Alpla-CEO Philipp Lehner im Interview

Annina Schopen,

Den Fokus wieder auf den Nutzen von Kunststoffen lenken

Philipp Lehner hat vor etwas über einem Jahr den Posten als CEO des Verpackungsspezialisten Alpla übernommen. Im Interview mit KM-Redakteurin Annina Schopen spricht er darüber, wie das Unternehmen durch die Pandemie kommt, wie sich Kreisläufe in der Kunststoffbranche schließen lassen und dass Kunststoff neben seiner Recyclingfähigkeit auch ein fantastisches Material mit großem Nutzen ist.

Alpla-CEO Philipp Lehner © Alpla

Vor etwas über einem Jahr haben Sie die Position des CEO von Alpla von Ihrem Vater Günther Lehner übernommen. Was hat sich getan in diesem Jahr?
Wir haben uns wie schon in den vergangenen Jahren stark international aufgestellt, in die Kreislauffähigkeit von Kunststoff sowie in neue Technologien und Materialien investiert. Mit einer Steigerung um 8,4 Prozent auf vier Milliarden Euro hat Alpla im Geschäftsjahr 2021 einen neuen Umsatzrekord erzielt. Diese positive Entwicklung gilt es nun nachhaltig und langfristig abzusichern. Zahlreiche Projekte und Zukäufe in den USA, Mexiko, der Region Asia-Pacific und Westeuropa ermöglichen uns die Stärkung bestehender und den Einstieg in neue Produkt- und Marktsegmente.

Was sind Ihre Pläne für 2022?
Innovationen sind Teil unserer DNA. Seit der Gründung des Unternehmens resultiert der Erfolg von Alpla aus außergewöhnlichen technischen Entwicklungen. Hier wollen wir weiter stark bleiben. Außerdem wollen wir Verbraucherinnen und Verbraucher verstärkt über Kunststoff informieren. Mit Argumenten, Fakten und Mut zum Diskurs.

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2021 war geprägt von der Corona-Pandemie und ihren Folgen wie Lieferengpässen, Rohstoffmangel und Preissteigerungen. Wie ist es Alpla in dieser Hinsicht ergangen?
Die steigende Materialpreise und auch eine teilweise Materialknappheit haben uns vor Herausforderungen gestellt. Trotzdem haben wir die Krise gut gemeistert. Das war aber nur möglich, weil wir als Unternehmen sehr vorausschauend und vor allem schnell gehandelt haben. Herausfordernd war teilweise die Aufrechterhaltung des Produktionsbetriebs in einigen Ländern, die besonders vom Virus betroffen waren. Wir haben jedoch unsere Kunden zu jeder Zeit bestmöglich unterstützt. Unser Geschäft erwies sich in solch einer Ausnahmesituation in vielen Bereichen als krisenresistent und stabil, da viele Produkte des täglichen Bedarfs in Kunststoff verpackt werden. Hier ist die Nachfrage konstant geblieben.

Alpla setzt in der Produktion zurzeit etwa 20 Prozent Recycling-Kunststoffe ein. © Alpla

Ab 2025 müssen die Kunststoffbehälter mindestens 25 Prozent rPET enthalten, ab 2030 mindestens 30 Prozent. Sind diese Ziele realistischerweise zu erreichen?
Da wir fast ausschließlich harte Kunststoffe wie PET herstellen, sind unsere Produkte überwiegend auch recycelbar. Wir setzen in unserer Produktion aktuell etwa 20 Prozent Recycling-Kunststoffe ein und steigern diese Quote auf 25 Prozent. Dieses Ziel haben wir uns bis 2025 gesteckt. Nach aktuellem Stand werden wir das schon früher erreichen.

Viele Verbraucher legen inzwischen Wert auf Recyclingfähigkeit von Verpackungen oder den Einsatz von Rezyklaten. Daher werben Hersteller und Händler vermehrt mit der Nachhaltigkeit der Verpackungen. Oft bleibt aber unklar, wo die verwendeten Materialien herkommen und ob es sich wirklich um Rezyklate oder um falsch deklarierte Neuware handelt. Wo könnte man hier Ihrer Meinung nach ansetzen?
Indem wir unser eigenes Engagement am Recycling-Markt verstärken und unsere Kapazitäten ausbauen. Zurzeit forcieren wir weltweit unsere Aktivitäten, um die wachsende Nachfrage nach Post-Consumer-Rezyklat zu decken. Gleichzeitig garantieren wir unseren Kunden dadurch eine hohe Qualität und Verfügbarkeit des Materials. Letztes Jahr haben wir angekündigt, bis 2025 jährlich durchschnittlich 50 Millionen Euro in den weiteren Ausbau unserer Recyclingaktivitäten zu investieren. Geplant ist vor allem die Internationalisierung der Maßnahmen für hochqualitative Rezyklate, um lokale Wertstoffkreisläufe in möglichst vielen Regionen zu schließen.

Die Kreislaufwirtschaft – bzw. Kreisläufe zu schließen – ist ebenfalls ein wichtiges Thema, das die Branche derzeit bewegt. Welche Wege gibt es, Kunststoffe so lange wie möglich im Kreislauf zu halten?
Hier verfolgen wir einen holistischen Ansatz und richten unsere Produktbereiche und Verpackungslösungen ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft aus. Das Verständnis ist ausgerichtet an den 4 R der Circular Economy: Reduce, Replace, Reuse und Recycle.

Reduce bedeutet möglichst viel Gewicht und damit den Einsatz von Ressourcen bei unseren Produktentwicklungen zu reduzieren. Der Forschungsfeld Reuse beschäftigt sich beispielsweise mit Refill-Behältern und Mehrwegverpackungen. Replace bedeutet für uns, ölbasierte Ausgangsmaterialien durch solche pflanzlichen Ursprungs zu ersetzen, sowie den Anteil an Rezyklat in unseren Produkten kontinuierlich zu erhöhen.

Beim Recycling möchten wir eine sortenreine Trennung und Aufbereitung unterschiedlicher Kunststoffe erreichen, um das „Bottle to Bottle“-Prinzip zu ermöglichen, bei dem aus einer gebrauchten Flasche wieder eine neue wird.

Alpla will das Engagement am Recycling-Markt verstärken und die betreffenden Kapazitäten ausbauen. © Alpla

Kunststoffe sind in vielen Bereichen die beste Materialalternative, haben aber mit einem schlechten Ruf zu kämpfen, grade was Recycling und Nachhaltigkeit angeht. Was kann man Ihrer Meinung nach dagegen tun? Wie lassen sich die positiven Aspekte des Kunststoffs besser in den öffentlichen Diskurs einbringen?
Die Bilder von verschmutzten Stränden und Müllinseln im Meer emotionalisieren stark. Sie lassen einen einseitig auf das Thema Kunststoff schauen. So werden aber Entscheidungen getroffen, die oft nicht im Sinne der Umwelt sind und eher an Aktionismus erinnern. Wir wollen über Fakten diskutieren, nicht über Einstellungen.

Was jedoch oft nicht bekannt ist: Ein Großteil des Plastikmülls in Ozeanen gelangt über zehn Flüsse dorthin. Diese fließen alle in Afrika und Asien, so das Leipziger Helmholtz-Institut. Wenn es gelingt, in Entwicklungs- und Schwellenländern Sammelsysteme aufzubauen, werden viele der schockierenden Bilder gar nicht mehr entstehen. Oder ein anderes Beispiel: Die Plastiktüte wurde aus den Supermärkten weitgehend entfernt. Papiertüten sind jedoch kein umweltfreundlicher Ersatz. Sie müssten rund 4-mal so oft genutzt werden wie eine Plastiktüte aus Recyclingmaterial. Bei Baumwolltaschen ist es noch extremer. Sie müsste über 200-mal wiederverwendet werden, um mit einer nur einmal verwendeten Plastiktüte gleichzuziehen.

Viele Verbände legen ihren Fokus auf Recycling. Das ist auch gut so. Ich will jedoch den Fokus auch wieder auf den Nutzen von Kunststoffen lenken. Darüber schreiben und sprechen meiner Meinung nach zu wenige. Für meinen Großvater war Kunststoff ein fantastisches Material. Auf einmal konnte man Formen freier wählen, Produkte kostengünstig verpacken und Kosten sparen. Heute getraut man sich das Motto „plastic is fantastic“ gar nicht mehr auszusprechen. Ich glaube daran. Wir wollen unsere Leitidee „plastic is fantastic“ nach vorne bringen: Kunststoffe sind nicht ein Problem, sondern in vielen Bereichen die Lösung. Außerdem wollen wir mit Verbrauchertipps und Produktinfos auf unserer Website z. B. über foodwaste aufklären.

Alpla ist derzeit in 45 Ländern auf vier Kontinenten vertreten, was sind die größten Unterschiede in der Wahrnehmung von Kunststoff?
Es existieren tatsächlich teils beträchtliche Unterschiede in der Wahrnehmung und Einstellung zu Kunststoff. Einflussfaktoren können hier beispielsweise die aktuelle Versorgungssituation (z. B. mit Trinkwasser) in einzelnen Ländern oder auch eine vorhandene oder eben nicht vorhandene Sammel-Infrastruktur sein.

Aber ganz gleich ob die Voraussetzungen unterschiedlich sind, was in allen Ländern ähnlich ist: Es gibt in der Bevölkerung nur sehr wenig Wissen über die zahlreichen Vorteile von Kunststoff: Sicherheit im Umgang, Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit in Bezug auf die Ökobilanz. Vor allem auch im Vergleich zu konkurrierenden Werkstoffen.

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