Ziele in Krisenzeiten

Nachhaltiger und wirtschaftlicher spritzgießen

Derzeit überlagert Corona alles. Doch es gibt auch weiterhin längerfristige Aufgaben und Probleme. So ist etwa der menschengemachte Klimawandel sei langfristig eine deutlich größere Bedrohung. Umweltschutz und Nachhaltigkeit dürften deshalb nach der Krise eher noch wichtiger sein als bisher. Zumal jeder gerade sehen kann, was geht, wenn es nur gewollt ist. Allerdings ist jetzt schon vieles möglich: Sven Ulrich, Geschäftsführer des Spritzgießunternehmens Novuplast, setzt in seinem Betrieb auf ressourcenschonende Produktion mit vollelektrischen Spritzgießmaschinen.

Gehäuseteile dienten als Versuchsobjekte beim Effizienzvergleich zwischen vollelektrischer und hydraulischer Spritzgießmaschine. © Deckerform

Das Unternehmen produziert in Eppingen-Mühlbach vor allem Gehäuseteile elektronischer Baugruppen und Interieurelemente für den Ausbau von Wohnmobilen. Großen Wert legt der kleine Mittelständler auf Qualität und Liefertreue. "Die Firma gibt es seit 30 Jahren - wir haben sie vor drei Jahren übernommen, als sie altersbedingt verkauft wurde", erzählt Sven Ulrich. Obwohl das Unternehmen in einem guten Zustand war, zeigte sich ein gewisser Modernisierungsbedarf. Folglich wurde der Maschinenpark teilweise erneuert und außerdem von elf auf 19 Maschinen erweitert. Bei sechs dieser Investitionen entschied sich Sven Ulrich für vollelektrische Toyo-Spritzgießmaschinen, die im deutschsprachigen Raum von Deckerform vertrieben werden. Wichtige Kaufkriterien seien Energieeffizienz und ressourcenschonender Betrieb gewesen.

Am deutlichsten schlägt sich die Nachhaltigkeit der Maschinen beim Energieverbrauch nieder. Novuplast und Deckerform machten einen direkten Vergleich und produzierten das gleiche Bauteil auf einer vollelektrischen Toyo Si-100-6 und einer in Größe und Schließkraft vergleichbaren hydraulischen Spritzgießmaschine. Die Messung ergab bei der Toyo eine Stromeinsparung von 16 Cent pro Bauteil -fast 52 Prozent. Dank solcher Werte können kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der Anschaffung einer Maschine einen Zuschuss aus dem Energieeffizienzprogramm der KfW bekommen: Pro eingesparter Tonne CO2 sind laut Unternehmen 700 Euro und bis zu 30 Prozent der Gesamtinvestition möglich. Die Teile aus der Toyo-Maschine waren zudem 5 Gramm leichter und wiesen nach dem Umrüsten einen kürzeren Anlauf und eine sichtbar bessere Wiederholgenauigkeit in der Serie auf.

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Sven Ulrich, Geschäftsführer des Spritzgießunternehmens Novuplast, sieht in hoher Qualität der Fertigung und räumlicher Nähe zu seinen Kunden die Hauptvorteile gegenüber asiatischen Anbietern. © Deckerform

Auch in der grundsätzlichen Wahl zwischen hydraulischen und vollelektrischen Anlagen sieht der Novuplast-Geschäftsführer letztere im Vorteil. Die indirekten Energiekosten sinken, weil bei den Elektromotoren weniger Abwärme entsteht und das Hydrauliköl nicht gekühlt werden muss. Von Probleme mit der Abdichtung älterer Maschinen und den Kosten des zu entsorgenden Öls ganz abgesehen. Eine andere sehr angenehme Eigenschaft der Maschinen seien ihre geringen Geräuschemissionen. "Natürlich kommen die Kunden nicht direkt und fordern leisere Maschinen", sagt Sven Ulrich. "Aber neben der Umwelt haben wir auch eine Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern in der Fertigung und damit gehört Lärm ebenso zum Thema Nachhaltigkeit."

Ein weiterer Faktor sei die Wirtschaftlichkeit der Toyo, die sich aus der präzisen Steuerung der Servomotoren der vollelektrischen Maschine ergibt. Die Produktion laufe besonders stabil. "Wir haben immer gleiche Prozessverläufe, immer gleiche Dosierungen - nur durch diese Kontinuität verdienen wir in Konkurrenz zu Osteuropa und Asien noch Geld." Die Maschine sollen mit hoher Präzision und Schusskonstanz Prozesssicherheit und hohe Produktivität bei wenig Ausschuss gewährleisten.

Spritzgießtechnik und Automatisierung aus einer Hand verspricht kürzere Inbetriebnahmezeiten. © Deckerform

Sven Ulrich entdeckte den Maschinenanbieter zufällig auf der Moulding Expo 2015 in Stuttgart. "Ein großer Vorteil war, dass bei Deckerform ein besonderer Background da ist, weil das Unternehmen selbst als Formenbauer arbeitet. Andererseits gab es für uns ein gewisses Risiko, weil wir damals einer der ersten waren, die Toyo-Maschinen in Deutschland gekauft haben. Aber uns wurde versprochen, dass wir so gut wie nie einen Techniker benötigen. Für uns ist das entscheidend, damit wir so wenig Ersatzteilbedarf und Ausfallstunden wie möglich haben." Die ergänzend zu den Maschinen angebotenen Sepro-Automatisierungslösungen funktionieren einwandfrei. "Da ist es eben gut, wenn alles aus einer Hand kommt und die gemeinsam verkauften Komponenten aufeinander abgestimmt sind."

Die Nähe zum Systemlieferanten Deckerform erleichterte auch die Einarbeitung des Novuplast-Teams an den Maschinen. Der Aufwand habe sich in Grenzen gehalten. Schulungen wurden im eigenen Unternehmen und mit neuen Mitarbeitern im Technikum von Deckerform in Aichach organisiert.

Längerfristige unternehmerische Ziele wie Effizienzgewinne in der Produktion sollen von eher kurzfristigen Problemen wie der Corona-Krise nicht vollständig überlagert werden. © Deckerform

Wie nicht nur die Corona-Krise und die daraus resultierenden zusammengebrochenen Lieferketten zeigen, berge die geringe Entfernung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer zusätzliche Vorteile. Das gilt für Novuplast und Deckerform genauso wie für Novuplast und die eigenen Kunden. "Deutschland hat als Produktionsstandort auf jeden Fall eine Zukunft. Man merkt das an den derzeitigen Umständen - kurze, verlässliche Wege werden wieder ganz anders gesehen und geschätzt", sagt Sven Ulrich. "Für uns ist Regionalität ein Grund, warum wir von Kunden Aufträge bekommen: weil wir kurze Lieferzeiten haben und mal schnell etwas rüberbringen können. Auch weil die Leute immer weniger Lager haben möchten." Ein anderer externer Aspekt unterstützt die heimischen Hersteller: "Die Lohnkosten steigen auch in Osteuropa und Fernost, und nicht zu knapp. Das macht uns wieder attraktiv."

Somit sieht Sven Ulrich die Perspektiven seiner Branche durchaus positiv. "Fraglich sind die Stückzahlen, aber rein an Teilen wird der Markt wachsen. Trotz aller Umweltdiskussionen werden wir Kunststoff also eher noch mehr brauchen. Das gilt genauso für den Bereich Mobilität, weil die Fahrzeuge leichter werden müssen: Jedes Gramm, dass ich nicht bewegen muss, spart Energie." Mit den effizienten und präzisen Toyo-Maschinen, die zusätzlich Spritzschäumen und -prägen ermöglichen, fühlt er sich für die Zukunft gut aufgestellt.

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