Spezial 50 Jahre Kunststoff Magazin

Kunststoffe – auch ein Markt der Marken

Kaum etwas Besseres kann einem Unternehmen passieren, als mit einem Produktnamen zum Synonym einer ganzen Produktgattung zu werden: Tesafilm und Tempo sind dafür prominente Beispiele. Auch in der Kunststoffbranche haben einige Produkte frühzeitig die Maßstäbe gesetzt.

Styropor ist so ein Begriff, der universell für feste, isolierende und schützende Verpackungen und Dämmstoffplatten für den Baubereich stehen. Entwickelt wurde der Werkstoff, die korrekte Bezeichnung lautet Expandierter Polystyrol-Hartschaum (EPS), bereits 1949 vom BASF-Angestellten Ritz Stastny.

Basis ist Styrol, das seit Anfang der 30er Jahre von der IG Farben produziert wurde und heute in verschiedenen Ausprägungen zu den Standardkunststoffen gehört. Seit kurzer Zeit ist ein mit Styropor vergleichbarer Werkstoff verfügbar, der teilweise oder komplett aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden kann. Basis dafür sind verschiedene Polyacitide-Typen (PLA).

Seit den 90er Jahren nimmt der Industrieverband Hartschaum die Rechte des Mar

kennamens Styropor wahr. Ihn dürfen inzwischen auch andere Hersteller von EPS, die bestimmten Qualitätsanforderungen erfüllen, nutzen. Parallel dazu ist EPS in unterschiedlichen Formen, Farben, Härten und Kugelgrößen auf dem Markt.


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75 Jahre Perlon – vom Damenstrumpf zum Schiffstau

Spätestens mit der Verbreitung von Damenstrümpfen aus dem von Chemiker Paul Schlack 1938 entwickelten Caprolactam, besser bekannt unter dem Label Perlon, sind Kunststoffe im Alltag der Menschen angekommen. Ein begehrenswertes Produkt und die Aufbruchstimmung nach dem Krieg haben das Image von Kunststoffen als modernes Produkt mitgeprägt. Vor allem in den 60er Jahren wurden viele Geschichten wurden rund um den Damenstrumpf gesponnen, etwa das er sich auch als behlefsmäßiger Ersatz für einen zerissenen Keilriemen im VW-Käfer eigne, als Abschleppseil dienen könne oder auch dem Liebhaber als Aseilhilfe eine Fluchtmöglichkeit vom Balkon biete.

Heute schmückt Kunstfaser nicht mehr die Damenbeine, sondern steckt als leistungsstarker Kunststoff-Draht zum Beispiel in robusten Schiffstauen, Angelschnüren und Weidezäunen. Hersteller dieser hochwertigen Kunststoffe, die heute – neben Perlon – auch unter den Markennamen Bayco und Atlas angeboten werden, ist die Perlon-Monofil GmbH in Dormagen, eine Tochter des Spezialchemie-Konzerns Lanxess. Pro Jahr werde hier nach Unternehmensangaben mehr als 60 Millionen Kilometer Monofilamente produziert.

Bakelt für Topfgriff oder Radio

Der duroplassch Kunststoff Bakelit, auch im deutschen Sprachraum gelegentich Bakelite genannt, ist einer der ältesten industriell genutzten Massenkunststoffe. Entwickelt wurde er vom belgischen Chemiker Leo Hendrik Baekeland. Basis sind Phenolharz-Füllstoff-Gemsche, die unter Wärme und Druck zu Produkten verpresst werden. Das universell einsetzbare, thermisch und mechanisch belastbare Material fand schnell Verbreitung, vor allem weil bereits 1927 das Patent auslief. Danach machte es vor allem in elektrischen Anwendungen Karriere, in Form von Steckdosen und Lichtschaltern, aber als Radiogehäuse. das bekannteste Produkt dürfte wohl das Telefon W38 sein, vorgestelt von Siemens & Halske in den 30er Jahren.

Ulrich Ebert

studierte und promovierte an der Technischen Universität München in einem Grenzgebiet zwischen Physik, Biologie, Chemie und Gentechnik. Er arbeitet von 1992 bis 1995 für die Technologiepublikationen von Daimler, seit 1996 bei Siemens als Leiter der weltweiten Innovationskommunikation. Seit 2001 ist er Chefredakteur und Herausgeber von Pictures of the Future, einer Zeitschrift für Forschung und Innovation, die bereits mehrere internationale Preise gewonnen hat. 2009 wurde Ulrich Eberl in einer Umfrage unter 900 Wissenschaftsjournalisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz als bester Forschungspressesprecher für Unternehmen ausgezeichnet.

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