Plast-Szene

Bio-basierte Kunststoffe: Neue Studie sieht hohes Potenzial

Der Verband European Bioplastics und das europäische Forschungsnetzwerk EPNOE haben eine gemeinsam beauftragte Studie zu bio-basierten Kunststoffen veröffentlicht. Im Fokus der Untersuchungen stehen Prognosen zu Kapazitätsentwicklungen und technischen Substitutionspotenzialen. Die Autoren der Universität Utrecht halten eine Umstellung von bis zu 90 Prozent des Gesamtverbrauchs an Kunststoffen von fossilen auf nachwachsende Polymere für technisch möglich. Ob und wie schnell diese Umstellung geschieht, hänge von zahlreichen Faktoren ab.

Bio-basierte Polymere sind seit etwa einem Jahrzehnt am Markt. Seit kurzer Zeit werden in ersten Projekten Standardkunststoffe wie Polyethylen, Polypropylen, PVC oder PET, aber auch Hochleistungspolymere wie Polyamid oder Polyester auf nachwachsende Rohstoffe umgestellt. Dabei kann erneuerbarer Kohlenstoff den fossilen Kohlenstoff vollständig oder teilweise substituieren. Als Rohstoffe werden heute in der Regel Zucker oder Stärke eingesetzt, teilweise auch Reststoffe aus der Lebensmittelverarbeitung oder Holz. Die Autoren rechnen in ihrer Studie vor, dass bis zu 90 Prozent des weltweiten Verbrauchs von Kunststoffen, bezogen auf das Jahr 2007, technisch betrachtet, von Öl und Gas auf erneuerbare Rohstoffe umgestellt werden kann. Allerdings werden nach deren Meinung bio-basierte Kunststoffe auch mittelfristig nicht alle fossilen Polymere ersetzen können. Vor allem die noch hohen Produktionskosten bei kleinen und mittleren Anlagen, der niedrige Ölpreis wie auch ressourcenabhängige und infrastrukturelle Faktoren werden demnach in den kommenden Jahren das technisch mögliche Wachstum von bio-basierten Polymeren einschränken.

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Laut Hochrechnungen jüngster Firmenankündigungen soll, so die Studie, die Produktionskapazität bio-basierter Kunststoffe von 360.000 Tonnen im Jahr 2007 auf etwa 2,33 Millionen Tonnen bis 2013 steigen. Dies entspreche einem jährlichen Wachstum von 37 Prozent. Diese Zahlen seien jedoch mit Vorsicht zu betrachten: In den Jahren 2008 und 2009 hätten sich aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise wichtige Großprojekte verschoben.

Die Studie betrachtet einzelne Materialgruppen in Bezug auf ihre Prozess- und Materialeigenschaften sowie ihr technisches Substitutionspotenzial. Sie analysiert Anwendungsfelder, untersucht Kosten- und Preisstrukturen und stellt die wichtigsten Produzenten vor. Drei Szenarien (Grund- szenario, optimistisches und konservatives Szenario) beschreiben Wachstumsprognosen der Werkstoffe im Vergleich zur Vorgängerstudie aus dem Jahr 2005. Die neue Studie belege die erheblichen Fortschritte bio-basierter Kunststoffe in den letzten fünf Jahren. Technische Fortschritte bei der Material- und Produktentwicklung und Umweltvorteile sowie die wachsende Ressourcenknappheit des Erdöls sprechen zunehmend für Polymere aus nachwachsenden Rohstoffen. Zudem nutzen immer mehr Unternehmen den Imagegewinn aus offensivem Marketing des Begriffs.

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