Folien recyceln

Am anderen Ende der Verpackungstechnik

Mit einem Abfallmanagement-Konzept optimiert Hornbach in ihren Bau- und Gartenmärkten und verdient nach eigenen Angaben zusätzlich Geld mit der Entsorgung der anfallenden Wertstoffe.

Aus Verpackungsabfällen wie Folien verkaufsfähige Wertstoffe zu machen – das ist Hornbach mit dem flächendeckenden Einsatz von Ballenpressen gelungen. © HSM

Herzstück des Konzepts sind 330 Schrankballenpressen verschiedener Typen von HSM, die an 180 "Anfallstellen" - Märkten, Logistikzentren und Verwaltungen in neun europäischen Ländern - Folien, Papier und Kartonagen verarbeiten. Das Konzept, sagt Andreas Back, Leiter Qualitätsmanagement, Umwelt und CSR bei Hornbach, habe die Recyclingquote stark erhöht: "Aus vielen Reststoffen wurden Wertstoffe." Damit sollen sich die Pressen schnell amortisieren.

Viele Produkte, die man in einem Hornbach-Baumarkt kaufen kann, kommen im Markt verpackt an. Es ist die Aufgabe der Mitarbeiter in der Warenannahme jedes Baumarkts, die Waren auszupacken. Dabei fällt viel Verpackungsmaterial an. Papier, Kartonagen und Folien wurden vor dem Einsatz von Ballenpressen bei Hornbach schlicht entsorgt. Abrollcontainer pressten das Material, der Entsorger holte es ab. "Viele Fraktionen wurden in einer Restfraktion vermischt und das Entsorgen kostete auch noch Geld. Recyclingmöglichkeiten wurden nicht voll genutzt", berichtet Andreas Back. "Teilweise waren bis zu 70 Prozent unserer Reststoffe Wertstoffe."

Im Jahr 2010 erkannten die Verantwortlichen bei Hornbach, dass in diesen Prozessen erhebliches Optimierungspotenzial steckt. Auf Recycling-Messen informierten sie sich über Entsorgungsmethoden und geeignete Maschinen.

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Vertikale Ballenpressen der Typen V-Press 860 und 1160 für Folien und Kartonagen. © HSM

Ziel: Europaweite Abfalltrennung
Ziel war ein Abfallmanagementkonzept, das europaweit eine Abfalltrennung und ein Behälterkataster für mehr Transparenz vorsah. Es sollten außerdem in den Warenannahmen der Bau- und Gartenmärkte die Wege optimiert werden, so dass die Mitarbeiter effektiver arbeiten. Die Entsorgung der Wertstoffe sollte von einem Recyclingpartner unabhängig werden. Andreas Back und seinen Kollegen in der Hornbach-Zentrale in Bornheim (Pfalz) war schnell klar, dass es für dieses Konzept Verdichtungsmaschinen braucht, die die Wertstoffe zu direkt vermarktungsfähigen Ballen pressen und gleichzeitig sparsam mit dem wertvollen Platz in den Wareneingängen umgehen. Die Maschinen sollten hohe Presskraft haben, langlebig sein und der Hersteller musste über ein dichtes Servicenetzwerk verfügen. Andreas Back: "Wir brauchen im Reparaturfall binnen 24 Stunden eine Lösung, alles andere würde den Betrieb aufhalten und zu viel Geld kosten."

Die Hornbach-Verantwortlichen testeten in einem Baumarkt unterschiedliche Pressentypen verschiedener Hersteller. Dabei hätten sich schnell "deutliche Unterschiede" bei Bedienerfreundlichkeit, Qualität und beim Preis gezeigt, berichtet Andreas Back. Nach Bewertung von Qualität und Preis/Leistungs-Verhältnis fiel die Wahl schließlich auf zwei Typen von HSM.

Typischer Wareneingangsbereich in einem Hornbach-Baumarkt – in der Gruppe werden unter anderer, 3000 Tonnen Folien jährlich entsorgt. © HSM

Hornbach rüstete in der Folge seine Märkte in neun europäischen Ländern und mehrere seiner Logistikzentren mit diesen vertikalen Ballenpressen aus. Aktuell verfügt Hornbach über 330 Stück. Die Mitarbeiter in den Wareneingängen der Märkte bestücken die Maschinen nun mit dem Verpackungsmaterial, pressen es und lagern die Ballen. Einmal wöchentlich holt eine Hornbach eigene Lkw-Flotte ("Wertstoffliner") die Ballen ab, bringt sie in Umschlagszentren, von wo es die Recycler abnehmen. "Die Wiederverwerter schätzen das Hornbach-Material aufgrund seiner hohen Qualität und Sortenreinheit", berichtet Andreas Back.

Pressen machen unabhängig
Mit den Schrankballenpressen sei man unabhängig von Abholzyklen, lobt Andreas Back. Die Mitarbeiter können die Ballen selbständig den Maschinen entnehmen und zwischenlagern. Dass die Wertstoffliner-Flotte auch als solche sichtbar und beschriftet ist, ist für den Leiter Qualitätsmanagement ein Zeichen an den Entsorgermarkt, dass Hornbach in Sachen Recycling ernst mache.

Hornbach hatte Zusatzanforderungen an die HSM-Pressen: Weil in den Märkten oft nasse Folien anfallen, wünschte man einen stärkeren Korrosionsschutz im Pressraum und hatte zudem spezielle Anforderungen an die Software. Zu Anfang, berichtet Andreas Back, mussten sich Mitarbeiter und Marktleiter erst an die neuen Pressen gewöhnen. Grund: die bisherigen Abrollpresscontainer hatten größere Einfüllöffnungen. Schnell hätten sich die Vorteile der neuen Maschinen gezeigt und Marktmanager und Mitarbeiter überzeugt. Die Mitarbeiter könnten die Pressen leicht bedienen. Ein Vorteil der Schrankballenpressen sei deren Mobilität. Wenn ein Wareneingang neu organisiert wird, lassen sich die Maschinen einfach an einem anderen Standort aufstellen.

Beladen eines Hornbach „Wertstoffliners“ – hier mit Papier und Pappe. © HSM

Nach vielen Jahren der Zusammenarbeit zieht Andreas Back eine positive Bilanz hinsichtlich der Servicequalität. "Wir haben immer einen erreichbaren Ansprechpartner und es wird uns schnell und unproblematisch geholfen." Auch aus Management-Sicht ist die Neuorganisation auf Basis der HSM Produkte bei Hornbach ein Erfolg. Heute liefert Hornbach jährlich etwa 12 000 Tonnen PPK und 3000 Tonnen Folie an seine Recycling-Partner. Das Baumarktunternehmen erlöst damit bares Geld. Die Investition macht sich nach Angaben des Qualitätsmanagers schnell bezahlt: "Wir haben es schnell geschafft, aus vormals als Reststoff entsorgtem Material Wertstoffe zu machen", so Andreas Back. Die Recyclingquote im gesamten Unternehmen wurde signifikant erhöht.

Das Handling der Wertstoffe haben Back und seine Kollegen außerdem mit einem Hornbach-Recycling-Portal im Internet optimiert: Dort werden Stoffströme angemeldet, gesteuert und mit den Verwertern abgerechnet.

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