Entwickler und Praktiker prägt Recyclingtechnologien

Recycling-Pionier Helmuth Schulz verstorben

Mit Helmuth Schulz, der am 14. Oktober 2017 im 72igsten Lebensjahr verstarb, verliert der österreichische Kunststoff-Maschinenbau einen Pionier des Kunststoffrecyclings. Mehr als 60 Patente und die drei Maschinenbauunternehmen Erema, Ekuma und MAS sind mit seinem Namen verbunden.

Mit Helmuth Schulz verliert die Kunststoffwelt einen Pionier, dessen Ideen die Kunststoffverarbeitung noch viele Jahre beeinflussen werden. (Bild: MAS)

Der geborene Wiener begann als Mechaniker-Lehrling beim Lokomotivenbauer Simmerring-Graz-Pauker, wo er schließlich als technischer Zeichner arbeitete. Parallel dazu begann er im Abendstudium eine Maschinenbau-Ausbildung. Mit der Kunststofftechnik kam er erstmals beim Extruderbauer APM (Anger Plastic Maschinen in Kontakt. So begann er im Alter von 23 Jahren Schnecken und Extrudergetriebe auszulegen. Zum Konstruktionsgruppenleiter avanciert, entwickelte er mit dem Doppelschneckenextruder A2-80 einen der großen Verkaufserfolge der APM, die später von Cincinnati Milacron übernommen wurde.

1971 wechselte Helmuth Schulz zur Wiener Dependance des Münchner Krauss-Maffei Kunststoffmaschinenbaus, die sich auf Doppelschnecken-Extruder konzentrierte. Als 1974 die Krauss-Maffei Extrusionstechnik im damals neu errichteten Entwicklungszentrum in Linz/Asten zusammengefasst wurde, kam Helmuth Schulz erstmals mit Recycling in Kontakt. Dieser Maschinenbereich war als Folge der damaligen Ölkrise in Form von Zerklomaten (=Agglomerierer) ins Programm aufgenommen worden. In diesem Unternehmensbereich, den Helmuth Schulz ab 1977 leitete, wurde erstmals auch die Idee entwickelt, einen Agglomerierer und einen Extruder zu kombinieren, die später als Erema-System bekannt wurde. Obwohl das Konzept damals patentiert wurde, verfolgte Krauss Maffei diese Technologie nicht weiter.

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Mit der Zurückverlegung der Krauss-Maffei-Austria in die Münchner Zentrale im Jahr 1980 wechselte Schulz als technischer Leiter zur Linzer ÖSWAG (Österreichische Schiffswerften) in deren neu eingerichteten Kunststoffmaschinenbau. Dorthin nahm er die Idee der Schneidverdichter-Extruder-Kombination mit, entwickelte sie weiter und meldete den „Retruder“ zusammen mit Helmut Bacher zum Patent an. Ende 1980 war die erste Anlage funktionsfähig, der in den zwei Folgejahren weitere 30 Maschinen folgten.

1983 gründete Helmuth Schulz mit den Kollegen Helmut Bacher und Georg Wendelin das Unternehmen Erema, mit dem Ziel, Recyclingmaschinen zu bauen. In mehreren Schritten wurde das Recycling-System um Peripheriekomponenten erweitert, beispielsweise um Rückspül-Siebwechsler für die Kunststoff-Schmelze oder die Heißabschlag-Granulierung mit patentierter Wassereinspritzung.

Nach 23 Jahren entschied Helmuth Schulz im Zuge des Generationswechsels aus „seinem“ Unternehmen auszuscheiden und im Alter von 60 Jahren nochmals ein eigenes Unternehmen zu gründen. Seine Absicht war in der „MAS-Maschinen- und Anlagenbau Schulz“ innovative Konzepte für die Extrusion zu verwirklichen, besonders den von ihm entwickelten und patentierten konischen, gleichläufigen Doppelschneckenextruder, dessen Kennzeichen die hohe Förder- und Homogenisierungsleistung, eine besonders schonende Materialbehandlung und ein stabiler Massedruck sind. Weitere Innovationen sind ein neuartiges kontinuierliches Scheibenfiltersystem für Kunststoffschmelzen und eine wasserlose Trockenreinigung für Folienabfälle, die von seinem Unternehmen Ekuma gebaut werden.

Das Eigentum an den Unternehmen Ekuma und MAS-Maschinen- und Anlagenbau Schulz geht an Helmuth Schulz‘ Tochter, Katharina Schulz, über. Die beiden Unternehmen werden auf Wunsch von Helmuth Schulz operativ vom bereits etablierten Managementteam weitergeführt. Die Kontinuität der beiden Unternehmen sei somit gesichert.

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