dem Ziel, Qualität und Geschwindigkeit von Entscheidungen zu steigern
Spektrum des Schweizer Medizintechnik-Herstellers Medic

Die Geschäftsleitung ließ sich durch Argumente und Ergebnisse überzeugen. In einem dreitägigen Workshop wurden der Ist-Zustand analysiert, Handlungsfelder identifiziert und ermittelt, ob die Potenziale ausreichen würden. „Die umfangreiche Präsentation zeigte, dass die Ergebnisse nicht nur schnell zustande kamen, sondern auch substanziell wirklich gut waren“, sagt COO Marc Plihal. Dass seine Mitarbeiter nun einen Teil der vorgeschlagenen Maßnahmen selbst erschließen sollen, kommt ihm entgegen. Weitere Aufgaben wurden an Ingenics vergeben.

Ein Ansatz für Optimierung der Datenintegration im Sinne der Digitalen Fabrik bei Medic ist die Einbindung des Schweizer IT-Dienstleisters Crelog, dessen Tools Daten aus im Unternehmen etablierten Systemen verwertbar machen. Sie werden in Diagrammen dargestellt und ermöglichen beispielsweise die Visualisierung des Abgleichs zwischen definierten Anforderungen und tatsächlichen Tätigkeiten von Führungskräften. Es liegen Informationen von Maschinen, Mitarbeitern, Materialien und Systeminputs aus dem IT-System sowie zum Auftrag gehörende Inputs vor. Im bisherigen System sei die Führungskraft zu viel damit beschäftigt, Information aus den unterschiedlichsten Umgebungen zusammenzutragen und zu integrieren.

Handlungsfelder identifizieren
Aus der Summe aller Informationen schnell – die richtigen – Schlüsse zu ziehen, ist das Ziel. So nutzt das Produktionscockpit 4.0 historische Daten, rund 15 Minuten alte Near-Time-Daten sowie Real-Time-Daten, die es in aufbereiteter Form über Tablets, Smartphones und Shopfloor Management-Boards in einer am jeweiligen Bedarf orientierten Auswahl den Führungskräften zur Verfügung stellt.

Die Systemanalyse wurde zunächst mit der Produktionsleitung und den Führungskräften diskutiert, anschließend erste Maßnahmen umgesetzt. Sofort eintretende Verbesserungen hätten deutlich gemacht, wie einfach große Wirkungen erzielt werden können. Um effizienter zu arbeiten werden das Suchen und Beschaffen von Informationen durch den Einsatz IT-gestützter Industrie 4.0-Elemente ersetzt.

Am Ende der ersten Workshop-Reihe standen als Handlungsfelder mit vielversprechenden Potenzialen:

  • Digitalisierung Tagesrapport
  • Business Intelligence (Crelog)
  • Bestandsführung Rohmaterial
  • Visualisierung der Anlagenzustände.

In allen Fällen soll durch

  • verbessertes Wissensmanagement (vorhandene Informationen schneller finden und verarbeiten)
  • verbesserte Prozesse
  • die Digitalisierung von Kundenkontakt, Angebotsverwaltung und Dokumentenhandling,
  • Qualitätsprüfung und
  • Nutzung umfangreicher Daten über das prozessübergreifende Kennzahlencockpit

Wissen integriert genutzt werden. Die angestrebten Ergebnisse im Bereich Business Intelligence – Grundlagen, Datenverfügbarkeit und Nutzung, systematisches Arbeiten mit Kennzahlen – werden in einem „Zielbild Business Intelligence“ beschrieben. Das Bereitstellen echtzeitrelevanter Information über Kennzahlen auf Tablets direkt an der Maschine, bringe (so die Erfahrung aus anderen Projekten) eine Produktivitätssteigerung von bis zu 15 Prozent. Zusätzlich entstehende Zeitfenster können zur systematischen Problemlösung und Prozessoptimierung genutzt werden. Dank der neuen Transparenz stehen erkannte Schwachstellen im Fokus und können ohne Verzug bearbeitet werden.

Es wird also empfohlen, mit Konzeptbausteinen zu beginnen, die signifikant zur Effizienzsteigerung der Führungskraft und der Maschinen beitragen sowie schnell und mit klarer Kostenkalkulation realisierbar sind. Dazu sind die Nutzbarmachung vorhandener Daten, höhere Prozesssicherheit und -geschwindigkeit und Datenbereitstellung in der benötigten Aktualität zu zählen. Eindrucksvoll dargestellt wird, welche Einsparpotenziale bei Maschinen im Vergleich mit den Potenzialen bei Mitarbeitern erschlossen werden können: Das Potenzial der Maschine liegt – zumindest hier, im Bereich von Präzisionsinstrumenten – beim Zehnfachen!

Richtige Entscheidungen treffen
„Aus meiner Sicht haben das Zusammenwirken der IT­ und der Produktmanagement-Kompetenz und die enge Zusammenarbeit bewiesen, welche einfach zu erschließenden Potenziale in der Digitalisierung für den Mittelstand liegen“, sagt Stefan Meitinger. „Mit dem gemeinsam erstellten Produktionscockpit können wir zum Beispiel erkennen, dass bei der Rohmaterial-Bestandsführung alle technischen Möglichkeiten im Haus vorhanden sind, aber gerade beim Rohmaterial nicht eingesetzt werden. Hier hat ein Anruf bei der IT gereicht, um eine Anwendung im bestehenden System zu erweitern.“

Das Produktions-Cockpits 4.0 sei das Shopfloor Management der Zukunft, es stellt Informationen maßgeschneidert so zur Verfügung, dass richtige Entscheidungen einfach getroffen werden können. Es verknüpft Daten, schaffe Transparenz und ermögliche die Konzentration auf die operative Führung. Historische, Near-Time-und Real-Time-Daten böten perfekte Auswertungsoptionen. „Früher hatte man als ,Tankuhr‘ einen Zeiger, der irgendwann im roten Bereich stand, ohne dass man wissen konnte, wie weit der Kraftstoff noch reichen würde. Heute gibt es, so Igenics, sich permanent selbst überprüfende Algorithmen, die auf Fahrverhalten, Geschwindigkeit etc. reagieren und laufend berechnen, wie weit man noch fahren kann.

Übertrage man diesen Fortschritt auf die Produktion, bekomme man eine adäquate Vorstellung. Der Zugriff über das Cockpit sei eine konsequent nutzerorientierte Lösung, die sehr viel Zeit einspare, eine perfekte Lösung werde es aber nie von der Stange geben. Das Produktionscockpit 4.0 sei immer kundenspezifisch und berücksichtige die nur hier vorhandenen IT­Systeme, Prozesse und Organisationen.

Anzeige
Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

Softwareunterstützung

IT im FormenbauProduktionsplanung und –steuerung im Werkzeugbau

Der Marbach Werkzeugbau, Hersteller von Thermoformwerkzeugen für die Kunststoffindustrie, will seine Produktionssteuerung mit Einsatz einer neuen Software optimieren.

…mehr
Funktionsprinzip (links) und Ergebnisse der Korrektur

Software für den schnellen SerienanlaufWeniger Korrekturschleifen im Formenbau

Aufgrund der steigenden Anforderungen im Kunststoffspritzguss sind ist häufig eine Werkzeugkorrektur notwendig. FormCorrect benötigt oft nur eine Korrekturschleife, sodass die Kosten des Entwicklungsprozesses deutlich reduziert werden können.

…mehr
Notrufsystem, dass am Arm getragen wird

Schneller werden im FormenbauCAM-Einsatz beschleunigt die spanende Bearbeitung

Mit einer durchschnittlichen Losgröße von 100 stehen die Odenwälder Kunststoffwerke Gehäusesysteme (OKW) vor speziellen Anforderungen. Einen Teil der daraus resultierenden Probleme löst das Unternehmen mit Hilfe eines CAM-Systems.

…mehr
Teilnehmer des deutschsprachigen Moldex3D-Treffens

Simulation im SpritzgussMoldex-Anwender auf der Rennstrecke

Ein straffes zweitägiges Programm mit praxisorientierten Vorträgen von zumeist externen Referenten und teilweise parallelen Workshops absolvieren die 120 Teilnehmer des gestern und heute laufenden nationalen Moldex3D-Anwendertreffens.

…mehr
Preisverleihung mit (v.l.) Sigma Geschäftsführer Thomas Klein, Marco Kwiatkowski (Günther Heisskanaltechnik), Marco Ruivo (Speedturtle) und Timo Gebauer (CTO Sighma)

Erster Sigma AwardGünther Heisskanaltechnik und Speedturtle ausgezeichnet

Während ihrer dritten Anwendertagung verlieh Sigma Engineering zum ersten Mal den Sigma Award. Ausgezeichnet wurden Projekte, bei denen durch die konsequente Nutzung der Simulations-Software die Kosten oder benötigten Ressourcen signifikant reduziert wurden. Die ersten Gewinner sind Günther Heisskanaltechnik und Speedturtle.

…mehr