Circular Economy

Meinolf Droege,

Igus investiert in Chemical Recycling

Erneuerbar, nachhaltig und Müll reduzierend: Diese Ziele stehen hinter der Catalytic Hydrothermal Reactor Technologie (kurz: Cat-HTR). Mit ihr sollen sich, so die Entwickler, Kunststoffabfälle innerhalb von 20 Minuten chemisch zerlegen und aus den gewonnenen Stoffen wieder Kunststoffe erzeugen lassen. Um die Circular Economy von Kunststoffen zu unterstützen, hat Igus nach eigenen Angaben jetzt 4,7 Millionen Euro in ein Unternehmen investiert, das die erste kommerzielle Cat-HTR-Anlage in Betrieb nehmen will.

Gemeinsam wollen Steve Mahon, Geschäftsführer Mura Technology (links), Oliver Borek, Geschäftsführer Mura Europa (rechts), und Frank Blase, Geschäftsführer Igus, Kunststoffe recyceln und ihnen einen neuen Lebenszyklus geben. © Igus

Nachhaltigkeit ist – spätestens seit der K 2019 eines der wichtigsten Themen der Kunststoffbranche. Kunststoff-Recycling ist daher auch bei Igus ein wichtiges Thema. Beim klassischen Recycling – dem Schreddern bzw. thermischem Aufbereiten und Wiederverwenden von Kunststoffen – ist das Unternehmen mit dem „Chainge-Programm“ bereits einen wichtigen Schritt gegangen: Energieketten herstellerunabhängig nach dem Lebensende einer Maschine zurück, regranuliert den Kunststoff und verarbeitet ihn wieder. „Mit dem Igus Chainge Programm haben wir mit dem Kunststoff-Recycling alter Produkte begonnen. Das ist für Hochleistungskunststoffe der beste Weg“, so Geschäftsführer Frank Blase.

Weltweit bleiben immer Mischabfälle übrig, bei nicht-technischen Kunststoffen in 100 bis 1000-fach größeren Mengen. „Hier bietet das chemische Recycling neue Lösungen“, sagte Frank Blase. Er sei auf die Catalytic Hydrothermal Reactor Technologie aufmerksam geworden und habe mit dem deutschen Erfinder Professor Thomas Maschmeyer in Sydney den Kontakt aufgenommen. Sieben Monate später, nach intensiven Recherchen, investiert Igus jetzt 4 Millionen Britische Pfund (4,7 Millionen Euro) in die Mura Technology Limited und damit auch in den Bau der ersten Cat-HTR-Anlage. Die patentierte Catalytic Hydrothermal Reactor wurde 2007 entwickelt und über 10 Jahre in einer Pilotanlage in Australien getestet. Mit Cat-HTR sollen sich klassisch nicht-recycelbare Kunststoffabfälle innerhalb von 20 Minuten wieder in Rohöl umwandeln und das ressourcenschonender im Vergleich zur Gewinnung von Erdöl. Lediglich Wasser, hohe Temperaturen und Druck werde für das Trennen und Neuverbinden der Moleküle eingesetzt. Eine Anlage könne jährlich 20 000 Tonnen Kunststoff verarbeiten und damit 28 180 Tonnen CO2 einsparen. Das entspricht dem jährlichen Energiebedarf von knapp 5000 Haushalten. (Quelle: licella.com.au)

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Die erste kommerzielle Cat-HTR-Anlage ist derzeit in Wilton, Großbritannien, in Planung. Der Bau soll in diesem Jahr starten. Abfallunternehmen liefern den Müll, um ihre Recyclingziele zu erreichen. Anschließend wird Rohöl gewonnen, das der Kunde zu einem ähnlichen Preis wie Erdöl beziehen kann. Insgesamt vier Catalytic Hydrothermal Reaktoren sollen in Wilton entstehen, um jährlich über 80 000 Tonnen Kunststoffmüll verarbeiten zu können. Im nächsten Schritt plant Mura weltweit Lizenzen zu vergeben und Anlagen zu bauen.

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