Komplette Spritzgießprojekte abwickeln

Über den 111er Drücker zum Technischen Teil

Die Installation einer 16 000 Kilonewton Spritzgießmaschine von Kraussmaffei bot den Anlass, hinter die Kulissen des nordhessischen Unternehmens Hewi Heinrich Wilke zu schauen. Denn neben dem Markengeschäft mit Baubeschlägen und barrierefreien Sortimenten bietet das Unternehmen eine moderne Spritzgießproduktion inklusive Formenbau und Montage.

Je nach Anforderungen ist die Produktion Technischer Teile hoch automatisiert und engmaschig prozessüberwacht. © Hewi

Fast jeder hat ihn schon in der Hand gehabt, den "Türdrücker 111". In Zeiten, als Metall der nahezu ausschließliche Werkstoff für Türbeschläge war - 1969 - kam erstmals eine Polyamid-Lösung von Hewi auf den Markt. Sie wurde zum Designklassiker und millionenfach verbaut. Mit dem Hintergrund umfangreicher Erfahrungen hinsichtlich Oberflächen- und Farbdesign entstand eine moderne Spritzgießfertigung, die heute in vielen anderen Branchen aktiv ist.

Das Akronym Hewi steht für Heinrich Wilke, der sein Waldecker Unternehmen 1929 unter der Marke HEWI ins Handelsregister eintragen ließ. Schon damals wurden erste Produkte aus Polyamid gefertigt. In zumeist knalligen Farben der 70er Jahre entstanden im Spritzguss ganze Familien technisch und optisch anspruchsvoller Lösungen in Kunststoff. In diesem bis heute wachsenden Produktbereich etablierte sich ein erfolgreiches OEM Business, dass das erworbene Know-how für Spritzgieß-Projekte beispielsweise im Automobilbau, für die Weißgeräte- und die Möbelindustrie sowie die Medizintechnik nutzt. Hier werden beispielsweise anspruchsvolle technische Kunststoffteile im Ein- und Mehrkomponenten-Spritzguss produziert.

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Ausgehend von CAD-Modell, Zeichnungen oder Modellen werden komplette Projekte abgewickelt. Sofern kein CAD-Modell vorliegt, wird das im 3D-System generiert und fertigungstechnisch optimiert. Bei Bedarf unter Einbeziehung des Rapid Prototyping zur weiteren Optimierung beispielsweise der Montierbarkeit von Baugruppen oder als "greifbares" Modell werden die endgültigen Daten von der Materialauswahl bis zu Festigkeitsnachweisen erbracht und per Konstruktions-FMEA die Risiken minimiert. In der anschließenden Projektierung werden vom Produktionsplan über die APQP-Phasen vom Produktionsplan in SAP bis zur Prüfplanung und Validierung alle relevanten Rahmenbedingen für die termin- und qualitätsgerechte Produktion definiert.

Formenbau und Produktion mit hohen Komplexitätsgraden bei geringen Toleranzen, Mehrkomponententechnik und andere Spritzgießtechnologien ermöglichen flexible Lösungen. © Hewi

Formenbau als Qualitätsmerkmal
Ein für den Projekterfolg maßgeblicher Prozess ist der Formenbau. Hier nutzt Hewi Fu?ll- und Fließstudien beispielsweise mit Mold Flow, um optisch hochwertige Oberflächen und toleranzarme Bauteile zu erzeugen. Daraus leitet sich das wirtschaftlichste Werkzeugkonzept ab. Je nach Anforderung können die Werkzeuge mit komplexer Sensorik zur Prozessüberwachung und -dokumentation ausgerüstet werden. Gebaut werden die Werkzeuge gemeinsam mit erfahrenen Partnern in Europa und Asien sowie im eigenen Formenbau.

Hat der Kunde die ersten Teile freigegeben, folgt die Serienfertigung auf Maschinen mit unterschiedlichen Automatisierungsgraden. Entsprechend den individuellen Anforderungen werden umfassende Prüfmöglichkeiten genutzt, und die Überarbeitung der Prozess FMEA durch Rückkopplung zur Designphase durchgeführt.

© Hewi

Insgesamt stehen fast 70 Spritzgießmaschinen mit Schließkräften zwischen 350 und 16 000 Kilonewton zur Verfügung. Darauf lassen sich Teile mit Schussgewichten bis 7,4 Kilogramm produzieren. Hewi fertigt darauf im Standardspritzguss, in 2- und 3-Komponententechnik sowie in Monosandwich- und Gasinnendruckverfahren. Das Umspritzen von Einlegeteilen aus Stahl, Kunststoff oder Elektronikteilen und das Hinterspritzen von Folien im Inmould-Verfahren zählen ebenfalls zu den Möglichkeiten.

Produziert wird in Nordhessen auf rund 45 000 Quadratmetern, Tendenz weiter wachsend - quantitativ und qualitativ. Zum letzteren Posten gehört beispielsweise ein neues Werkzeuglager, das hohen Sicherheitsanforderungen genügt. Auch der Formenbau steht in der Planung für die nächste "Aufrüstung".

Zur Erweiterung der Möglichkeiten der Oberflächenveredelung wurde zudem kürzlich die Midas Coating als Tochtergesellschaft gegründet. Sie führt den Geschäftsbetrieb des Oberflächenspezialisten Ropal Europe mit Sitz in Burgwald, nahe dem Stammsitz, fort. Auch dieses Know-how fließt in die fertigungstechnisch und wirtschaftlich optimierten Bauteil-Konstruktionen ein.


Zum Unternehmen
Hewi produziert am Standort Arolsen mit etwa 350 Mitarbeitern. Insgesamt werden rund 550 Mitarbeiter beschäftigt. Zertifiziert ist das Unternehmen nach

  • DIN EN ISO 9001:2015
  • DIN EN ISO 14001:2015 (Umweltmanagement)
  • IN EN ISO 50001:2011 (Energiemanagement)
  • IATF 16949 (in Umsetzung)
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