Spritzgießen

Zertifizierte Fachkräfte für Kunststoffspritzgießen

Erste Absolventen aus Leipzig erhalten die neue Urkunde. Die ersten Absolventen dürfen seit Mai 2017 die Bezeichnung „Zertifizierte Fachkraft für Kunststoffspritzgießen gemäß Qualifizierungsnorm des GKV/Tecpart“ tragen. Entwickelt wurde diese berufsbegleitende Weiterbildung in Zusammenarbeit zwischen Verband, Kunststoff-Zentrum in Leipzig und Steinbeis-Transfer-Zentrum in Aalen. Sie erarbeiteten gemeinsam die Inhalte und eine einheitliche Prüfung als Grundlage für ein deutschlandweit gültiges Zertifikat.

Die ersten vier Absolventen der Weiterbildung zur „Zertifizierten Fachkraft für Kunststoffspritzgießen gemäß Qualifizierungsnorm des GKV/Tecpart“. (Bild: KUZ Leipzig)

Teilnehmer dieser Weiterbildung waren Mitarbeiter aus dem Bereich Spritzguss und Formenbau, die keine kunststofftechnische Ausbildung besaßen und für den Einsatz an Spritzgießmaschinen qualifiziert wurden. Voraussetzung für diese Quereinsteiger waren eine gewerbliche Ausbildung und praktische Erfahrungen im Spritzgussbetrieb, beispielsweise als Maschinenführer, Maschinenbediener und Produktionshelfer.

Zu der Intension für eine neue bundesweite Qualifizierungsnorm befragt, erklärte Tecpart-Geschäftsführer Michael Weigelt: „Aus dem sich schon länger zeigenden Fachkräftemangel sahen wir uns aufgerufen etwas für die Branche anzubieten. Die Erfahrung der Unternehmen zeigt, dass durch den Strukturwechsel auch Arbeitskräfte aus anderen Berufszweigen diesen verlassen mussten und beispielsweise in den Werkhallen von Kunststoffverarbeitern arbeiten. Dies oft schon über Jahre. Mit herkömmlichen Ein-Tages-Seminaren konnte bestenfalls ein wenig Verständnis für das ‚Tun‘ aufgebaut werden.“ Gemeinsam wurde daher ein vierwöchiges Seminar entwickelt, das Fachkräfte aus anderen Bereichen an das Spritzgießen mit Hintergrundverständnis heran führt. Dabei handelt es sich um keinen Ersatz für eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker, die Teilnehmer sein anschließend bessert fokussiert auf die Aufgaben die in den hochtechnisierten Spritzgießbetrieben und können dann mehr als nur „Teile vom Band nehmen“. Das Pilotprojekt fand im Kunststoffzentrum Leipzig statt.

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Weiterbildung in Theorie und Praxis
Inhaltlich spannte sich der Bogen im Präsenzunterricht vom Material Kunststoff über das Spritzgießverfahren, der Maschinen- und Werkzeugtechnik bis zur Peripherie. Breiten Raum nahmen Themen zum systematischen Vorgehen bei der Werkzeugabmusterung, Optimierung des Prozesses und Spritzgießfehler ein. Im Praxisteil, der mit 80 Unterrichtseinheiten die Hälfte der Weiterbildung umfasste, wurden die theoretisch behandelten Themen an Spritzgießmaschinen im KUZ-Technikum vertieft und intensiv trainiert. So standen das Training und das eigenständige Arbeiten der Teilnehmer an der Maschine in der Vierergruppe im Vordergrund der Weiterbildung.

In der unterrichtsfreien Zeit konnten die Teilnehmer das erlernte Wissen in ihrem Unternehmen anwenden, überprüfen und festigen. Dazu wurden Aufgaben gestellt, die sie selbständig bis zur nächsten Präsenzwoche bearbeiten mussten. Die Ergebnisse wurden im nächsten Unterricht präsentiert und mit den anderen Teilnehmern und Referenten diskutiert. Die Erfüllung dieser Hausarbeiten war ein Zulassungskriterium für die Abschlussprüfung. Die Abschlussprüfung bestand aus einem theoretischen und einem praktischen Teil, deren Ergebnisse zu gleichen Teilen in die Bewertung einflossen.

Feedback der Beteiligten
Einig waren die beteiligten Unternehmen laut KUZ darin, dass diese Weiterbildung hohe Anforderungen an die Teilnehmer gestellt hat. Gelobt wurden die strukturierten Weiterbildungsinhalte, die auch in die Unterrichtsunterlagen einflossen sowie das umfangreiche Maschinentraining. Ebenso habe der Unternehmensbezug der thematischen Belegaufgaben nach jeder Unterrichtswoche überzeugt.

Das durchweg positive Feedback der Teilnehmer und der Unternehmen bestärkt die Initiatoren in seiner Einschätzung zur Notwendigkeit dieser kompakten und praxisnahen Weiterbildung für die Zielgruppe Quereinsteiger. „Da der GKV auch in der Kommission für die Inhalte zum Ausbildungsberuf für die Verfahrensmechaniker sitzt, waren wir uns sicher, dass wir mit dieser Vorgehensweise und den beteiligten Instituten aus Leipzig und Aalen mit der GKV/Tecpart-Qualifizierungsnorm sehr nah an den Anforderungen der Industrie lagen. Dennoch ist es immer befreiend, wenn dies dann die Teilnehmern und auch die Unternehmen, die ihre Mitarbeiter dafür abgestellt haben, bestätigen“, so Michael Weigelt. Die deutschlandweite Verbreitung der Qualifizierungsnorm in Zusammenarbeit mit weiteren Bildungsträgern könne zur Fachkräftesicherung und -gewinnung in der Kunststoffbranche beitragen. Vor diesem Hintergrund werden diese Fachkräfte mit Zertifikatsabschluss eine deutliche Aufwertung erfahren.

Informationen zu den nächsten Lehrgängen bieten die Internetseiten der beteiligten Partner. Der nächste Lehrgang im KUZ Leipzig findet im Februar 2018 statt.

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