Operieren mit Kunststoff

Die sehende Hand des Operateurs

Gekonnter Einsatz von Kunststoffen, in dem Fall vor allem Polycarbonaten, spielte eine Hauptrolle bei Entwicklung einer „Laparoskop-Bedien- und Haltevorrichtung“ – eines Operations-Hilfsmittels.

Hilfe bei Mikroinvasiven Eingriffen – ein neues System entlastet Mitarbeiter im OP und sorgt für bessere Qualität von Kamerabildern. (Bilder: Spang und Brands)

Das erstmals zur Compamed vorgestellte Produkt ist das Ergebnis einer Kooperation mehrerer Unternehmen. Die Idee zu diesem System kam aus der operativen Praxis der Universitätsklinik Utrecht. Während sogenannter Keyhole-Operation stehen Assistenten oft stundenlang in unangenehmen Positionen, um Instrumente zu führen und zu halten. Das sollte sich ändern.

Die daraus resultierenden Entwicklungen übernahmen die niederländischen Unternehmen Mofixx und Indes, um sie anwendungsspezifisch umzusetzen. Spang und Brands wurde als Systempartner für Konstruktion und Produktion ins Boot genommen.

Das Ergebnis ist ein Hilfsmittel für den Operateur bei mikroinvasiven Eingriffen. Aufwändige Anweisungen an einen Assistenten zur Positionierung des mit einer Mikrokamera ausgestatteten Trokars sollen damit entbehrlich sein. Kurze Reaktionszeiten durch direkte Aktivierung des optischen Geräts per Knopfdruck liefere ein ruhiges und scharfes Bild bei der Laparoskopie. Erreicht werde das mit einem Spindelmotor-geführten Stabilisierungsarm mit Kugelgelenk (Sphäre) und Klemme. Einhändig ist er so lange, leicht und stufenlos intuitiv beweglich, bis der Operateur die Vorrichtung per Knopfdruck in der von ihm gewünschten optimalen Bild-Position arretiert. Mofixx wird am OP-Tisch fest installiert und kann mit einem Laparoskop oder anderen Instrumenten für die Keyhole-Chirurgie eingesetzt werden.

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Ziel der Entwicklung war unter anderem, hohe Stabilität der Klemme an der Arretierungsstelle zu schaffen, gleichzeitig aber eine saubere Führung des Kamerasystems zu gewährleisten, ohne dass die Klemme einen zu hohen Widerstand erzeugt. So mussten Leichtgängigkeit und Mobilität bei hoher Stabilität der Fixierung erreicht werden.

Es galt, einen Werkstoff zu finden – in diesem Falle überwiegend Polycarbonat – der die einwirkenden Kräfte berücksichtigt. Gleichzeitig durfte die Funktionalität nicht behindert oder eingeschränkt werden. Und die Komponenten mussten hohen biokompatiblen Standards (auch hinsichtlich der Mofixx Firmenfarben), internationalen Kontrollkriterien und Zertifizierungsanforderungen (beispielsweise CE-Richtlinien) standhalten.

Für die Produktion waren entsprechend präzise Spritzgießwerkzeuge herzustellen. Zudem war eine anwendungsfertige Verpackung der Einweg-Bauteile der Laparoskop-Bedien- und Haltevorrichtung zu entwickeln.

Das System besteht aus zwölf Teilen: Die mussten funktional aufeinander abgestimmt sein und die Anforderungen ‚move and fix‘ erfüllen. Mit Einsatz dieses Kamerasystems ist der OP-Assistent frei für andere Aufgaben. Erstmals eingesetzt wurde es im Jahre 2016 vom Urologen Arto Boeken Kruger während einer Nieren-OP in der UMC Utrecht.

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