Neuheiten zur Fakuma

Von der Felge zur Windturbine

Kunststofftechnik bietet für (fast) alles eine Lösung
Die weltweit erste großserienfähige Felge aus thermoplastischem Kunststoff für das neue Konzeptfahrzeug Smart Forvision besteht aus dem hochbelastbaren und mit Langfasern verstärkten Spezialpolyamid.
Die Automobilindustrie erweist sich einmal mehr als Innovationstreiber für Werkstoffentwickler und Verarbeiter. Seltener im Fokus der Öffentlichkeit aber kaum weniger intensiv verlangen Branchen wie Medizintechnik und Maschinenbau nach neuen Lösungen.

Eine runde Sache im wahren Wortsinn wird die erstmals zur IAA und nun zur Fakuma gezeigte erste großserienfähige Vollkunststoff-Felge der Welt sein. Sie wird am neuen Konzeptfahrzeug von Smart, dem Forvision, zu sehen sein. Zu seiner Entstehung haben zahlreiche Innovationen der BASF beigetragen. Die Felge besteht aus Ultramid Structure, dem neuen langfaserverstärkten Polyamid, das zur K2010 präsentiert wurde. Die Felge ist 30 Prozent leichter als vergleichbare Aluminiumfelgen und wurde mit Hilfe des Simulationsinstruments Ultrasim am Computer ausgelegt. Erste Prüfungen für den Großserieneinsatz sind bereits bestanden. Die Vollkunststoff-Felge ist zweischalig aufgebaut: Über dem eigentlichen Trägerteil liegt eine Designblende. Beide Kunststoffbauteile haben tragende Funktion und müssen hohe Belastungen überstehen. Das Material lässt sich jedoch nicht nur im Fahrzeugbau, sondern auch für Fassadenvorhängungen und Spezialdübel verwenden. 

Ebenfalls für den Automobilbau interessant sind auch das hoch wärmestabilisierte Ultramid Endure, das sich besonders für den Einsatz am aufgeladenen Motor eignet und Ultrason E Dimension, ein Polyethersulfon, das mit Hilfe einer neuartigen Rezeptur Dimensionsstabilität, Steifigkeit und gute Verarbeitbarkeit vereint. Zur Fakuma neu im Sortiment vorgestellt werden sollen verbesserte, crash-optimierte (CR) Ultramid-Typen (PA 6), deren Vorgänger sich bereits seit Jahren im Fußgängerschutz bewähren. Die neuen Typen bieten laut Hersteller verbesserte Schlagzähigkeit und ein weites Spektrum an Steifigkeit und Zähigkeit. Um die Vorzüge des fließverbesserten Ultramid High Speed zu demonstrieren, wird das Material zusammen auf Spritzgießmaschinenbauer Arburg im Rahmen der Sonderschau zur Energie-Effizienz im Foyer Ost (siehe Seite 14 dieser Ausgabe).

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Elektronik & Elektrotechnik

Aus ihrem PBT-Sortiment das neue Ultradur LUX vorgestellt. Dieses Material weise eine gegenüber marktüblichen PBT-Typen verdoppelte Lasertransparenz auf und eröffne damit bei PBT-Bauteilen bisher nicht gekannte Möglichkeiten für prozesssicheres Laserschweißen. Auch das besonders hydrolysebeständige Ultradur B4330G6 HR (PBT), das bereits bei Bosch im Serieneinsatz ist, wird zu sehen sein. Es ist auch in heiß-feuchter Umgebung sehr beständig. Bauteile aus diesem Werkstoff können die besonders harten USCAR-Prüfungen bestehen. Auch aus dem Feld der halogenfrei flammgeschützten Werkstoffe werden Neuheiten präsentiert. Dazu gehören Ultradur B4450G5 LS, ein PBT mit hoher Kriechstromfestigkeit und V0-Zertifizierung nach UL 94 ab 1,5 Millimeter Wanddicke und Ultramid B3U30G6, ein Polyamid für Leitungsschutzschalter mit erhöhten Steifigkeitsanforderungen.

In der Photovoltaik ist das Unternehmen aktiv mit ihren Polyamiden Ultramid A3X2G7 und A3XZG5 für Stecker bzw. Anschlussdosen. Beide Werkstoffe sind nach der f1-Bewitterungsprüfung (UL) zertifiziert. Eine Neuheit ist die mit Schott Solar gemeinsam entwickelte neuartige Kunststoffwanne für Photovoltaik-Module, die auf der Fakuma zu sehen sein wird. Hier kommen all die Eigenschaften des Kunststoffs – ein Ultramid High Speed – zum Tragen, die ihn gegenüber Metall auszeichnen.

Medizintechnik – Sonderschau im Foyer West

Im Themenpark Medizintechnik im Foyer West wird das Unternehmen einige seiner Spezialitäten aus dem Kunststoff-Sortiment präsentieren, die in der Medizintechnik eingesetzt werden. Dazu gehören Ultraform Pro (POM) und Ultradur Pro (PBT) sowie die Hochleistungsspezialitäten aus dem Polyarylethersulfon-Sortiment Ultrason E (PESU) für Flachmembranfilter, Ultrason S (PSU) für Beatmungsmasken und Halbzeuge aus Ultrason P (PPSU) für Sterilisationsboxen.

Mehr Ästhetik und Robustheit

Hoch hinaus reichen Lösungen von Styrolution. Sie stellt am BASF-Stand die erste Mikrowindturbinengeneration ihres niederländischen Kunden Everkinetiq aus. Das neuartige Bauteil ist für Industrieanlagen aber auch für Hochhäuser, Krankenhäuser und den privaten Bereich gedacht und dient der lokalen Energiegewinnung. Für den Rotor verwendet Everkinetiq das mit 15 Prozent Glasfasern verstärkte Luran S KR 2858 G3, ein ASA-Kunststoff. Der runde Rahmen mit etwa 1,5 Meter Durchmesser besteht aus Luran S 797 S.

Schönheit nicht nur für das Auto

Zur Diskussion stellt Styrolution ebenfalls das neue Produkt Luran S SPF30, ein ASA, das mit Hilfe einer neuen UV-Stabilisierungstechnologie einen deutlichen Sprung in Farbechtheit und Oberflächenqualität gemacht habe. Glanz und Farbe bleiben demnach deutlich länger erhalten als bei bisherigen Typen, was sich im Fahrzeugbau bei Frontgrills, Spiegelgehäusen und Spoilern auszahlen soll. Auch die hohe Farbtiefe von Luran HH 120 piano black kommt dem Automobilbau zu Gute. Das besonders wärmebeständige (HH: high heat) AMSAN kombiniert besonderen Oberflächenglanz, Farbtiefe, Kratzfestigkeit und hohe Steifigkeit mit Wärmebeständigkeit und eignet sich daher für dekorative Abdeckungen im Interieur und Exterieur, vor allem in seiner in Hochglanz-Schwarz eingefärbten Variante.

Der erste ASA/PA-Blend von Styrolution ist eine Weiterentwicklung der bekannten ABS/PA-Blends Terblend N. Die Materialfamilie hat den Namen Terblend S erhalten. Ihr erster Vertreter ist die Type NM-31. Der Werkstoff vereint Zähigkeit, Fließfähigkeit und UV-Stabilität, so dass ihm weder ein Fußtritt noch starke Sonneneinstrahlung etwas anhaben können. Er ist geeignet für hoch lichtbelastete Anwendungen wie Hutablagen im Auto oder Gartenstühle.

Von der Stretchfolie bis zur Polymermodifzierung

In einem Versuchsaufbau mit dem hochelastischen Styrol-Butadien (SB)-Copolymer Styroflex will Styrolution auf der Fakuma die enorme Dehnbarkeit von Verpackungsfolien aus diesem Kunststoff zeigen. Dank des gutes Rückstellvermögens schmiegen sich Dehnhaubenfolien selbst nach Dehnungen von 220 Prozent wieder fest an das Packgut an.

Gleichzeitig kann Styroflex auch als Zähigkeitsmodifikator für schlagfestes oder hochgefülltes Polystyrol (PS) zum Einsatz kommen. Darüber hinaus fungiert der Werkstoff als Verträglichkeitsvermittler zwischen verschiedenen Polymergruppen, beispielsweise von ABS oder PS mit Polyolefinen. So lässt sich einerseits die Anfälligkeit gegen Rissbildung vermindern und die Durchstoßenergie von Folien erhöhen. Auf der anderen Seite ermöglicht Styroflex die Kombination unterschiedlicher Polymer- und Füllstoffklassen nach dem Baukastenprinzip.

Fachbesucher finden auf der PU-Standfläche maßgeschneiderte Kundenlösungen aus dem thermoplastischen Polyurethan-Elastomer Elastollan (TPU) sowie ausgewählte Automobilanwendungen aus Polyurethan-Systemen. Zu sehen sind innovative Exponate aus beiden Produktreihen, abgedeckt wird ein breites Branchenspektrum.

Masterbatchpräparationen

Die BASF Color Solutions präsentiert auf der diesjährigen Fakuma ihr Produkt- und Leistungsangebot mit den Schwerpunkten Kunstrasen, Wood Plastic Composites und Spezialeffekte für die Verpackungsindustrie. Auf Basis langjähriger Erfahrung und technischer Expertise steht in diesen Segmenten ein umfangreiches und etabliertes Masterbatch-Sortiment zur Einfärbung und Stabilisierung zur Auswahl. Im Bereich Verpackungen setzt die BASF Color Solutions Akzente für effiziente, umweltfreundliche Lösungen: magnetisierbare und detektierbare Compounds sorgen für Sicherheit bei der Lebensmittelproduktion und eröffnen innovative Stylingmöglichkeiten. Gleiches gilt für die Flüssigfarben des Liqui-Kolor Sortiments, die schnelle Farbwechsel und effiziente Einfärbung transparenter Objekte unterstützen. Bioabbaubare Farbkonzentrate ergänzen das Angebot um umweltfreundliche Lösungen, besonders für Verpackungsfolien.

Fakuma, Halle B4, Stand 4306

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