Gesamtprogramm Spielzeuge

Prozessqualität sichert den Standort

Spielwarenproduzent setzt auf ERP
Jährlich ergänzen zehn bis zwanzig neue Fahrzeuge das Produktsortiment.
Nur mit guten Werkzeugen lassen sich gute Ergebnisse erzielen. Dieser typisch mittelständische Leitgedanke gilt gerade auch im Enterprise Resource Planning (ERP) und damit der systemgesteuerten Verzahnung aller unternehmerischen Kernbereiche.

Vor diesem Hintergrund setzt der oberfränkische Spielwarenproduzent Franz Schneider auf ein „Softwaredoppel“. Der knapp 200 Mitarbeiter zählende mittelständische Familienbetrieb profitiert nach eigenen Angaben unterm Strich von schlanken zentralen Geschäftsprozessen – ein wichtiger Faktor für die Sicherung des Standorts Deutschland und dem Bekenntniss zum Prädikat „Made in Germany“. Der konsequent beschrittene Weg, aus Effizienz und Übersicht nachhaltige Wertschöpfung zu generieren, setzt sich ganz aktuell in einem Business Intelligence (BI)-Projekt fort: Mit der Unterstützung vom Anbieter RZW Cimdate entsteht eine in die Vorsysteme integrierte BI-Applikation für Kostenrechnung, die betriebswirtschaftliche Auswertungen ad-hoc und unter allen Gesichtspunkten ermöglicht.

Bis in die frühen neunziger Jahre befand sich bei Franz Schneider eine heterogene Systemlandschaft im Einsatz: eine Finanzbuchhaltung von Siemens Nixdorf und das Lagerhaltungssystem eines Drittanbieters. Deren fehlende Integration führte zu großen Abstimmungsproblemen und Mehrarbeit, was angesichts des steten Wachstums und eines ständig erweiterten Produktspektrums des Spielzeugherstellers keine tragbaren Perspektiven bot. Daher geschah eine Neuorientierung, und im ersten Schritt wurde gemeinsam mit einem Unternehmensberater ein Pflichtenheft erstellt, gefolgt von der Prüfung mehrerer Anbieter. Darunter befanden sich neben SAP auch viele kleinere Anbieter, die überwiegend mittlerweile vom Markt verschwunden sind, wie IT-Leiter Stephan Putz sich erinnert: „Die Entscheidung für die gewählte Komplettlösung fiel im Hinblick auf das Funktionsspektrum der Lösung, aber gerade auch wegen der Pluspunkte in den Bereichen Fertigung und Lagerverwaltung sowie natürlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.“

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Wie ein roter Faden durch das Unternehmen

So ging bereits 1994 am Standort Neustadt bei Coburg mit cd2000 die erste integrierte ERP-Lösung an den Start, die nach sukzessiver Weiterentwicklung heute als objektorientierte Client-Server-Lösung unter der Bezeichnung XDPPS am Markt ist. Nahtlos integriert – setzt Franz Schneider in Rechnungswesen und Controlling die Finance-Produktsuite XDRECO vom gleichen Herstellern – ein.

In das Komplettsystem aus ERP und Rechnungswesen eingebunden sind eine Lohn- und Gehaltsabrechnung von Varial, eine Betriebsdatenerfassung (BDE) von BVS sowie einige selbst entwickelte Web-Applikationen, beispielsweise zur Abwicklung des Ersatzteilgeschäfts mit den Endkunden. Dabei verteilen sich die 50 Anwender auf die gesamte Organisation, von Einkauf und Verkauf über die Arbeitsvorbereitung und die Fertigung mit Produktions- und Lagersteuerung bis zu Werkzeugbau, Ersatzteilverwaltung und Qualitätssicherung. Der Serienfertiger produziert grundsätzlich nicht auftragsbezogen, sondern auf Lager – die durchweg großvolumigen Produkte werden im zentralen Lager in Neustadt bis zu Kommissionierung und Versand gelagert.

Davon abgesehen können jedoch große Aufträge auch ohne Lagerbestand innerhalb von vierzehn Tagen bedient werden. Möglich ist das durch die enge Verzahnung des PPS-Systems mit den MDE- und BDE-Lösungen und Peripheriegeräten wie Etikettendruckern. Überhaupt sei es, gerade das integrative Zusammenspiel aller Module durch alle Abteilungen hinweg, das für „kurze Durchlaufzeiten in der Fertigung, eine optimale Ausnutzung der Produktionsressourcen und ganz einfach eine allgemeine Beschleunigung des gesamten Materialflusses“ sorgt, wie Stephan Putz die Situation beschreibt.

Besonderheiten im Geschäft mit Konzernen

Dass ein Teil der Produkte gleich mit dem Label der Kaufhausketten und Versandhäuser ausgestattet und auch die Fakturen angepasst werden, ist eine der Besonderheiten im Vertrieb von Franz Schneider; eine entsprechende flexible Preislistenverwaltung gehört in diesem Zusammenhang mit dazu. Wie wichtig ein Ineinandergreifen aller Programme ist, wird anhand der Retourenabwicklung deutlich: Denn alle anfallenden Kosten müssen dem Auftraggeber und bis auf Orderebene zugeordnet werden, damit sie entsprechend weiterbelastet werden können.

Über viele Jahre war es ein Randthema, jetzt kommt es bei Geschäftspartnern wie Metro und Karstadt wieder auf: EDI (Electronic Data Interchange). Bereits vor Jahren hat sich Schneider darauf vorbereitet und ein EDI-Modul von Seeburger implementiert und integriert.
Ganz oben auf der Agenda steht die Umsetzung der weitreichenden Möglichkeiten des Advanced-Planning-Systems. Mit ihm könnte, so die Überlegungen bei Franz Schneider, die Ressourcenplanung im Hinblick auf Personal, Maschinen und die Werkzeuge entscheidende Impulse erhalten. „Mithilfe der grafisch-interaktiven Feinplanung ließen sich unsere Ressourcen optimal nutzen, was im Ergebnis einen weiteren Prozessschub bedeutet, da wir den Planungsaufwand an sich herunterfahren, gleichzeitig die Produktionsabläufe optimieren und alles in allem viel schneller reagieren können“, so Stephan Putz.

BI für verbesserte Wettbewerbsfähigkeit

Darüber hinaus arbeitet der Spielzeughersteller gerade gemeinsam mit Plaut und Cimdata an einem erweiterten Kostenrechnungskonzept, das auf BI-Technologie basiert. Ziel ist es, auf Basis der operativen Daten, die automatisiert aus den Vorsystemen gewonnen und in OLAP-Strukturen zur Weiterverarbeitung abgelegt werden, aktuelle und entscheidungsrelevante Kennzahlen zu gewinnen. In den Möglichkeiten, die sich aus diesen Analysen ergeben, liegen – davon ist das Management überzeugt – die notwendigen Potenziale zum langfristigen Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Das BI-Projekt soll noch im Laufe des Jahres abgeschlossen sein.

„Es hat sich mehrfach erwiesen, dass das Integrationskonzept zukunftssicher ist – parallele Welten führen zu rein gar nichts.“ Nicht zu unterschätzen ist für den IT-Leiter zudem, dass nicht nur sein eigenes Unternehmen wächst, sondern auch sein Softwarepartner: „Unsere Anforderungen steigen stetig, und nur ein Partner, der sich selbst weiterentwickelt, kann hier mithalten. Daher haben wir mit Wohlwollen verfolgt, dass unser Softwarehaus durch die Einbindung in die Infoniqa Gruppe das Portfolio betreffend in struktureller Hinsicht am Markt deutliche Akzente gesetzt hat.“

Sukzessiver Ausbau geplant

So kommt es, dass man in Neustadt schon heute perspektivisch auf die nächsten Projekte schaut. Dabei handelt es sich zum einen um die Einführung von RFID (Radio Frequency Identification)-Technologie, um sowohl den Fertigungsprozess als auch die Kommissionierung zu optimieren. Zum anderen möchte Stephan Putz das Thema Customer Relationship Management (CRM) weiter vorantreiben. Denn noch übermitteln die fünf Handelsvertretungen in Deutschland ebenso wie die weltweit verteilten Handelspartner ihre Aufträge händisch oder via Fax und Mail. Hier soll schon bald durch den Aufbau eines integrierten CRM-Tools der Medienbruch beseitigt und damit die Prozesseffizienz weiter gesteigert werden. In beiden Fällen stehen die passenden Anwendungen bereit.

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