Plast-Szene

„Choose the Original“

Eine VDMA-Offensive gegen Produktpiraterie
„Be sure it‘s original technology!“ – Mit diesem Slogan wirbt der VDMA in einer Kampagne dafür, dass sich die Verwendung von Original-Technologie am Ende bezahlt macht.

In einem richtig aufwändig gestalteten Prospekt machte die chinesische Firma Nanfang Luji aus Quanzhon Werbung für ihre mobile Mischanlage, die sie in der bunten Drucksache als „eigene Entwicklung mit hervorragenden Eigenschaften“ pries. Alles getürkt! Es war eine nicht mal sonderlich geschickte Fotomontage, was da Propaganda für die tolle „Eigenentwicklung“ machte. Der abgebildete Mischer entpuppte sich als die Type DKXG400 der deutschen Sonthofen GmbH und war Ergebnis einer Kooperation mit der Firma Max Bögl, eigens für den Bau von Hochgeschwindigkeitstrassen von Eisenbahnen entwickelt.

Die von den fernöstlichen Mischer-Nachbauern aus Quanzhou gelieferte Maschine versagte denn auch im Dauerbetrieb beim Kunden Railway Construction kläglich, so dass die deutsche Firma BHS-Sonthofen schließlich doch noch zu ihrem Auftrag kam. Sie lieferte das Original. Klagen sind bisher nicht bekannt. Ein glücklicher Ausgang für das hiesige Unternehmen. Doch nicht die Regel. Denn längst nicht alle Geschichten mit Beispielen zur Verletzung geistiger Eigentumsrechte haben solch ein Happyend.

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„Prinzip Sandkorn“

Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ schrieb in einer Titelstory seiner Ausgabe Nr. 35 vom 27. August d. J. unter dem Titel „Prinzip Sandkorn“ über die „Weltmacht China“, die zunehmend als nahezu perfektes Kopiersystem agiert: „ Mit einem Spitzelheer gehen Chinas Geheimdienste auf die Jagd nach dem wichtigsten Rohstoff von Exportweltmeister Deutschland: Know-how.“ Zum großen Plan des Reichs der Mitte gehöre auch staatlich gelenkte Wirtschaftsspionage. Dass sei zwar auch in anderen Industriestaaten durchaus üblich, aber eben nirgends so penetrant und schamlos wie in dem asiatischen Riesenreich. Das Ausspionieren von westlichen Unternehmen werde von Chinas Geheimdiensten nicht als Geheim-, sondern ganz offen als Standardwaffe im Kampf um das erforderliche Wissen eingesetzt.

Dass das Reich der Mitte nicht immer und unbedingt reich an Sitte ist, gehöre zwar längst zum allgemeinen Erfahrungsschatz deutscher Unternehmen. Doch es hindert selbige andererseits nicht daran, irgendwo am Golf von Tonkin, an der Straße von Formosa, in Schanghai, Tsingtau oder an irgendeinem anderen Platz der Volksrepublik eine Niederlassung oder ein Joint-Venture mit chinesischen Partnern zu gründen. Die Chancen, die man sich auf dem fernöstlichen Markt ausrechnet, lassen alle Problem, die man sich einhandelt, winzig erscheinen. Unverändert gelte China noch immer als das neue Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Amerika war gestern; China ist heute und morgen und mit noch jeder Menge Zukunft. Bei einem traumhaften Wirtschaftswachstum von im Schnitt neun Prozent jährlich will man auch als deutscher Maschinenbauer nicht abseits stehen und ein Stück vom großen Kuchen abhaben.

Doch die Realität ist eher abschreckend: Nach den Recherchen des VDMA sind zwei Drittel der deutschen Maschinenbaufirmen von Produktpiraterie betroffen. Dabei sind alle Fachbereiche der Branche und ihre einzelnen Produktionsschritte involviert. In einer Studie des Verbands gaben 60 Prozent der Teilnehmer an, dass ihnen komplette Maschinen nachgebaut wurden. Bei 42 Prozent waren es Ersatzteile, die kopiert wurden, und bei wiederum mehr als 40 Prozent ging es um einzelne Komponenten.

Nun sei das Problem zwar seit Jahren in den Medien und auch in der öffentlichen Diskussion präsent, doch es ändert sich so wenig wie bei der Einhaltung der Menschenrechte in dem kommunistischen Staat. Nach Einschätzung einer großen Mehrheit von nahezu 80 Prozent der Befragten hat der Schaden durch Plagiate in den letzten drei Jahren sogar zugenommen. Als das am meisten genannte Ursprungsland der Kopien lag die fernöstliche Diktatur mit 75 Prozent Nennung einsam an der Spitze. Als Absatzmarkt steht China ebenfalls mit 49 Prozent auf dem ersten Platz.

Vom Pfefferkuchenhaus

Zwar sei es nach Einschjätzung der Redakteure vom „Spiegel“ von Fall zu Fall schwer zu sagen, ob der chinesische Staat solches Gebaren duldet, die gezielte Kopiewut sogar anordnet, im Ergebnis komme es auf das Gleiche hinaus: Der Verlust von Know-how kann gerade den Mittelständlern mit ihrer oft einzigartigen Spitzentechnologie die Existenz kosten. Für diese Firmen, die gutgläubig, blauäugig und natürlich oft auch gierig in den Fernen Osten gezogen sind, entpuppt sich China als Pfefferkuchenhäuschen: Man wollte nur mal daran knabbern, um irgendwann und oft schon zu spät zu merken, dass man selbst mit Haut und Haaren gefressen wird.

Auf Verständnis, gar auf Mitleid oder lediglich Hilfe können die geschröpften Europäer in China kaum rechnen. Wo alles abgekupfert wird, was sich irgendwie vervielfältigen lässt, vom „Original-Picasso“, über Schmerztabletten, Maschinen, Hochschuldiplome, Barbiepuppen, Magnetschwebebahnen oder Kettensägen von Stihl ist das Kopieren längst zu einem Massenphänomen, zu einer Art Sport geworden. Es gilt als durchaus legitimes Dopingelixier, um möglichst bald auf dem Siegertreppchen ganz oben zu stehen. Schon im kommenden Jahr – so lässt sich an den fünf Fingern abzählen – wird die asiatische Volksrepublik die deutsche Bundesrepublik als Exportweltmeister entthronen.

Sicher nicht nur deshalb, weil die Chinesen solch begnadete Kupferer sind, aber ein bisschen sicher auch deshalb. Für den VDMA jedenfalls Grund genug, seine Kampagne „Choise the Original – Choose Success“ in China zu starten. Der Verband will sich damit gemeinschaftlich mit seinen Mitgliedern an Kunden und potenzielle Klienten wenden und gegen die Kopiermafia und die Verletzung von Urheberrechten vorzugehen.

Die Kampagne arbeitet dabei mit einer Reihe wesentlicher Argumente. Zum einen soll der Vorteil der Qualität von Originalmaschinen betont werden. Denn nur auf sie sei wirklich Verlass. Sie würden langfristig Präzision und schnellen Service garantieren: Voraussetzung wiederum für den langfristigen Geschäftserfolg des Käufers. Außerdem will der Verband auf den Innovationsvorteil beim Erwerb von Originalen hinweisen. Know-how lasse sich schließlich nicht kopieren. Wer seit vielen Jahren im Geschäft ist, weiß, was es heißt, die Entwicklung einer Maschine vom Zeichenbrett bis zum Produktionseinsatz zu kennen. Diese Kenntnis mache den Unterschied. So würden Käufer von Originaltechnologie Kompetenz zeigen.

Dass sich mit solch einer Aktion tatsächlich was ändern lässt, mag ja der fromme Wunsch der VDMA-Oberen sein. Doch auch Wünsche sind legitim. Ob sie allerdings in Erfüllung gehen, steht auf einem anderen Blatt.

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