Ausbildung für Auszubildende

Starke Lehrlinge

Formenbauern fachliche und soziale Kompetenzen vermitteln – überbetrieblich mit Hilfe des VDWF. Die Berufe Formen- und Werkzeugmacher sind weit überdurchschnittlich anspruchsvoll. Sie verlangen von Ausbildungsbetrieben außerordentlich hohe fachliche Kompetenzen und besonderes Engagement. Trotzdem ist es nur wenigen ausbildenden Unternehmen möglich, die gesamte Breite des Aufgaben- und Technologiespektrums des Werkzeug- und Formenbaus im eigenen Haus zu vermitteln. Diese Lücke füllt der Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer VDWF mit dem Angebot einer ergänzenden, externen Qualifizierung.

Ralf Dürrwächter liegt daran, das Berufsbild des Werkzeug- und Formenbauers zu schärfen, denn „… Know-how ist unsere Ressource, mit der wir Geld verdienen.“ (Bild: Susanne Schröder)

Gemeinsam mit der Hochschule Schmalkalden hat der VDWF verschiedene Studiengänge etabliert, die neue Themen wie Additive Verfahren oder ergänzende Managementfähigkeiten in den Mittelpunkt stellen. Diese berufsbegleitenden Studiengänge richten sich typischerweise an gestandene Praktiker aus den Unternehmen, die zusätzliche Fähigkeiten erwerben wollen.

Weiter „unten“, auf Ebene der Auszubildenden setzt die überbetriebliche Zusatzausbildung an. Sie wird zentral in Zella-Mehlis angeboten. Informationen zu diesem speziellen Angebot gibt VDWF-Geschäftsführer Ralf Dürrwächter.

Herr Dürrwächter, einige der Mitgliedsunternehmen des VDWF schicken Ihre Auszubildenden zweimal während der Lehrjahre für jeweils zwei Wochen zur überbetrieblichen Zusatzausbildung des Verbands. Seit wann besteht das Angebot und wie groß sind die Lehrgänge im Durchschnitt?
Vor rund sechs Jahren machten wir uns beim VDWF daran, das Berufsbild des Werkzeug- und Formenbauers zu schärfen, damit wir beruhigt in die Zukunft schauen können. Denn Know-how ist unsere Ressource, mit der wir Geld verdienen. In mehreren Arbeitskreisen wurde innerhalb eines Jahres die VDWF-Ausbildungsinitiative ausgearbeitet. Seit dem Frühjahr 2013 wird sie für den Bereich Spritzguss für das 2. und 3. Lehrjahr umgesetzt. Letztes Jahr haben wir das Angebot zudem mit einem speziellen Programm für Auszubildende aus Betrieben, die Stanz- und Umformwerkzeuge fertigen, erweitert. Natürlich müssen hier die Kosten gedeckt werden. Aus diesem Grund ist es für uns auch notwendig, dass eine Mindestteilnehmerzahl erreicht wird. Auf der anderen Seite deckeln wir die Teilnehmerzahl bei acht Personen pro Lehrgang, damit die Qualität der Ausbildung nicht zu kurz kommt und genügend Zeit und Raum für Fragen und Diskussionen bleibt. Kein Platz also für die Hängematte – mitmachen ist angesagt.

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(Bild: VDWF)

Viele der im Verband organisierten Formenbauer beschreiben Ihr Unternehmen als Komplett-Dienstleister von der Beratung bei der Bauteileentwicklung „über alle relevanten Technologien des Formenbaus bis zur dokumentierten Nullserienproduktion auf eigenen Maschinen“. Was kann die externe Zusatzausbildung darüber hinaus leisten?
Unsere Lehrlinge bekommen in dem Blockunterricht die nötigen theoretischen und praktischen Spezialkenntnisse der Branche vermittelt, die in der Berufsschule im normalen Lehrplan häufig nur gestreift werden. Es gilt die Lücke zwischen Lerninhalten und benötigtem Praxis-Wissen zu schließen, die der momentanen Entwicklung beim Beruf des Werkzeug- und Formenbauers geschuldet ist. Hightech und eine beschleunigte technische Entwicklung findet sich in allen Bereichen der Branche. Das riesige Spektrum des Werkzeug- und Formenbaus – von der Heißkanaltechnik bis zu Schieber- oder Entlüftungstechnologie – kann nicht in wenigen Schulstunden vermittelt werden. Lehrlinge müssen vielmehr früh Einblicke in die Produktionsprozesse erhalten, um ein Gefühl für das große Ganze zu entwickeln. Zudem entspricht die Ausstattung der Berufsschulen häufig nicht dem Stand der Technik. Und auch hier kann das BCS punkten: Nämlich mit neuester Maschinentechnologie bei der Metallbearbeitung, bei der Spritzgieß- und Messtechnik.

Und das Wichtigste dabei: Auszubildende können bei der VDWF-Zusatzqualifikation mal etwas ausprobieren, ohne dass wirklich etwas kaputtgeht. Fehler zu machen, ist bei den Lehrgängen nicht nur erlaubt, es gehört sogar zum Konzept.

(Bild: VDWF)

Das alles ist die Basis für die weichen Faktoren, die sich ebenfalls aus unserer Initiative ergeben: Lehrlinge kommen mit einem kräftigen Motivationsschub an ihren Arbeitsplatz zurück. Und wenn ein Auszubildender stolz ist, unser Seminar besucht zu haben, spricht sich das herum – die beste Werbung also, um als verantwortungsvoller Ausbildungsbetrieb neue gute Lehrlinge zu gewinnen …

Die Zusatzausbildung des VDWF findet zentral in Zella-Mehlis in Thüringen statt – vor allem für die Unternehmen in den westlichen Bundesländern nicht eben ein Katzensprung. Mit welchen Kosten ist pro Auszubildenden und Lehrgang zu rechnen?
Der Blockunterricht kostet rund 1500 Euro pro Lehrgang und Teilnehmer. Dazu gehört aber auch die Unterbringung im Gästehaus und Vollpension mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung für noch nicht volljährige Lehrgangsteilnehmer inklusive Abend- und Rahmenprogramm. Um das aber klarzustellen: Der Verband verdient an der Ausbildungsinitiative nichts. Es geht uns hier einzig und allein um die Qualifizierung des Branchen-Nachwuchses.

(Bild: BCS)

Welchen Ausbildungsstand sollten die Teilnehmer haben, wenn sie an der überbetrieblichen Ausbildung teilnehmen wollen?
Der ganz normale Stand eines Azubis im 2. oder 3. Lehrjahr reicht. Es geht nicht darum, nur die Musterschüler zu fördern. Auch Azubis, die sich vielleicht etwas schwerer tun finden, hier in der Kleingruppe optimale Bedingungen vor.

Die Lehrlinge sind typischerweise zwischen 16 und 18 Jahre alt, wenn sie die jeweils zwei Wochen nach Thüringen gehen. Gibt das – in Zeiten von „Hotel Mutti“ – Ihrer Erfahrung nach Probleme?

(Bild: VDWF)

Das Gegenteil ist der Fall. In der Regel ist es für die jungen Menschen das erste Mal, dass sie länger als zwei Nächte alleine weg von zu Hause sind. Doch genau deswegen wachsen sie hier auch zusammen und werden ein Stückchen erwachsener. Die Auszubildenden wohnen in Doppelzimmern und nach Trainingsende steht – wenn nicht gerade für die Abschlussprüfung gebüffelt wird – ein tolles Programm auf dem Plan: Gemeinsam wird zum Beispiel das Hochofenmuseum in Schmalkalden und die Gesenkschmiede des Technischen Museums Zella-Mehlis besucht oder man geht zu einem Biathlon-Wettkampf nach Oberhof. So lernen die Azubis nicht nur voneinander, sie lernen auch wie man miteinander in der Branche umgeht. Die beiden Wochen schweißen einfach zusammen!

Wann startet der nächste Lehrgang?
Das nächste Modul 1 für Kunststofftechnik, hier werden Azubis im 2. Lehrjahr angesprochen, läuft vom 4. bis 15. Juni 2018.

Alle folgenden Termine gibt’s unter www.vdwf.de/bildung/ausbildungsinitiative

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