Über die Brücke gefördert

Annina Schopen,

Demontierbare Förderbrücke verbindet Gebäude

FAB hat im Auftrag von Grieshaber Logistik für einen Kunden aus der Chemiebranche die Lagerhalle im Bestandsgebäude mit Fördertechnik ausgestattet und an das neue Logistikzentrum angebunden. Das Ergebnis: ein gebäudeübergreifendes Konzept mit schnell demontierbarer Förderbrücke.

Die demontierbare Förderbrücke von FAB sorgt bei Griesheimer für zusätzliches Tempo. © FAB

Der international tätige Logistikdienstleister Grieshaber Logistik hat am Standort Köln in ein neues Logistikzentrum mit einer Fläche von knapp 8.900 m2 und einer Kapazität von rund 9.600 CP3-Paletten investiert. Grieshaber ist unter anderem auf die Konzeption und Durchführung individueller Logistiklösungen für Industrie- und Handelskunden spezialisiert.

Im aktuellen Projekt sollte für einen Kunden aus der Chemiebranche die Lagerhalle im Bestandsgebäude mit Fördertechnik ausgestattet und an das neue Logistikzentrum angebunden werden. Ziel war es, die Waren aus der Produktion automatisch und effizient an die unterschiedlichen Abnahmestellen in der Bestandshalle und im neuen Gebäude zu verteilen. Bei dem Transportgut handelt es sich um Chemie-Paletten CP3 aus Holz oder Kunststoff mit einem maximalen Gewicht von 1.400 kg. In Abstimmung mit Grieshaber Logistik wurde ein passendes Materialfluss-Konzept entwickelt und realisiert.

Die Ziele des Förderkonzepts: Die Pufferkapazität sollte für die „Atmung“ der Gesamtanlage bei unterschiedlichen Arbeitszeiten in der Produktion und der Logistik erweitert werden. Zudem sollte eine zweite Förderlinie von der Bestandshalle in Richtung Logistikzentrum integriert werden. Auch die Einbindung einer weiteren Palettenentnahme in der neuen Halle mit Zielverwaltung in der SPS für die beiden Logistikhallen sowie die Überbrückung des Gastrassenbereiches mittels einer schnell demontierbaren Förderbrücke standen auf der Agenda.

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Die Anlage wurde in das bestehende Sicherheitskonzept integriert. Entlang der Förderstrecke sind zwei Überstiege eingerichtet für ein gefahrloses Überqueren. © FAB

Zunächst wurde die bestehende Auslagerstrecke um eine Drehvorrichtung mit integrierter Verschiebeeinheit erweitert, die die Funktion der Richtungsvorwahl übernimmt. Parallel zur bestehenden Auslagerstrecke mit Abnahmeplatz wurde eine zusätzliche Einlagerstrecke mit einem Aufgabeplatz installiert, um auch von hier aus Waren auf der neuen Förderstrecke in das Logistikzentrum zu schleusen.

Ware aus der Produktion erreicht über die bestehende Förderstrecke die Drehvorrichtung mit Verschiebeeinheit. Hier entscheidet sich, ob die Paletten geradeaus in das Logistikzentrum oder rechts ab zur Auslagerstrecke der Bestandshalle transportiert werden. Dazu sind die Paletten mit Barcodes versehen, in denen das jeweilige Ziel artikelspezifisch codiert ist. Die Verwaltung der Ziele wird über eine SPS-Steuerung realisiert. In Richtung Logistikzentrum verbindet die neue rund 110 Meter lange Rollenfördererstrecke das Bestandsgebäude mit dem angrenzenden Logistikgebäude über eine demontierbare Förderbrücke.

15 Meter Förderbrücke in 30 Minuten demontierbar

Eine Besonderheit kommt dem Förderabschnitt zwischen dem bestehenden und dem neuen Logistikgebäude zu. Hier befindet sich ein rund 8 Meter breiter Schutzstreifen einer Gasfernleitung. In diesem Bereich wurde eine einfach zu demontierende Förderstrecke beauftragt, die unter Beachtung behördlicher Vorgaben konzipiert wurde. Ausgeführt wurde die Förderbrücke als überdachte Stahlkonstruktion mit Seitenverkleidung. Die insgesamt 15  Meter lange Konstruktion ist in einem Bereich von 8 Metern mit einem geringen Zeitaufwand von circa 30 Minuten komplett mittels Gabelstapler demontierbar, falls ein Zugang zur Gasleitung erforderlich wird. Am Ein- und Ausgang der Brücke sind Sektionaltore angebracht, die sich automatisch öffnen und schließen, sobald Fördergut passiert.

Um größtmögliche Pufferkapazität zu gewährleisten und Schwankungen oder Störungen abzufangen, ist die gesamte Förderstrecke zum Pulken der Paletten ausgelegt. Auf den 4,5 Meter langen Rollenförderer-Elementen bilden drei Paletten einen Pulk mit einer maximalen Gesamtlast von 4,5 Tonnen. Der Vorteil des Puffers zeigt sich besonders am Wochenende, wenn Fertigware aus der Produktion auf der Förderstrecke gepuffert wird und erst montags in das Lager beziehungsweise in den Logistikbereich verteilt werden kann. Dann können bis zu 90 Paletten für die Abnahme bereitgestellt werden.

Steuerung und integriertes Sicherheitskonzept

Die Steuerung der Förderanlage erfolgt über eine Sicherheits-SPS Siemens S7, die Vernetzung der Anlage über Profinet. Über VPN kann das FAB-Serviceteam jederzeit auf die Anlage zugreifen. Der Handbetrieb wird mit einem Mobilpanel, auf 12 Steckstellen verteilt an der Förderanlage, organisiert. Jeder Antrieb ist mit einem Movimot ausgerüstet und in das Bussystem integriert.

Die Steuerung der Förderanlage erfolgt über eine Sicherheits-SPS Siemens S7, die Vernetzung der Anlage über Profinet. © FAB

Die Anlage wurde in das bestehende Sicherheitskonzept integriert. Entlang der Förderstrecke sind zwei Überstiege eingerichtet, die über Lichtschranken gesichert sind und den Mitarbeitern im Bedarfsfall ein gefahrloses Überqueren ermöglichen.

Die Montage der komplexen Anlage wurde bei laufendem Betrieb durchgeführt. Damit die Stilllegung der Bestandsanlage zeitlich so kurz wie möglich gehalten werden konnte, wurde die Realisierung in zwei Baustufen ausgeführt. Mit der Inbetriebnahme konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen und an den Auftraggeber übergeben werden. Um die Leistungsfähigkeit und die Verfügbarkeit der Anlage auch in Zukunft zu halten, erfolgt jährlich eine Wartung und UVV-Prüfung durch das FAB-Servicepersonal. Über einen VPN-Zugang zur Steuerung ist jederzeit ein aktueller Blick auf die Anlage möglich. Außerdem kann auch ein direkter Eingriff bei Bedarf schnell und unkompliziert erfolgen.

Gregor Schnell, Geschäftsführer Grieshaber Logistik, zieht Bilanz: „Die Projektlaufzeit betrug ab der Planungsphase bis hin zur Realisierung und Inbetriebnahme vor Ort lediglich sechs Monate. Aufgrund des durchdachten Konzepts von FAB sowie der engen und effektiven Abstimmung mit allen beteiligten Gewerken war ein reibungsloser Projektverlauf gewährleistet.“

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