Harald Wallner und Kurt Manigatter im Interview

Annina Schopen,

Wenn die Chemie stimmt

Seit der Gründung von Elmet im Jahr 1996 standen Kurt Manigatter und Christian Reslhuber dem Unternehmen als Geschäftsführer vor. Nun haben sie das operative Geschäft erstmals an einen Experten abgegeben, der nicht im Unternehmen groß geworden ist. Seit dem 1. März 2022 ist Harald Wallner alleiniger Geschäftsführer. Im Interview mit KM-Redakteurin Annina Schopen sprechen Harald Wallner und Kurt Manigatter über die Herausforderungen von Neuanfängen und Rückzügen.

Harald Wallner (l.) und Kurt Manigatter © Elmet

Herr Wallner, Sie beginnen als neuer CEO während der noch anhaltenden Corona-Krise, und der Ukrainekrieg verschärft Lieferengpässe und Preis-Explosionen. Ist das eine besondere Herausforderung?
Harald Wallner: Auf jeden Fall. Abgesehen von all dem Leid, das durch diesen Krieg verursacht wird, sind wir – genauso wie viele andere Unternehmen – mit großen logistischen Herausforderungen konfrontiert. Angespannte Lieferketten und täglich neue Überraschungen machen den betrieblichen Alltag nicht einfacher. Dennoch sind das, relativ gesehen, Kleinigkeiten im Vergleich zu den Schicksalen, die dieser Krieg hervorruft und hinterlässt. Bei Elmet sind wir es gewohnt, im Team mit Ruhe und Hausverstand Lösungen zu finden, und genau diese Eigenschaft trägt uns seit vielen Monaten gut durch die Coronazeit. Dazu kommt aktuell der Zubau an unserem Hauptstandort hier in Oftering mit weiteren Büro-, Entwicklungs- und Produktionsflächen, der in einem sehr volatilen Umfeld stattfindet. Hier werden wir zusätzlich zeitlich, aber auch finanziell gefordert sein.

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Sie waren zuletzt als CFO bei Neveon, der Schaumstoffsparte von Greiner, tätig. Wo sehen Sie Parallelen zum LSR-Bereich und wo gibt es Unterschiede?
Harald Wallner: Beide Unternehmen stehen auf gesunden Beinen (Wallner lacht). Im Ernst – beide Unternehmen sind im Chemiebereich tätig, und die Vielzahl an Anforderungen aus den Bereichen Umwelt, Nachhaltigkeit sind vergleichbar anspruchsvoll und wichtig. Zudem setzen wir auf ähnliche Zulieferstrukturen, da es in dieser Sparte nur eine Handvoll großer Produzenten gibt, die den Markt bedienen. Die beiden Unternehmen verbindet aber auch die ausgeprägte Innovationskultur. Elmet etwa präsentierte erst im vergangenen Jahr mit großem Erfolg zwei Produkte, die neueste Generation von Dosiersystemen sowie das neue vollelektrische Nadelverschlusssystem. Unterschiede zu Greiner sehe ich im Produktportfolio und im Marktzugang. Elmet hat als klassischer Anbieter von Anlagen (Dosiertechnik, Werkzeuge, bis hin zu kompletten Turnkey-Anlagen) begonnen und positioniert sich zusehends auch erfolgreich als Teileproduzent.

Was hat Sie an Elmet überzeugt, dass Sie sich für den Wechsel dorthin entschieden haben?
Harald Wallner: Alles. Ein KMU, das von vier Gründern erfolgreich aufgebaut wurde und sich weltweit als Premiumhersteller von LSR-Anlagen und -Lösungen etabliert hat, ist ein einzigartiges Erfolgsmodell. Hier als „Externer“ Verantwortung übernehmen zu dürfen, ist eine spannende und zugleich sehr reizvolle Herausforderung.

Was haben Sie in den kommenden Jahren vor?
Harald Wallner: Vieles. Elmet bleibt auf jeden Fall ein Innovationsmotor in der Branche. Details dazu darf ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Herr Manigatter, nach 25 erfolgreichen Jahren als Firmengründer und Geschäftsführer – werden Sie ein bisschen wehmütig, das operative Geschäft abzugeben?
Kurt Manigatter: Natürlich gibt es hier ein lachendes und ein weinendes Auge. Aber mittlerweile überwiegt das lachende Auge. Wir wissen, dass unser Unternehmen gut aufgestellt ist und sich in guten Händen befindet. Uns Eigentümern bleibt ohnehin der Auftrag, das Team und mit ihm seine Qualität und Innovationskraft hochzuhalten.

Was waren die größten Überraschungen in diesen 25 Jahren? Und gab es etwas, das gar nicht funktioniert hat?
Kurt Manigatter: Es gab einige Herausforderungen, aber auch viele Chancen, die sich daraus ergeben haben. In spezieller Erinnerung bleibt aber sicher die Finanzkrise. Etwa zwei Monate vor Start dieser Turbulenzen haben wir mit dem Ausbau begonnen bzw. genauer gesagt unser Unternehmen sogar verdoppelt. Die Folge waren sehr viele schlaflose Nächte. Letztendlich stellte sich aber heraus, dass der Zubau das Beste war, was wir tun konnten. Als sich die Märkte wieder erholten, konnten wir mit dem gesamten Team voller Kraft loslegen und unsere Kunden mit höchster Qualität beliefern.

Sie gehen dem Unternehmen nicht verloren, sondern werden weiterhin Ihr Know-how in die Produktwelt von Elmet einfließen lassen. Wie genau können wir uns das vorstellen?
Kurt Manigatter: Operativ ziehen wir uns komplett zurück, sind aber jederzeit erreichbar. Dass das wunderbar funktioniert, haben wir in den vergangenen Wochen bereits gesehen. Es gibt einen sehr fruchtbaren Austausch untereinander, wobei wir speziell bei den Themen Markttrends und Innovation gerne unser Know-how einbringen. Dies gilt auch für das kürzlich gestartete Strategieprojekt. Auch hier stehen wir als Sparringpartner jederzeit zur Verfügung, aber das Spielfeld selbst überlassen wir nun anderen.

Womit hat Harald Wallner Sie am meisten überzeugt, der passende neue CEO zu sein?
Kurt Manigatter: Harald Wallner hat uns primär als Persönlichkeit überzeugt. Uns war auch wichtig, dass die Chemie stimmt. Das war von Beginn an der Fall. Selbstverständlich wurde dieser Recruitingprozess aber professionell begleitet. Auch hier hat Harald Wallner mit seinem Konzept und seiner Herangehensweise an die Materie voll überzeugt. Zudem bringt er viel Erfahrung mit, hat aber auch einen pragmatischen und bodenständigen Zugang zu den Dingen. Die Summe dieser Eigenschaften hat uns überzeugt, und die ersten Wochen als CEO haben diesen Eindruck mehr als bestätigt.

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