Besser Röntgen

Kunststoff versus Titan bei Hirn-Aneurysmen

Statt auf Titan setzt eine neue Entwicklung bei der Aneurysmenversorgung auf Kunststoff, nicht nur wegen des günstigeren Verhaltens bei Röntgenaufnahmen.

Mit einem solchen Modell trainieren Mediziner, Blutgefäße im Hirn mit einem Aneurysmen-Clip abzuklemmen. (Bild: Bendler, IVW)

Platzen Aneurysmen, Ausbeulungen von Blutgefäßen im Hirn, können schwere innere Blutungen die Folge sein. Um solche Gefäße abzuklemmen, nutzen Mediziner Aneurysmenclips aus Titan. Bei der Nachsorge kann es zu Problemen kommen, da das Metall bei Röntgen-Aufnahmen so stark die Bilder beeinflusst, dass Ärzte den Heilungsverlauf an den Gefäßen nicht gut erkennen können. Ingenieure vom Institut für Verbundwerkstoffe an der TU Kaiserslautern haben mit zwei Unternehmen einen Kunststoffclip entwickelt, der die Nachsorge vereinfachen soll.

Um Aneurysmen im Gehirn zu behandeln, ist der Einsatz der Clips eine gängige und gut erprobte Methode. Er funktioniert ähnlich wie eine Wäscheklammer. Der Clip klemmt das betroffene Gefäß ab, sodass der Blutfluss zum Erliegen kommt und das Wachstum des Aneurysmas gestoppt wird. Bei der Nachsorge haben Mediziner jedoch laut Entwicklern oft das Problem, dass sie mit den Röntgen-Aufnahmen keine Prognose zur Heilung abgeben können. Das Metall überstrahle bei diesen Aufnahmen alles. Auch bei anderen diagnostischen Methoden wie der Computertomographie (CT) und der Magnetresonanztomographie (MRT) sei das der Fall.

Gemeinsam mit den beiden Unternehmen Adete – Advanced Engineering and Technologies aus Deutschland und Neos Surgery aus Spanien sowie der Universitätsklinik in Antwerpen habe das Team in den vergangenen Jahren einen Clip aus einem kohlefaserverstärkten PEEK entwickelt. Dieses Material werde in der Medizin schon lange verwendet und sei gut verträglich.

Anzeige

Damit er im Hirn als Klemme zum Einsatz kommen kann, haben die Forscher den gängigen Metallclip als Vorlage genommen. Die Größe wurde beibehalten, damit die Ärzte ihn genauso verwenden können. Insgesamt besteht der Clip aus fünf Bauteilen. Die Arme der Klemme bestehen aus einem kurzfaserverstärkten Kunststoff. Die Klemmkraft wird über zwei kleine Blattfedern aus demselben Kunststoff, der aber mit Langfasern verstärkt ist, aufgebracht.

Der Kunststoffclip ermögliche es Medizinern, künftig eine bessere Prognose zur Heilung abzugeben. In Röntgen-, CT- und MRT-Bildern werden sie beispielsweise besser sehen, ob die Klemme richtig sitzt und das Aneurysma zuverlässig verschließt. Die Entwicklung sei mittlerweile abgeschlossen. es stehe die klinische Testphase an.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Medizinische Produkte sicher verpacken

Absolut dicht

Massenprodukte für die Medizintechnik müssen einerseits wirtschaftlich verpackt werden, andererseits werden in diesem Bereich aber hohe Anforderungen an die Sicherheit gestellt, vor allem an die dauerhafte Dichtigkeit der Verpackung.

mehr...
Anzeige

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem Kunststoff Magazin Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite