Mehrkomponenten-Spritzgießen

Annina Schopen,

Im Spritzgieß-Werkzeug überflutet

Bei Techniplas, Anbieter von Kunststoffkomponenten für die Automobilindustrie und die Sanitärbranche, ist eine Kraussmaffei-MXW-1000-Colorform-Anlage für die Serienproduktion von Bauteilen mit transparenter Oberfläche in Betrieb gegangen.

Die MXW 1000 Colorform produziert bei Techniplas hochwertige Automotivebauteile. © Krauss Maffei

Das Colorform-Verfahren basiert auf einer Kombination der Spritzgieß- und Polyurethan-Verarbeitung. Grundlage ist das Mehrkomponenten-Spritzgießen. Die Besonderheit dabei: Nach dem Spritzgießen des thermoplastischen Grundkörpers wird dieser im zweiten Takt mit Polyurethan (PUR) oder Polyurea (PUA) als Oberflächenmaterial überflutet. Das Oberflächenmaterial (PUR/PUA) wird mit der extra für dieses Verfahren entwickelten Reaktionsmaschine Rimstar Flex Colorform und dem Mischkopf direkt in die Kavität eingebracht. „Rimstar-Anlagen sind sehr platzsparend und dosieren auch kleine Mengen exakt und mit hoher Taktfrequenz“, erklärt Philipp Strasser, Global Application Owner RPM & Automotive bei Kraussmaffei.

„Auf der Anlage werden Teile im Spritzprägeverfahren produziert, die für einen besonderen Tiefeneffekt eine hochwertige, transparente PUR-Oberfläche erhalten“, erklärt Toni Luckner, Prozessentwickler bei Techniplas in Treuen (Vogtland). „Eine weitere Anlage für das Projekt wird in Q1/2022 in Betrieb genommen.“

„Unsere Kunden, große OEMs aus der Automobilbranche, stellen höchste Anforderungen an die Qualität. Auf dem gesamten, transparenten Bauteil dürfen keine Fehler größer als 0,2 mm vorhanden sein. Mit der MXW 1000 in Kombination mit der Rimstar Flex für die PUR-Dosierung werden wir diesen Anforderungen voll gerecht“, so Luckner weiter.

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Mit der Kraussmaffei-Technologie Colorform hat Techniplas bereits langjährig gute Erfahrungen. Im Hause Techniplas wird die Technologie „Colorfuse“ genannt. Derzeit hat das Unternehmen vier Colorform-Anlagen in Treuen und eine in Rüti in der Schweiz. Diese Anlage produziert bereits seit 2016 Colorform-Bauteile in Serie. Zudem nutzt das hauseigene Technikum in Treuen zwei weitere Anlagen. „Wir produzieren dabei unter Reinraumbedingungen. So kann bei geöffnetem Werkzeug kein Staubkorn zwischen Lack und Trägeroberfläche gelangen.“ Entsprechend ist die gesamte Anlage auch mit einer Reinraumeinhausung versehen. „Wir erreichen so sehr geringe Ausschussraten“, betont Luckner.

Ursprünglich wurde Colorform für höhere Fertigungseffizienz und besondere Effekte für Fahrzeug-Interieurbauteile entwickelt. Diese Qualitäten spielt die MXW-1000-Colorform Anlage bei Techniplas voll aus. Heute werden aber auch Aspekte wie Arbeitsschutz und der CO2-Footprint der Technologie im Vergleich zu anderen Fertigungsmethoden immer wichtiger. Und auch hier punkte das Verfahren in mehr als einer Disziplin, so Kraussmaffei. Zudem gewinnen Colorform-Bauteile auch im Exterior-Bereich immer mehr Anwendungen, denn auch hier ist für die Endkunden eine hochwertige Optik entscheidend. Die Colorform-Technologie ersetzt nicht nur den Transport und das Lackieren von Bauteilen samt der Investition in eine Lackiererei, die Bauteile kommen auch einbaufertig aus der hochautomatisierten Produktionszelle. Das spart sowohl Produktionszeit als auch Kosten für die Zwischenlagerung und Trocknung der Bauteile.

Für die jetzt in Betrieb genommene Anlage nutzte Techniplas eine vorhandene MXW-1000-Spritzgießmaschine von Kraussmaffei als Basis. Den Umbau der MXW ließ Techniplas im Stammwerk des Herstellers in München-Allach ausführen. „Dort sind alle notwendigen Einrichtungen direkt vor Ort und auch die Inbetriebnahme konnte im Technikum sowohl für die Spritzgießmaschine als auch die PUR-Technik – Rimstar Flex mit zwei Mischköpfen MK 5-2K CCM für die zeitgleiche Fertigung von zwei Bauteilen – termingerecht ausgeführt werden. Keine Selbstverständlichkeit unter den aktuellen pandemiebedingten Rahmenbedingungen“, so Luckner.

Neue Steuerung und ORCA-Kühlung

Neben dem Umbau für die Colorform-Technologie erhielt die MXW 1000 auch einen kompletten Steuerungsupgrade auf die MC-6-Steuerung und eine neue ORCA-Kühlanlage. „Das System misst die Temperatur berührungsfrei und ist damit besonders wartungsarm. Die Technologie erlaubt uns die exakte Regelung der 20 Kühlkreise der MXW und trägt so zur hohen, konstanten Qualität der Bauteile entscheidend bei“, erklärt Luckner.

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