Produktionssteuerung

Spritzguss für die Medizintechnik besser steuern

Hörgeräte-Hersteller organisiert sich mit IT-Unterstützung. Hörhilfen werden immer kleiner, vielfältiger und funktionaler. Entsprechend stellt auch ihre Produktion steigende Anforderungen. Um die zu bewältigen, setzt Hersteller Phonak, Mitglied der Sonova-Gruppe mit Sitz in Stäfa, in ihrer Kunststoffspritzerei auf Unterstützung eines IT-Systems.

Große Touchscreens visualisieren die relevanten Daten aus der Produktion und liefern den Mitarbeitern Informationen über die nächsten Arbeitsschritte.

Die moderne Produktionshalle steht quasi in Bestlage am Zürichsee. In ihrem klimatisierten Inneren geht es gepflegt und angenehm leise zu. Insgesamt 18 Mitarbeiter sorgen hier im Drei-Schicht-Betrieb dafür, dass die Spritzgießerei alle Bauteile für die Hörgeräte-Produktion pünktlich und präzise anliefert, vom Gehäuse bis zum Kleinteil. Unterstützt wird die Produktionsplanung, -steuerung und Qualitätsüberwachung mit Hilfe der Datenbank Filemaker.

Basis der Systemeinführung war eine Diplomarbeit des heutigen Mitarbeiters Nico Ronner. Unterstützt wurde er vom Produktionsverantwortlichen Stephan Kaderli. „Damals steckte noch viel Wissen über die optimale Einrichtung unserer Spritzgieß-Maschinen und Werkzeuge, mit denen wir hier bis zu 1500 Fertigungsaufträge im Jahr fahren, allein in den Köpfen einzelner erfahrener Mitarbeiter“, erinnert sich Kaderli. „Zudem waren viele Programme für die Steuerung der Maschinen noch auf veralteten Speichermedien. Entsprechend war eines unserer ersten Ziele, dieses Wissen und die Programme zu archivieren und allen Mitarbeitern sicher, schnell und einfach zugänglich zu machen.“

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Eine Aufgabe, die nach dem Einsatz einer Datenbank ruft. Die Kunststoffproduktion bei Phonak mit vielen firmenspezifischen Details lässt sich jedoch kaum vollständig in einer Standardanwendung abbilden. „Eine individuell angepasste Lösung musste also her. Doch diese extern entwickeln zu lassen, hätte damals jedes Budget gesprengt“, erläutert Nico Ronner. Mit den Erfahrungen aus der Entwicklung einer anderen Filemaker-Anwendung wurde das Projekt in Eigenregie angegangen. Ausschlaggebend für die Entscheidung künftig diese Datenbank zu nutzen, seien deren intuitiv nutzbare Benutzeroberfläche und die Flexibilität gewesen, die den schnellen Aufbau der Lösung hatten erwarten lassen. Bei Entwicklung der Lösung sei hoher Wert auf die Akzeptanz durch die Produktionsmitarbeiter gelegt worden.

Auch mobile Geräte liefern alle erforderlichen Daten aus der Produktion, so dass jeder Verantwortliche jederzeit auf dem Laufenden sein kann.

Software statt Steckkärtchen
Entwickelt wurde „Planet“ als Kurzform für „Plastic Network“. Der neue Name stand für ein umfassendes Programm, das die komplette Produktionskette umkrempeln sollte. Wo früher aus den SAP-generierten Fertigungsaufträgen noch Steckkarten aus Papier gebastelt wurden, um an einer großen Tafel die Aufträge den Maschinen zuzuordnen, sind die Kärtchen jetzt digital und werden über einen 2D-Barcode erzeugt.

Schritt für Schritt ging es weiter auf dem Weg zu einer papierlosen Kunststoffspritzerei. Ob es um die Granulattrocknung in einem der 41 Trocknungsgeräte geht oder die Zuteilung der Aufgaben an die Mitarbeiter – alles wird heute Planet gesteuert.

Qualität im laufenden Betrieb sichern
Fertigung in der Schweiz, das Image steht für hohe Produktivität und Qualität. Und so wurde auch das Qualitätswesen in der Software abgebildet. Regelmäßige Prüfungen im laufenden Betrieb haben die früher üblichen Prüfungen am Ende des kompletten Produktionsprozesses abgelöst. Auf 23 Zoll großen Touch-Displays an den 14 Spritzgieß-Maschinen können die Mitarbeiter ablesen, wann die nächste Prüfung der gefertigten Teile ansteht. Dabei sind für jeden Produktionsvorgang unterschiedliche Zeitpunkte vorgegeben, zu denen im laufenden Betrieb Bauteile geprüft werden müssen.

Zusätzlich sorgt nach Unternehmensangaben eine eingängige Ampel-Symbolik dafür, dass niemand den nächsten Prüfzeitpunkt verpasst. Zeigt die Ampel Grün, ist aktuell keine Prüfung erforderlich, Gelb signalisiert eine anstehende Prüfung. Zeigt der Monitor Rot, ist der prüfzeitpunkt bereits überzogen. Diese Umstellung der Prüfsystematik brachte Phonak eine Steigerung der Effizienz und rechenbare finanzielle Vorteile durch weniger Ausschuss, die, so das Unternehmen, die Investition in zwei Monaten amortisierten.

Mobile Geräte integriert
Überwacht wird der Produktionsablauf inzwischen nicht nur an den Maschinen. Die Filemaker-Anwendung läuft auch auf mahreren Ipads, um leitende Mitarbeiter auf dem Laufenden zu halten. Seit April 2014 lassen sich so Fertigungsaufträge, Trocknungsgeräte, Materialvorbereitung, der Einsatz der Mitarbeiter und andere Parameter vom Ipad aus planen oder überwachen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: So wissen alle Beteiligten jederzeit, an welchem Standort in der Halle es gerade etwas zu tun gibt. Kontrollgänge von Maschine zu Maschine entfallen. Nicht zuletzt empfinden viele Mitarbeiter den Umgang mit dem Mobilgerät als Aufwertung ihrer Tätigkeit.

Als Erweiterung wurde inzwischen eine zusätzliche Filemaker-Anwendung namens Ibase programmiert. In ihr ist die Dokumentation der Erstmusterprüfberichte realisiert, ohne die kein Hörgerät auf den Markt kommen darf. Damit erspart sich Phonak das Scannen tausender Dokumente. Und auch hier sei der Erfolg unmittelbar sichtbar: Die neue Anwendung soll demnächst bei einem weiteren Unternehmen der Gruppe eingesetzt werden.

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