Kommentar zur Euromold

Und jetzt erst recht!

So haben wir es von unseren Eltern gelernt
Statt den Kopf in den Sand zu stecken und Investitionen zurück zu stellen oder gar auf Messen zu verzichten, plädiert Konstantin Bikar, Geschäftsführer des gleichnamigen Werkstoffhandels, für mehr Gelassenheit und eine klare Vorwärtsstrategie – ganz in der Tradition der Gründergeneration.

Vor einigen Jahren fassten wir den Entschluss, an einer Messe teilzunehmen. Was uns immer zurück gehalten hatte, waren die „sicher immensen“ Kosten für ein solches Projekt. „Messen sind teuer“, war unsere Auffassung. Dann stellten wir fest, dass das ein Irrglaube war. Was kostet eigentlich eine Messe? Hier einige Beispiele für die Euromold 2009: Standgröße 20 m². Der Preis beträgt rund 4545 Euro. Ein Fertigstand, der ebenfalls vom Veranstalter gemietet werden kann liegt bei 1740 Euro, zusammen 6285 Euro netto. Letztlich kommt noch der Wasser- und Stromanschluss für die Kaffeemaschine hinzu sowie das Hotel für das eigene Standpersonal. Somit liegt man bei einer Investitionssumme von weit unter 10.000 Euro. Es gibt aber auch Sonderangebote für Neueinsteiger. Hier kostet ein Fläche von 15 m² einschließlich Fertigstand und Stromanschluss 4838,25 Euro netto. Und das für volle vier Tage Präsenz auf einer der weltweit führenden Messen für den Werkzeug- und Formenbau mit über 1500 Ausstellern und etwa 60.000 Besuchern. Um also die Frage zu beantworten, „ob sich so was auch für kleinere und mittlere Betriebe rentiert“ kann ich sagen, dass es wirklich ein Muss ist. Haben Sie den Mut, und präsentieren Sie Ihre Qualität, Ihre Produkte und Ihr Unternehmen. Erkundigen Sie sich einfach beim Veranstalter. Sie lernen auf Messen Menschen kennen. Interessante Menschen. Das muss es Ihnen Wert sein!

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Diese Haltung kommt nicht von ungefähr: Bikar ist nicht durch Zufall einer der großen Player mit Niederlassungen und Vertretungen, weltweit geworden, wenn es um Aluminium, Kupfer, Messing, Bronzen und Kunststoffe in Form von Platten, Zuschnitten, Ronden, Ringen, Stangen oder Profilen geht. Der Kundenkreis ist weitläufig. Ob Automobilbranche, Luft- und Raumfahrt, Maschinenbau oder der Werkzeug- und Formenbau. 1962 wurde das Unternehmen von Radomir und Luise Bikar in der malerischen Landschaft des Wittgensteiner Landes, in Bad Berleburg gegründet. In den Anfängen bediente man die Industrie der heimischen Region sowie des angrenzenden Siegerlandes mit NE-Metallen. 1972 kamen die beiden Söhne Konstantin und Aleksandar ebenfalls in den elterlichen Betrieb. Vom Vater wurde die Prämisse übernommen, dass zum Verkaufen nicht der Preis allein gehört, sondern auch das gewisse Etwas – das das Unternehmen von anderen unterscheidet. Den Blick über den Tellerrand hinaus sollten die beiden Jungs vom Vater übernehmen. Im Jahr 2009 hat sich der Familienbetrieb im Vergleich zu damals extrem gemausert. 120 Mitarbeiter am Standort in Bad Berleburg, 16 in Singapore, weitere in Tschechien, der Slowakei, Österreich und Italien. Vertretungen in Schweden, Brasilien, Canada und anderen Ländern machen Bikar heute zu einem Global Player. Und die Zukunft ist gesichert. Während die beiden Brüder zwar vom Ruhestand träumen, der jedoch sicher noch lange auf sich warten lässt, sind die ersten Nachfolger bereits im Betrieb involviert. Und jeder muss die Schule der altern Herrschaften durchlaufen und lernen, da es letztlich um das gewisse Etwas geht, dass der Vater den beiden Söhnen mit auf den Weg gegeben hat. Was damals noch mit Kugelschreiber und Rechenmaschine bewerkstelligt wurde, erledigen heute die geschulten Mitarbeiter über die, mit eigenen Programmierern entwickelte Software.

Aber das Unternehmen kennt nicht nur die alltäglichen Standards in der Welt der Metalle. Auch hier hat die alte Schule Auswirkungen bis zum heutigen Tag. Das offen sein für Neuigkeiten, für Innovationen, ist ein weiteres Etwas der Familie. So wurde ständig Wert auf neueste Technologien gelegt. Zum Beispiel um Zuschnitte für den Kunden individuell auf Maß zu fertigen. Heute steht in Bad Berleburg eines der modernsten Sägezentren für Zuschnitte aus Aluminium, Kupfer, Messing und Kunststoffe. Riesige CNC-gesteuerte Präzisionssägen mit angegliedertem, computergesteuertem Hochregallager fertigen maßgenaue Zuschnitte, Ronden oder Ringe nach Kundenwunsch. Vor drei Jahren wurde das Produkt Formodal 023 entwickelt. Hierbei handelt es sich um eine gegossene Aluminiumlegierung auf Basis 5083 (EN AW-Al Mg4,5Mn0,7), die speziell thermisch behandelt wird. um den Anforderungen des Werkzeug- und Formenbaus gerecht zu werden. Das Material zeichnet sich Festigkeit im Bereich von 260 N/mm² und Spannungsarmut aus. Feinste Konturen lassen sich fräsen, ohne mit Verwerfungen kämpfen zu müssen. Auch die lieferbaren Abmessungen sind für viele Abnehmer interessant: Platten von der Größe einer Streichholzschachtel bis hin zu 1000 Millimeter Dicke – spaßeshalber Telefonzellengröße genannt – sind lieferbar. Heute werden einige Tausend Tonnen pro Jahr gesägt.
Doch wie denkt das Unternehmen über die allgemeine wirtschaftliche Situation in der Finanzkrise nach und was sind die Pläne für die Zukunft? Hier, so gibt die Geschäftsleitung klar zu verstehen, hilft die Erfahrung der vergangenen 47 Jahre.

Schwankungen hat es in der Geschichte der Industrialisierung immer gegeben. Das Auf und Ab wiederholte sich alle sieben bis zehn Jahre. In den letzen 3 Jahren hatte man jedoch den Gipfel des Mount Everest erreicht. Der Absturz tat entsprechend weh. Doch für diesen Fall wurde rechtzeitig vorgesorgt. So war man, trotz der riesigen, aber überschaubaren Investitionen immer darauf bedacht, Fremdkapital in kürzester Zeit zurückzuzahlen. Und das ist ein weiteres Etwas, dass die Familie von den alten Herrschaften gelernt hat. Man muss immer so weit planen, dass man auch kritische Phasen überstehen kann. Die Zukunft ist klar und deutlich festgelegt. Gerade jetzt ist es wichtig, in den bevorstehenden Aufschwung zu investieren, zwar mit Vorsicht, aber mit Vernunft. Nebst einem weiteren Sägezentrum und einem neuartigen Fräszentrum für plangefräste Aluminiumplatten, ist gerade heute der Kontakt zu Kunden ein wichtiges Etwas das auf dem Programm steht. Sei es der Außendienst, die Anzeige in der Fachzeitschrift oder eine Fachmesse. Präsenz ist angesagt und ein Muss bei Bikar.

Was für unser Unternehmen und die Euromold gilt, ist universell übertragbar: Es gilt dabei zu sein. Jetzt erst recht.
Konstantin Bikar

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