Plast-Szene

Ein gutes Image

ist auch für die Kunststoffbranche ein erstrebenswertes Ziel. Dass Auftritte von Rohstoffherstellern, Verarbeitern und – vor allem – der Reststoffverwerter in der Öffentlichkeit gelegentlich zwischen wenig sachgerecht und ungeschickt schwanken, ist kaum zu erklären. Vor allem das Festhalten an einem Vokabular, das den durchschnittlich gebildeten Mitteleuropäer noch immer mit durchsichtigen Manövern hinters Licht zu führen sucht – jedenfalls wenn es beim Verbraucher so ankommt – ist da eher kontraproduktiv. Es kommt, um nur ein Beispiel zu nennen, die „thermische Verwertung“ aus der gleichen Ecke der Begriffsdrechselei wie die „kostenintensive“ Reparatur. Man kann es auch schlicht „Verbrennung“ bzw. „teuer“ nennen. Glaubwürdigkeit hat auch etwas mit Gradlinigkeit zu tun, und wenn man jemanden nicht argumentativ von der Sinnhaftigkeit der Verbrennung einzelner Stoffe überzeugen kann, wird man mit deren Verschleierung nicht viel mehr Erfolg haben. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich habe damit keine Meinung zur Verbrennung kundgetan, sie soll nur als Beispiel für wenig geschicktes Marketing dienen. Ähnliche Vorgehensweisen gibt es reichlich, nicht nur in unserer Branche.

Wie gut, dass es bessere Beispiele gibt. Verbraucher bei den eigenen Erfahrungen, Träumen und Wünschen zu packen scheint der Königsweg zu sein. So finden attraktive Anwendungen sogar den Weg in seriöse Massenmedien, wie unter dem Titel „Geflochtene Rohre“ ins Internetportal Spiegel Online Anfang diesen Jahres und vermutlich auch in die gedruckte Ausgabe. Beschrieben wird mit einfachen Worten das hochkomplexe Komposit-Produktionsverfahren Isotruss am Beispiel eines Fahrradrahmens. Das Fahrrad als hochpreisiges Lifestyle- und Hochleistungs-Sportgerät ist der Imageträger für den Werkstoff Kunststoff: Nicht die problematische Entsorgung des Werkstoffs steht im Vordergrund, sondern das ausgefallene Design und die Leistungsdaten – Innovation und Nutzen also. Und da stört es auch nicht weiter, wenn künftige, deutlich weniger spektakuläre Anwendungen wie Telefonmasten genannt werden.

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Spannende und möglichst einfache – aber nicht verfälschende – Darstellungen der Leistungspotenziale moderner Werkstoffe rücken Kunststoffe ins rechte Licht der Nicht-Fach-Öffentlichkeit. Wen interessiert das, wo wir es doch bei Konstruktion, Produktion und Vertrieb von Kunststoffteilen zumeist mit Fachleuten zu tun haben? Es sollte uns alle interessieren. Schließlich müssen wir uns alle mit den Rahmenbedingungen aus öffentlicher Wahrnehmung, Gesetzen und Verordnungen und mit dem Wettbewerb anderer Werkstoffe behaupten. Ein weniger gutes Image ist da ganz sicher nicht förderlich.
Ebenso sicher wird der Spiegel-Beitrag zum neuen Verfahren keinen Gegner der Kunststoffbranche zum Fan machen. Er trägt aber einen winzigen Teil zum positiven Image der Kunststoffe und ihrer Verarbeiter bei – und das kann uns mehr nutzen als Verbalakrobatik.

In diesem Sinne wünsche ich viele gute Kunststoffanwendungen im Jahr 2008!

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Kommentar

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