5-Achs-Technologie bis 20 Tonnen

Meinolf Droege,

Neue Kunden mit neuer Frästechnik

Die erste Portalfräsmaschine der neuen Endura-Baureihe arbeitet seit Herbst 2019 bei der AWM Arnstädter Werkzeug- und Maschinenbau. Auch für AWM ist damit eine Premiere verbunden: Das Unternehmen stößt in neue Größenordnungen vor und kann nunmehr Werkzeuggewichte bis 20 Tonnen realisieren. Bisher war die Kapazität auf zehn Tonnen begrenzt.

Stahl- und Aluminiumwerkzeuge lassen sich auf der neuen Portalanlage bearbeiten. AWM nutzt sie auch zur Fein- und Finish-Bearbeitung. © AWM, Kummerich

AWM, Hersteller komplexer Spritzgießwerkzeuge und Sondermaschinen vor allem für die Automobilindustrie, hat die Weichen in Richtung Großwerkzeugbau bereits 2016 gestellt und sich für das Investment einer neuen Produktionshalle entschieden. „Als wir mit dem Bau starteten, zeigten sich bereits erste konjunkturelle Eintrübungen im Werkzeugbau. Doch gerade in solchen Situationen muss man den Mut haben, zu seinen strategischen Entscheidungen zu stehen. Wir spüren bereits jetzt, dass dieser Weg richtig war. So konnten wir schon 2019 signifikante Serviceleistungen für Spritzgießwerkzeuge im Bereich 10 bis 20 Tonnen erbringen. Auch für das Jahr 2020 sind die Aussichten für dieses Segment gut. Wir werden hier als Partner für eine hochwertige Überarbeitung und Betreuung von Werkzeugen auch ausländischer Fabrikate gesehen. Das könnten wir ohne die neue Maschine nicht in dieser Dimension leisten“, berichtet AWM-Vorstand Klaus Kleinsteuber.

Ein Fabrikat von Fooke, Hersteller großer 5-Achs-Fräsmaschinen aus Borken in Nordrhein-Westfalen, gehörte bisher nicht zum Technikpark des Thüringer Unternehmens. „Wir hatten bereits einen anderen Anbieter im Visier, sind aber über ein Partnerunternehmen auf Fooke aufmerksam geworden“, sagt Klaus Kleinsteuber. Besagte Firma, die Modelltechnik Waltershausen, nutzt Anlagen des Borkener Werkzeugmaschinenbauers für das Fräsen von Prototypenwerkzeugen aus Aluminium. Im Werkzeug- und Formenbau müssen jedoch hauptsächlich Stahl und Guss bearbeitet werden. Die 5-Achs-Maschinen seien bereits seit 40 Jahren für das Fräsen von Aluminium und anderen Leichtbauwerkstoffen, hauptsächlich für den Modell- und Prototypenbau in Luft- und Raumfahrt sowie der Schienenverkehrstechnik und der Automobilindustrie im Einsatz. Gefragt sind dabei präzise und effiziente Prozesse. Diese Technologiekompetenz sei auf den schwereren Werkzeug- und Formenbau übertragen worden, beispielsweise in Form der Endura 900Linear Kompakt.

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Die Maschine kann laut Anbieter ohne Fundament aufgestellt werden und komme mit einer vergleichsweisen kleinen Gesamtfläche auf. Das senkt die Investitionskosten. Trotzdem ermögliche der Bearbeitungsraum eine rationelle 5-Seitenbearbeitung von Werkstücken aus Stahl, Guss und Aluminium mit Verfahrwegen von bis zu 3500 x 2500 x 1500 Millimetern. Dank hoher Eigensteifigkeit und Direktantrieben in allen Achsen werde die präzise und effiziente Endbearbeitung erreicht. Wichtig war dem AWM-Vorstand über die technischen Daten hinaus, dass die Bediener die Maschine annehmen. Die Mitarbeiter seien in alle Entscheidungsprozesse einbezogen worden und heute vom Konzept überzeugt.

Fein- und Finish-Bearbeitung

Die Arnstädter nutzen die neue Technik für die Fein- und Finish-Bearbeitung von Spritzgießwerkzeugen, um die geforderte Oberflächengüte sowie die notwendige Maß- und Formgenauigkeit zu erzielen. Sie können damit vor allem aber auch im Service für den Bereich 10 bis 20 Tonnen ihren Kundenkreis erweitern, wie die Reaktionen auf das vergrößerte Leistungsspektrum bereits zeigen. Denn es geht mit einem weiteren Vorteil einher: Große Werkzeuge müssen nicht erst demontiert und nach der Instandhaltung wieder zusammengebaut werden, sondern lassen sich jetzt „in einem Stück“ bearbeiten, ein enormer Zeitvorteil. „Damit verfügen wir über ein Alleinstellungsmerkmal in der Region“, betont Klaus Kleinsteuber und ergänzt: „Über den Service für Fremdfabrikate wollen wir uns auch für den Bereich Neuwerkzeuge empfehlen“.

Ziel des Unternehmens sei es, rund ein Drittel des Umsatzes in der Werkzeugbausparte mit Serviceleistungen zu erbringen. Die beiden weiteren Drittel sollen mit der Konstruktion und Fertigung von Neuwerkzeugen sowie mit Lohnarbeiten erreicht werden. AWM arbeitet daran, die Prozesse neu zu organisieren. Angedacht ist, die Fein- und Endbearbeitung im Haus auszubauen sowie weniger komplizierte Leistungen in den Vorstufen einzukaufen. „Wir müssen hier umdenken, wenn wir weiter erfolgreich in Deutschland innovativen Werkzeugbau betreiben wollen“, betont Klaus Kleinsteuber. Für den Maschinenpark bedeutet das, ihn weiter mit hochpräzisen und hochdynamischen 5-Achs- Fräszentren auszubauen. Platz ist in der neuen Produktionshalle noch vorhanden.

Über AWM

Die Arnstädter Werkzeug- und Maschinenbau AG mit Sitz in Arnstadt/Thüringen begeht 2020 ihr 55- jähriges Bestehen. Die Anfänge des international agierenden und inhabergeführten mittelständischen Unternehmens reichen bis in die Mitte der 1960er Jahre zurück. Bereits damals wurde mit der Entwicklung und Fertigung von Werkzeugen, Vorrichtungen und Maschinen der Grundstein für die heutigen Geschäftsfelder gelegt – den Werkzeug- und den Sondermaschinenbau. Die aktuell rund 145 Mitarbeiter entwickeln und konstruieren sowohl komplexe Spritzgießwerkzeuge als auch Montageautomationslösungen vor allem für die Automobilindustrie, die Hausgerätetechnik und die Oral-Care-Branche.

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