Unternehmensübergreifende Entwicklung in Oberösterreich

Projekt Circumat: Kunststoffe aus Haushaltsabfällen

Acht Unternehmen und Forschungseinrichtungen entlang der Kunststoff-Wertschöpfungskette entwickeln im Projekt Circumat gemeinsam einen Muster-Prozess, um Post-Consumer-Abfall – also Haushaltsabfall – aus Polyolefinen für hochwertige Anwendungen aufzubereiten. Profitieren soll davon die gesamte Kunststoffbranche.

Recycling von Polyolefinen ist machbar – in einem Vorprojekt wurde der Speiseöl-Sammelbehälter Öli aus 100 Prozent Post-Consumer Rezyklat entwickelt. © TCKT

Das EU Kreislaufwirtschaftspaket setzt für die Kunststoffindustrie ambitionierte Ziele: Heute müssen 22,5 Prozent aller Kunststoffverpackungen rezykliert werden. 2025 sollen es 50 Prozent sein. In Österreich werden laut Branchenangaben bereits jetzt 34 Prozent erreicht. Dennoch wird das Ziel nur zu erreichen sein, wenn schon am Beginn der Wertschöpfungskette darauf geachtet wird, dass die Materialien nach ihrer Nutzung bestmöglich gesammelt, sortiert und verwertet werden können. Damit Verarbeiter aber auch verstärkt Rezyklate bei der Herstellung von Kunststoffprodukten einsetzen, brauchen sie sichere Materialqualitäten. Und hier muss noch Forschungs- und Entwicklungsarbeit – und Überzeugungsarbeit – geleistet werden.

Polyolefine im Fokus
Das Projekt legt den Schwerpunkt auf Abfälle aus Polypropylen und Polyethylen. Denn im Gegensatz zu PET, für das es bereits in manchen Bereichen einen etablierten Kreislauf gibt, werden Polyolefine aus dem Post-Consumer Bereich bis dato nur wenig verwertet. Und das obwohl Polyolefine mit 49,1 Prozent Anteil an der Gesamtmenge die am meisten verwendeten Kunststoffe sind. Ein Grund dafür ist sicher die mangelnde Stabilität der Polyolefine gegenüber dem Abbau (Abbruch der Polymerketten) während und nach dem Recyclingprozess. Während bei Polyestern ein Kondensationsschritt zur Erhöhung der Kettenlänge angewandt werden kann, ist dies bei Polyolefinen nicht möglich, da hier der Kettenaufbau über die Polymerisation von Doppelbindungen geschieht. Hier ist es notwendig, Wege zum Erhalt der Polymerketten oder zum Polymeraufbau zu finden.

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Funktionierende Beispiele
Gemeinsam wird ein Muster-Prozess für Anwendungen aus der technischen Verpackung, beispielsweise Flaschen und Kisten, oder aus dem Konsumgüterbereich erarbeitet und wissenschaftlich begleitet. Dabei sollen die verfügbaren Technologien und die damit machbaren Anwendungen aufgezeigt werden. Dass der neue Prozess auch funktioniert, soll an mindestens drei im Projekt zu entwickelnden Produkten aus Rezyklaten demonstriert werden. „Dieser Prozess dient dann als Grundlage für weitere Produktentwicklungen aus Rezyklaten. Das erarbeitete Know-how soll der gesamten Kunststoffbranche zur Verfügung zu stehen, vor allem auch den vielen KMU, die auf keine hausinterne FuE-Abteilung zurückgreifen können“, erklärt Christoph Burgstaller, Leiter des Projekts und Geschäftsführer des außeruniversitären Kunststoff-Forschungsinstitutes Transfercenter für Kunststofftechnik in Wels.

Christoph Burgstaller ist Projektleiter und Geschäftsführer des außeruniversitären Kunststoff-Forschungsinstitutes Transfercenter für Kunststofftechnik in Wels. © TCKT

„Circumat“ ist für die Unternehmen der Branche ein wichtiger Baustein für eine kreislaufgeführte Kunststoffwirtschaft, weil viele der Fragestellungen zum Einsatz von Rezyklaten als Prozess anhand konkreter Anwendungen aufgestellt wird. Der Kunststoff-Cluster ist im Projekt aktiv bei der Ausarbeitung des KMU-Leitfadens für den Einsatz von Rezyklaten für neue oder bestehende Produkte dabei. Damit entsteht aus dem Projekt ein nachhaltiger Nutzen für die Unternehmenslandschaft und den Kunststoffstandort”, sagt Wolfgang Bohmayr, Leiter des Kunststoff-Clusters der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria.

In einem Vorprojekt wurde der Speiseöl-Sammelbehälter Öli aus 100 Prozent Post-Consumer Rezyklat entwickelt. Der Öli als Testimonial und Idee der Lavu habe schon gezeigt, dass vieles machbar ist, wenn ein gemeinsamer Wille zur Realisierung da ist. Das technologie- und branchenübergreifende Zusammenarbeiten ist dabei essentiell.

Projektdaten Circumat
Das Projektvolumen beträgt 356 000 Euro, knapp 30 Prozent davon kommen aus staatlichen Fördermitteln. Laufen soll das Projekt bis März 2020. Beteiligt sind

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