Neuheiten zur Fakuma 2012

Spritzgießen – es ist mehr möglich

Sonderverfahren und Automatisierung Hand in Hand
Auf einer neuen Weitplattenvariante wird ein Gehäuseteil in Cellmould-Leichtbautechnologie hergestellt.
Neben Energieeffizienz steht das Thema Integration bei den Spritzgieß-Spezialisten weiter im Fokus. Funktionsintegration innerhalb der produzierten Teile, aber auch die Kombination mehrer Verfahren und Arbeitsschritte im Prozess sorgen für neue Möglichkeiten und sinkende Kosten.

Eine spezielle Verfahrenskombination will Wittmann Battenfeld während der Fakuma auf einer Maschine Typ Macropower XL 550 zeigen. Diese Weitplattenvariante der 5500 kN-Maschine weist mit 1120 x 970 Millimeter Holmabstand einen besonders großzügigen Arbeitsraum auf. Dabei weise sie geringe Baulänge, Schnelligkeit, Modularität, Präzision und Sauberkeit auf. Zur Messe sollen Flexibilität und Funktionalität der Maschine anhand der Herstellung eines Gehäuses aus ABS auf einem Tandemwerkzeug im Leichtbauverfahren Cellmould gezeigt werden. In diesem Verfahren lassen sich leichte und dabei steife Formteile ohne Einfallstellen durch Beimengung von Stickstoff direkt im Massezylinder während der Plastifizierung fertigen. Die gesamte Anlagentechnik mit Plastifizierzylinder-Einheit, Injektoren, Gasregel- und Gaserzeugungseinheit hat Wittmann Battenfeld entwickelt und gebaut. Die Teile entnimmt ein Roboter W843 und legt sich auf einem Förderband ab. Die gesamte Anlage läuft voll integriert über die Maschinensteuerung B6.

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Schäumen und Hochglanzoberfläche

Eine hydraulische Maschine Type HM 110/525 soll Abdeckungen für ein Tischtelefon mit 34 Sekunden Zykluszeit produzieren. Das Besondere: Hier werden BFMold- und Cellmould-Verfahren kombiniert. Dabei wird der ganze Werkzeugbereich unterhalb der Kavität zum Beheizen und zur Kühlung verwendet. Damit soll eine außerordentlich gleichmäßige und vor allem schnelle Aufheizung und Abkühlung der Werkzeugbereiche erreicht werden. Das ermögliche Formteile mit besonders hoher Oberflächenqualität ohne sichtbare Fließnähte und Einfallstellen. Der geschäumte Teil ist so mit einer „Piano black-Oberfläche“ realisierbar. Darüber hinaus ist die Maschine als Insiderlösung aufgebaut: Entnahmeroboter, Transportband und Vor- und Nachbearbeitungsperipherie sind in den Maschinenrahmen integriert. Die fertigen Teile entnimmt ein WIittmann-Roboter W818 und legt sie auf einem Förderband ab.

Thermoplast und LSR

Die Verfahrenkombination ermöglicht auch die Verarbeitung verschiedener Werkstoffgruppen in der Mehrkomponententechnik. Auf einer HM 180/350H/350V Servopower soll anhand der Fertigung eines Brillenetuis mit einem Werkzeug von Rico das LIM-Verfahren in einer 2 K-Anwendung gezeigt werden. Dabei handelt es sich um ein 2-Komponenten-Etui mit einer Kombination aus Thermoplast (PBT mit 20 Prozent Glasfaser) und LSR. Die Dosier- und Mischpumpen für die LSR-Komponente stammen vom Unternehmen 2 KM. Tempro Plus D-Temperiergeräte erzeugen die zum Vulkanisieren des LSR benötigte hohe Werkzeugtemperatur. Die Maschine ist mit einem Package für Flüssigsilikonverarbeitung einschließlich spezieller Spritzeinheit, Vakuumpaket und anderen Einrichtungen ausgerüstet. Die Servodreheinheit ist in die Maschine integriert. Die Herstellung der Teile in einem 1+1-fach Werkzeug benötigt etwa 50 Sekunden. Die Servopower-Antriebstechnologie soll den Betrieb der Maschine sehr energieeffizient machen.

Kleiner geht’s immer

Miniaturisierung zur Realisierung neuer Lösungen ist nach wie vor ein Feld für Innovationen. Den Mikrospritzguss will Wittmann Battenfeld anhand einer optoelektronischen Anwendung zeigen. Auf einer Micropower 15/10 läuft die Herstellung eines Barrel-Holders aus POM auf einem Werkzeug der Firma Wittner. Dabei handelt es sich um eine Vorrichtung die in Kameras eingesetzt wird, um die Linsen zu halten und zu fokussieren. Eine Besonderheit dieser Anwendung ist das Erzeugen des Gewindes mit einem Ausdrehkern. Der Kern mit Gewinde wird nach dem Spritzprozess direkt im Werkzeug zurückgedreht, bevor es ein speziell für diese Maschine konzipierter Wittmann Roboter W8VS2 das Teil entnimmt, einer in die Produktionseinheit und die Maschinensteuerung integrierten Kamera zur Inspektion vorgelegt und auf ein Förderband kavitätengetrennt ablegt.

Schöne Scheckkarten aus PLA

Typischerweise kommt das Inmould-Labeling (IML) in der Verpackungstechnik, beispielsweise bei Bechern zum Einsatz. Erstmalig auf einer Messe soll nun eine Ecopower mit einer speziellen IML-Anwendung laufen: Die Maschine wird als besonders energieeffiziente, vollelektrische Variante der Powerserie angeboten. Dieser Anspruch wird damit begründet, dass die üblicherweise aufwendig in das Energienetz rückgeführte Bremsenergie der Antriebe in diesem Fall vollständig innerhalb der Maschine zur Spannungsversorgung der Steuerung und zur Zylinderheizung genutzt wird. Angekündigt ist zur Fakuma die Produktion von Scheckkarten aus einem Biokunststoff (PLA) in einem 4-fach Werkzeug im IML-Verfahren auf einer Ecopower 180/750. Ein seitlich einfahrender High-Speed Roboters Typ W837 legt fertig bedruckte und zum individuellen Bedrucken vorgesehene Labels in die Kavitäten und entnimmt die Fertigteile aus dem Werkzeug. Diese werden anschließend einer Kamerainspektion zugeführt, um die Lage der Labels zu kontrollieren.

Think big beim Automatisieren

Neben dem Trend zu kleineren Bauteilen ist ebenso die gegenläufige Tendenz zu erkennen: Immer schwerere Spritzlinge werden produziert und müssen gehandelt werden. Folgerichtig hat die Wittmann-Gruppe den schon länger erwarteten Roboter W822 zum Verkauf freigegeben. Er wurde als Einstiegstyp für komplexere Automatisierungsaufgaben konzipiert, die höhere Traggewichte erfordern und auf Spritzgießmaschinen von kleinerer bis mittlerer Größe realisiert werden sollen.

Innerhalb der Baureihe weist die neue Variante W822 eine Besonderheit auf: Die vertikale Verfahrachse arbeitet mit einer Zahnstange, die bei Hüben von 1000 und 1200 Millimeter laut Datenblatt eine Traglast bis 15 Kilogramm ermöglicht. Bei der als Option angebotenen Länge von 1400 Millimeter sind es maximal 12 Kilogramm. Im Übrigen weise der Typ W822 die gleichen Dimensionen auf, wie der bereits bekannte W821: Die horizontale Achse kann bis 4000 Millimeter messen. Darüber hinaus ist der Roboter mit verschiedenen Optionen ausrüstbar, beispielsweise zusätzliche, servobetriebene Rotationsachsen, E/A-Module und zusätzliche Vakuum- und Greiferkreise.

Standardmäßig ist das Gerät mit der universellen R8.2 Robotsteuerung ausgestattet. Diese stellt Echtzeitfunktionen wie Smartremoval, Ecomode, das Vakuumsystem Ivac mit teachbaren Schaltpunkten, Softtorque und weiteren Funktionen zur Verfügung. Alle an die Steuerung angeschlossenen Automatisierungssysteme können über die R8.2 Teachbox, die als zentrale Bedieneinheit dient, angesprochen und kontrolliert werden.


Fakuma, Halle B1, Stand 1204

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