Leicht und schön

Bei Getränkeverpackungen zählen Design und Funktion

Weniger ist mehr, heißt die Devise der Verbraucher bei den Getränken: Weniger Zusatz- und Konservierungsstoffe, zero Zucker. Bei den Verpackungen gilt genau das Gegenteil: Sie müssen individuell gestaltet sein, eine hohe Qualität des Inhalts versprechen und möglichst einen Zusatznutzen bieten. Dabei versuchen Verpackungsspezialisten beständig leichtere und kostengünstigere Verpackungsalternativen zu realisieren.

Leichtgewicht: Der Materialbedarf und damit das Gewicht von PET-Flaschen wurden erheblich reduziert. (Quelle: Krones)

Wer sein Produkt erfolgreich verkaufen will, muss es auffällig in Szene setzen. Das gilt besonders auf dem hart umkämpften Getränkemarkt. Die Zeiten, in denen es Sprudel, Bier und Schnaps in Normflaschen zu kaufen gab, sind längst vorbei. Durch den Siegeszug der alkoholhaltigen Misch- und aromatisierten Erfrischungsgetränke ist die Getränkevielfalt nahezu unüberschaubar geworden. Ohne professionelles "Brandbuilding", also ein Kommunikationskonzept, das die eigene Marke für eine bestimmte Kundengruppe zum Nonplusultra macht, haben Brunnen und Brauereien im harten Wettbewerb keine Chance mehr.

Zu den Vorreitern dieses Trends zählt die schwedische Firma "Absolut Vodka". Sie brachte 2012 ihre "Absolut Unique"-Reihe auf den Markt, eine limitierte Auflage von vier Millionen Glasflaschen, die vor allem zweierlei sind: bunt und einzigartig. Denn keine der Flaschen gleicht der anderen. Selbst bei den Mehrwegflaschen geht der Trend zur Einzigartigkeit: Jeder größere Getränkehersteller nutzt heute individuelle Gebinde, um Zielgruppen konkreter anzusprechen. So hat der Getränkehersteller Sinalco für seine Limonaden die 0,5-Liter-Mehrwegflaschen eingeführt, damit auch kleinere Haushalten zugreifen. Die hessische Firma Staatl. Fachingen wiederum füllt ihr Mineralwasser in spezielle Facettenflaschen, die sie allein der Gastronomie in drei verschiedenen Größen anbietet.

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Individuelle Getränkeverpackungen bringen jedoch nicht nur höhere Umsätze, sondern auch Nachteile mit sich. Aufwendig gestaltete Flaschen treiben die Entwicklungs- und Produktionskosten und belasten die Umwelt. Um der Vermüllung von Städten und der Natur entgegenzuwirken, haben sich Länder wie Deutschland bei den Getränkeverpackungen hohe Mehrwegquoten zum Ziel gesetzt. Der steigende Anteil an Individual-Mehrwegflaschen bewirkt jedoch das Gegenteil: Die Umlaufzahlen sinken, die Transportentfernungen vom Abfüller bis zum Verbraucher nehmen zu, die Ökobilanz der Mehrwegflaschen verschlechtert sich. Allerdings sind die Individualflaschen häufig leichter als die vergleichbare Standard-Mehrwegflasche, was diesen Effekt wiederum relativiert. Ungeachtet dessen, erhöht sich mit zunehmender Flaschenvielfalt der Sortieraufwand und damit die Kosten.

Immer mehr Getränkehersteller schwenken daher zurück zu Einwegplastikflaschen und Dosen. In Deutschland hat sich im vergangenen Jahr sogar der "Bund Getränkeverpackungen der Zukunft gegründet", um für eine Renaissance der Einwegflaschen und Dosen zu kämpfen. Die Verpackungshersteller stehen damit vor großen Herausforderungen. Wie können Gebinde attraktiver und konsumentenfreundlicher werden? Wie lassen sich gleichzeitig Rohstoffe sparen und die Umwelt entlasten? Auch die Anforderungen an die Verpackungsmaschinen steigen: "Wir müssen uns Gedanken machen, wie die Abfüller ihre Produkte energieschonender, umweltfreundlicher und kostengünstiger verpacken können", sagt der Produktmanager Jochen Forsthövel vom bayerischen Fülltechnik- und Verpackungsmaschinenhersteller Krones. Auf der Interpack vom 8. bis 14. Mai 2014 in Düsseldorf können sich Besucher ein Bild machen, mit welchen Strategien und Produkten die Unternehmen den Marktanforderungen gerecht werden wollen. Die interpack verspricht viele interessante Eindrücke, denn die Bemühungen um Neuerungen und Kosteneinsparungen laufen bei den Verpackungsspezialisten auf Hochtouren.

Material sparen auf breiter Front
Krones beispielsweise legt ein Hauptaugenmerk darauf, leichtere PET-Flaschen zu entwickeln und so Material zu sparen. Die neue 0,5-Liter-Flasche "PET Lite 9.9 carbonated" wiegt nach Unternehmensangaben 9,9 Gramm - rund ein Drittel weniger als gängige PET-Flaschen dieser Größe. Ein spezielles Design des Behältnisses soll dafür sorgen, dass es trotzdem stabil steht und sicher transportiert werden kann. Neuerungen gibt es auch bei PET-Flaschen, die heiß befüllt werden, etwa mit Fruchtsäften. In der Regel müssen diese Flaschen stabiler konzipiert werden, da sie bei Hitze leicht schrumpfen. Das "Nitrohotfill"-Verfahren halte Behälter beim Befüllen stabil, indem der Innendruck mit Stickstoff erhöht wird. Damit seien im Flaschenkörper und im Mundstück Gewichtseinsparungen möglich.

Der französische Hersteller BTC Concepts will zur Messe zeigen, in welche Richtung die Entwicklung bei den Kunststoffflaschen künftig gehen könnte. Die Pariser schrauben drei Einzelflaschen zu einer neuen Flasche zusammen. So entsteht ein neues, dreigliedriges Behältnis, das sich schon optisch von anderen Flaschen abhebt. Außerdem schone das "Bottleclips"-Konzept Ressourcen: Beim Transport sparen die Flaschen Stauraum und damit Kraftstoff. Endkunden wiederum verschwenden weniger Lebensmittel, weil nacheinander drei kleine Flaschen angebrochen werden - so die Grundideen.

Kostensparende Innovationen gibt es nicht nur bei Flaschendesign, Produktion und Abfüllung, sondern auch bei der nachgelagerten Etikettierung. Das Direktdrucksystem "Decotype" kann auch unebene Flächen im digitalem Inkjet-Verfahren dekorieren - auf ein extra Etikett sowie die dazugehörigen Klebstoffmaterialien kann also verzichtet werden. Das heißt aber nicht, dass die klassische Etikettierung damit überflüssig wird. Auch hier gibt es noch Innovationspotenzial, wie der italienische Anbieter PE Labellers mit ihrer neuen Rotations-Etikettiermaschine "Adhesleeve" beweisen will: Die Anlage arbeitet mit Acryl zum Aufkleben der Etiketten statt mit einer heißen Klebstoffschmelze, was Energie spart. Außerdem könne die Anlage 30 Prozent dünnere Etiketten als bisher üblich verwenden.

Ebenfalls zur Interpack angekündigt ist die Präsentation der Verpackungsmaschine "Innopack Kisters TSP A-H-TPFO" - so der etwas sperrige Name -, die nach Angaben von KHS besonders flexibel einsetzbar ist, kostensparend produziert und auch in Bezug auf Nachhaltigkeit neue Maßstäbe setzt. Dank einer speziellen Vorrichtung kann sie auch PET-Flaschen in "Fully Enclosed"-Verpackungen verpacken. Sie sind stabiler als die bisher gängigen Schrumpfverpackungen, so dass keine zusätzlichen Kartonunterlagen zur Stabilisierung mehr nötig sind und der Materialaufwand sinkt. Außerdem ist der Schrumpfprozess für die Verpackungen wahlweise in einem Schrumpftunnel mit Elektro- oder Gas-Beheizung möglich. Gegenüber der herkömmlichen Elektro-Beheizung sei so eine Energiekostenreduzierung bis 50 Prozent realisierbar. Optional in jede Schrumpftunnel-Variante integrierbar ist ein Energiesparpaket, das durch Verwendung eines Rolladen-Systems zum Verschließen von Produktein- und -auslauf während eines Stillstands der Verpackungsmaschine eine zusätzliche Energieersparnis bis 20 Prozent ermöglichen soll.

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