Fenster aus Polycarbonat

Annina Schopen,

Fahrzeugbau: Es muss nicht immer Glas sein

Im Bereich der Fahrzeugverglasung ist meist Glas das Material der Wahl. Doch technische Kunststoffe sind meist sicherer und leichter, außerdem lassen sich mit ihnen ganz neue Ideen im Fahrzeugdesign umsetzen.

Lexan Polycarbonat eignet sich zur Herstellung von Fahrzeug-Heckseitenfenstern. © Sabic

Im Portfolio des Chemiekonzerns Sabic findet sich unter anderem Lexan Polycarbonat (PC), das sich zur Herstellung von Fahrzeug-Heckseitenfenstern eignet. Das Unternehmen hat dazu Konzepte entwickelt, die laut eigenen Angaben mehrere neue Möglichkeiten für signifikant erweiterte Designfreiheit, optimierte Kostenkontrolle und reduziertes Gewicht bei Substitution von traditionellem Glas durch schlagzähe Lexan-Kunststoffe bieten sollen. Neben Heckseitenscheiben hat das Sabic-Team auch Designkonzepte für hintere Seitenfenster erstellt.

„Während sich Trends wie die Elektrifizierung der Fahrzeuge weiterentwickeln, eröffnen sich unseren Materialien enorme Möglichkeiten für einen radikalen Wandel im Fahrzeugstyling, der gleichzeitig die anhaltenden Herausforderungen für Leichtbau, Kosteneinsparung und Nachhaltigkeit aufgreift“, sagt Abdullah Al-Otaibi, General Manager, ETP & Market Solutions bei Sabic. „Lexan-Kunststoffe von Sabic stehen für eine nachweisliche Erfolgsgeschichte im Bereich der Fahrzeugverglasungen, und wir sind entschlossen, gemeinsam mit unseren Kunden weiterhin aktiv an der Entwicklung richtungsweisender Konzepte und Innovationen zu arbeiten, von denen OEMs, Systemzulieferer und wir ebenso profitieren können wie die Verbraucher.“

Anzeige

Panoramascheiben, Wechselpaneele, integrierte Beleuchtung und mehr

Viele der neuen Sabic-Konzepte zeigen geschwungene, umlaufende Lexan-Lösungen, die nahtlos in andere Fahrzeugbereiche überfließen, während sie Heckleuchten, Türgriffe, D-Säulenverkleidungen und sogar Dachscheiben integrieren. Konsolidierte Designs und komplexe Konturen wie diese sind mit Glas normalerweise nicht realisierbar.

Weniger Einzelteile und integrierte Funktionen können die Aerodynamik verbessern, um die Kraftstoffeffizienz zu steigern beziehungsweise die Batterieleistung und Reichweite von Elektrofahrzeugen (EV) zu optimieren. Sie erzeugen auch eine stromlinienförmige Fahrzeugoptik.

Eines der Heckseitenfensterkonzepte integriert einen Luftstromteiler zugunsten erhöhter aerodynamischer Effizienz sowie eine optisch ansprechende Linienführung. Ein weiteres Konzept integriert im Fenster eine hinterleuchtete EV-Ladestandsanzeige. Alternativ dazu könnte das Heckseitenfenster auch eine andere beziehungsweise individuellere Anzeige oder eine animierte Begrüßungsleuchte beinhalten.

Viele der neuen Konzepte zeigen geschwungene, umlaufende Lexan-Lösungen, die in andere Fahrzeugbereiche überfließen, während sie Heckleuchten, Türgriffe, D-Säulenverkleidungen und Dachscheiben integrieren. © Sabic

In einem weiteren Fall hat Sabic ein Heckseitenfenster mit einer 3D-Wölbung kreiert, die um die D-Säule greift und fließend in die Dachscheibe und die tiefere Heckseite übergeht. Das Konzept vereint außerdem das Fenster mit den Heckleuchten. Bei einer Variante dieses Heckseitenfensterdesigns ist der Bereich der D-Säule mit einer abgesetzten Blende bedeckt. Diese Fensterveredelung kann in derselben Farbe wie die Karosserie gestaltet werden, um den Eindruck einer schwimmenden Säule zu erzeugen, oder als wechselbares Paneel in einer Auswahl effektvoller Kontrastfarben.

Darüber hinaus umfasst die Studie auch Designs für das hintere Seitenfenster. So ist eins der Konzepte durch ein Fenster und eine Türverriegelung gekennzeichnet, die auf ein Verkleidungselement in der D-Säule abgestimmt sind. Das Ergebnis sei ein elegantes, aerodynamisches Styling.

Vorteile gegenüber Glas

Wenngleich Glas aufgrund seiner niedrigen Kosten für einfache gewölbte Komponenten das Segment der Fahrzeugverglasung

seit vielen Jahren dominiert, führen disruptive Entwicklungen wie EVs in der Branche zu einer Neubetrachtung des Fahrzeugdesigns. Dabei werden traditionelle Materialien wie Glas zunehmend auf den Prüfstand gestellt und durch sicherere, leichtere und leistungsfähigere technische Kunststoffe abgelöst. Lexan-Polycarbonate bieten laut Hersteller Vorteile gegenüber Glas, angefangen mit einem signifikant geringeren Gewicht. Sie erweitern den Designspielraum für geschwungene Formen, spitze Winkel und andere Konturen, die sich mit Glas nur bedingt erreichen lassen. Als bewährte Verarbeitungstechnik, um diese Geometrien umzusetzen, eignet sich das Spritzgießen im Zwei- und Dreikomponentenverfahren (2K/3K). Sabic hat in die Entwicklung einer 3K-spritzgegossenen Dachverscheibung investiert, um seine Kompetenz in der Fertigung großer transparenter und halbtransparenter Fahrzeugteile zu vertiefen.

Polycarbonat (PC) lässt sich außerdem viel leichter recyceln als Glas, das in dieser Hinsicht einigen Hemmnissen gegenübersteht, wie hohen Transportkosten, potenziellen Verunreinigungen des sortenreinen Materialstroms durch Splitter im recycelten Anteil und einem schwindenden Absatzmarkt vor allem im Automobilbereich.

Sabic ist daran interessiert, gemeinsam mit Partnern der industriellen Versorgungskette das chemische Upcyceln ausgedienter Heck- und hinterer Seitenfenster aus Polycarbonat zu erforschen.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

BASF Color Report

Immer mehr blaue Autos

Mit dem BASF Color Report for Automotive OEM Coatings präsentiert der Unternehmensbereich Coatings der BASF eine globale Analyse der Farbverteilung bei Pkws im Jahr 2021. Die achromatischen Farbtöne Weiß, Schwarz, Grau und Silber sind immer noch die...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem Kunststoff Magazin Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite