BMW und digitale Werkzeuge

Meinolf Droege,

Werkzeugmanagement beim Autobauer

Fahrzeughersteller BMW setzt nicht nur bei Fahrzeugkonstruktion und –bau auf innovative Technologien. Auch in der Produktion wird versucht, entlang der gesamten Wertschöpfungskette Maßstäbe kontinuierlich zu optimieren.

Dr. Jürgen Wenger (links) und Dr. Axel Niemeyer, Leiter Werkzeugmanagement der BMW Group © BMW Group

Nun wurde entschieden, weltweit die eingesetzten Spritzgießwerkzeuge mit einer integrierten digitalen Lösung die Werkzeugüberwachung und das gesamte Werkzeugmanagement zu vereinheitlichen und zu vereinfachen.

Eine Unzahl an Spritzgießwerkzeugen produziert weltweit Bauteile für BMW-Fahrzeuge. Im Werkzeugmanagement wird die Digitalisierung der Supply Chain mit Hilfe von digitalen IoT-Lösungen nun Realität. Ziel ist es, aus dem bisherigen Werkzeug „smarte“ Produktionsmittel zu machen. genutzt wird dafür das Trackingsystem Mould Monitoring von Digital Moulds für Spritzgießwerkzeuge, das den aktuellen Standort, den Betriebszustand und die Ausbringung jedes Werkzeugs in Echtzeit übermittelt. Diese Technologie ist unabhängig von lokaler Infrastruktur. Die Datenkommunikation über das GSM-Netz ist global verfügbar. Das System wird nach dem Plug and Play-Prinzip installiert.

Daten unter anderem zu Standort, Betriebszustand und Produktion liefern die Spritzgießwerkzeuge in Echtzeit aus allen Produktionsstätten weltweit. © Digital Moulds

Digital Moulds, aus dem österreichischen Sierning, bietet mit Mould Monitoring ein digitales Werkzeugüberwachungssystem. Das Unternehmen gehört zur Haidlmair-Gruppe, in der unter anderem der oberösterreichische Werkzeugbauer Haidlmair und der bayerische Werkzeughersteller Siegfried Hofmann aktiv sind. Sie liefern einen großen Teil des Anwender-Know-hows aus Werkzeugbau und aus der Produktion von Kunststoffteilen.

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Standort und Zustand im Blick

Das Mould Monitoring Device zeichne sich durch die frühe Integration in den Produktionsprozess aus. Bereits bei der Werkzeugentstehung, also lange bevor das erste produzierte Teil vom Band läuft, kommt das System zum Einsatz. Damit verfolgen die Werkzeugbauer bereits in dieser frühen Phase an welchem Ort sich das Spritzgießwerkzeug befindet. Geliefert werden Daten zu Standort, Betriebszustand und Produktion. Das kann beispielsweise eine Meldung sein, wenn sich ein Werkzeugtransport verzögert, wenn die ersten Abmusterungen durchgeführt werden oder im weiteren Verlauf die Produktion bei einem Lieferanten eine bestimmte Stückzahl erreicht.

Bei der BMW Group werden seit Ende 2019 kontinuierlich Spritzgießwerkzeuge mit dem System Mould Monitoring ausgerüstet. Die Verantwortlichen der BMW Group sowie beim jeweiligen Lieferanten werden automatisch und frühzeitig über Auffälligkeiten informiert. Die BMW Group gewährt über das interne System IPQ (Integrated Parts Quality) auch den jeweiligen Lieferanten Einblick in die gewonnenen Daten. Automatisierte Meldungen verringern die Reaktionszeit in der Supply Chain deutlich und ermöglichen den Industrialisierungsverantwortlichen das frühzeitige Einschreiten bei auftretenden Problemen. „Wir möchten keine Überraschungen in der Produktion unserer Teile. Der Beitrag der Werkzeuge zur Versorgungssicherheit wird durch digitales Werkzeugmanagement deutlich transparenter.“, erklärt Axel Niemeyer, bei BMW Group zuständig für das zentrale Werkzeugmanagement.

Weitere Funktionen geplant

Neben der weltweiten Tracking-Funktion und der Möglichkeit, den Betriebszustand sowie Produktionsdaten des Werkzeugs in Echtzeit abzurufen, arbeiten die Entwickler an weiteren Funktionen. Dazu gehört beispielsweise die Analyse von Bewegungsmustern über integrierte Beschleunigungssensoren. Dies generiert wichtige Prozessdaten vieler Werkzeuge. Die automatisierte und lückenlose Dokumentation dieser Prozessdaten ist die Ausgangsbasis für die Anwendung moderner Big Data Technologien im Sinne der weiteren Optimierung der Supply Chain.

Dazu Julian Resch: „Wir arbeiten bereits mit führenden Spritzgießmaschinenherstellern zusammen, um gerade in diesem Bereich Automatismen zu schaffen. Denn in Zukunft werden die gewonnenen Daten die Basis für die Kommunikation zwischen den Teilnehmern des Spritzgießprozesses sein. Das Werkzeug ist der zentrale Koordinator, der als Treiber im Prozess agiert.“

Dabei steht der Kundennutzen im Mittelpunkt. Die direkt am Spritzgießwerkzeug ermittelten Prozessdaten, ermöglichen zum Beispiel auch Condition Based und Predictive Maintenance. Der Einsatz dieser Technologien soll zur rechtzeitigen Detektion kritischer Veränderungen im Produktionsprozess führen – und so Ausfallzeiten verringern sowie planbar machen.

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