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Starkes Jahr 2011 - überdurchschnittliche Erwartungen an 2012

Dass die Geschäfte des vergangenen Jahres in der Kunststoffbranchen mehr als gut gelaufen sind, ist kein Geheimnis. Am 22. Februar 2012 präsentierte Dr. Brend-O. Kruse, Präsident des Gesamtverbands Kunststoffverarbeitende Industrie, die Fakten: Demnach stieg der Gesamtumsatz der in den Trägerverbänden des GKV organisierten Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern um 8,8 Prozent auf 5,9 Mrd. Euro. Dabei waren die Steigerungen im Inland höher (+10 Prozent) als im Ausland (+7,1 Prozent). Diese Entwicklung sei vor allem den "schwächelnden südeuropäischen Ländern" geschuldet, erklärte Kruse. Günstig wirkte sich die Branchenkonjunktur auch auf die Zahl der Beschäftigten aus, die um 6,6 Prozent aus 292.000 zunahm.

Dr. Bernd-O. Kruse: "Uns macht nicht so sehr die Höhe der Energiekosten als die Verlässlichkeit der Belieferung und die ungleiche Situation in den verschiedenen Ländern Sorgen."

Den Glanz trübe lediglich der anhaltende und sich weiter verschärfende Druck auf die Margen: Während die Umsätze über alle Branchen gemittelt um die genannten 8,8 Prozent stieg, legten die verarbeiteten Mengen um etwa 10,7 Prozent zu. Besonders krasse Unterschiede herrschten bei Technischen Teilen: Bei 22,7 Prozent Mengenwachstum erreichte das Umsatzplus nur 10,8 Prozent. "Hier ist der Produktivitätszuwachs besonders hoch, um den Margendruck zumindest teilweise abzufangen", so Kruse.

Als aktuelles Problem greift Kruse die Energiekosten-Situation auf: "Uns macht nicht so sehr die Höhe der Energiekosten als die Verlässlichkeit der Belieferung und die ungleiche Situation in den verschiedenen Ländern Sorgen." So wirke beispielsweise der Aufschlag aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz von 1,5 Cent pro Kilowattstunde zunächst nicht dramatisch, er bedeute aber Mehrkosten von typischerweise 60 Euro pro Tonne, das gefährde die Wettbewerbsfähigkeit ganz massiv, wenn der Wettbewerber im Nachbarland um diesen Betrag günstiger anbieten könne. Leidenschaftlich wirbt Kruse dafür, diese Situation zu bereinigen.

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Für ähnlich diskussionswürdig hält der Verband das System der staatlichen Innovationsförderung. Dazu Kruse: "Der anhaltende Erfolg der deutschen Kunststoffindustrie fußt in hohem Maße auf Innovationen." Davon können aber gerade Mittelständler, die je gerade einen wichtigen Teil dieser Innovationen in ihrem Tagesgeschäft generieren, nur selten profitieren, weil sie der Verwaltungsaufwand überfordere. Hier sei man dabei, gemeinsam mit Kollegen anderer im BDI vertretener Branchen wie dem Maschinenbau gemeinsame Meinungsbildung zu betreiben und diese in die politischen Gremien zu tragen.

Die Beratungsgremien der Bundsregierung haben zuletzt für das laufende Jahr eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von 0,9 Prozent prognostiziert. Kruse erwartet für die Kunststoffbranche erheblich mehr, auch wenn die Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig sind. "Das ist völlig nach einem derartigen Boom wie in den beiden letzten Jahren. Ich sehe hier weder einen Rückgang der Geschäfte, nicht einmal eine Delle in der Entwicklung." Die Zahlen entsprechen seiner Interpretation nach eher einer Seitenbewegung auf hohem Niveau.

Allerdings gebe es Unsicherheiten aus der Preisentwicklung bei den Rohstoffen. "Hier werden wir mittelfristig von den heute zumeist üblichen quartalsweisen Preisanpassungen zu monatlichen Anpassungen und schließlich zu einer gleitenden Indexierung kommen." Insgesamt erwatet er für das laufende Jahr eine stabile Entwicklung, auch mit weiter steigenden Beschäftigtenzahlen. Das spiegelt sich in den Ergebnissen der Mitgliederbefragung: 86 Prozent der Unter-nehmen erwarten stabile oder steigende Umsätze.

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