Manfred Hackl

Annina Schopen,

Recycelter Kunststoff als Beitrag zum Klimaschutz

In der Interviewreihe „Way2K“ des VDMA-Fachverbands Kunststoff- und Gummimaschinen spricht Manfred Hackl, CEO von Erema, über die Kreisluafwirtschaft, welche Hürden es noch zu nehmen gilt und welche Auswirkungen sie auf den Klimaschutz haben kann.

Manfred Hackl, CEO der EremaGroup © Erema

Herr Hackl, die Kreislaufwirtschaft stand schon 2019 im Fokus der K. Das wird 2022 wieder so sein. Ist man dem Ziel in den letzten Jahren näher gekommen?
Die Kunststoffbranche hat mittlerweile wirklich verinnerlicht, dass sie etwas tun muss. Vieles ist schon in Gang gekommen. Das reicht vom Design for Recycling bis hin zum Sammeln und Sortieren. Auch bei den Recyclingtechnologien, also auch bei uns, hat sich wie schon in der Vergangenheit wieder viel getan. Man kann es so sagen: Der Zug, der 2019 in Fahrt gekommen ist, nimmt kontinuierlich Geschwindigkeit auf. Es ist noch lange nicht so, dass die Geschwindigkeit ausreichend wäre. Sie muss noch erhöht werden. Aber es ist schon sehr viel gut aufgesetzt und viele Teile der Wertschöpfungskette Kunststoff arbeiten schon intensiv zusammen.

Können Sie dafür ein paar Beispiele nennen?
Die großen Konzerne investieren derzeit große Summen, um den Kreislauf zum Beispiel bei HDPE-Flaschen zu schließen. Aus HDPE-Flaschen sollen wieder HDPE-Flaschen werden. Wir bei Erema haben eine Technologie entwickelt, mit der man geruchsneutrales Regranulat bekommt. Dafür haben wir vor kurzem einen der Plastics Recycling Awards Europe in der Kategorie „Recycling Machinery of the Year“ erhalten. Diese Geruchsneutralität ermöglicht es, aus gebrauchten Kunststoffprodukten wieder ebenso hochwertige neue Kunststoffprodukte zu machen, nicht nur minder- oder gleichwertige. Oder: Im Design von Recycling ist man dabei, für immer mehr Produkte, etwa Plastikbeutel, nicht mehr mehrere Folienschichten, sondern nur eine vorzusehen. Diese Monolayer-Verpackungen sind wesentlich einfacher zu recyceln. Man sieht schon an diesen Beispielen, dass sich viel getan hat.

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Und wo hakt es noch?
Es braucht vor allem Zeit. Die Kunststoffindustrie hat jahrzehntelang auf Linearität gesetzt. Der Übergang in eine Kreislaufwirtschaft funktioniert deshalb nicht von heute auf morgen. Man braucht sicherlich noch Jahre, bis alle Kreisläufe geschlossen werden. Dazu müssen immer neue, bessere Technologien entwickelt werden. Auch wir bei Erema machen das. Aber auch wenn die Kreisläufe geschlossen sind, wird es noch lange dauern, bis sich das Image des Kunststoffs in der Öffentlichkeit verbessert.

Recyclingmaschine von Erema © Erema

Ist die Kreislaufwirtschaft vor allem ein deutsches, österreichisches oder Schweizer Thema?
Nein, sie ist mittlerweile in ganz Europa angekommen. Auch in Amerika wird viel in diesem Bereich investiert. Die Treiber sind ja auch die großen Markenhersteller, und viele davon sitzen in den USA. Die setzen inzwischen stark auf Design for Recycling und machen strenge Vorgaben etwa für den Einsatz von Regranulat in ihren Produktverpackungen. Auch in Asien passiert sehr viel. In China kommt die Kreislaufwirtschaft besonders schnell voran. Aber es gibt auch Regionen, die bei dieser Geschwindigkeit nicht mithalten können.

Noch immer wird Plastikmüll exportiert. Dabei bräuchten wir den hier doch dringend, oder?
Ja, sicher. Da könnte die Politik noch wesentlich schneller reagieren und den Export von Sekundärrohstoffen verbieten. Europa hat ja nicht sehr viele Rohstoffe, aber diesen Sekundärrohstoff hat man. Also lassen wir ihn doch am besten in Europa. Das bringt uns mehr Unabhängigkeit. Aber das Verbot wird sicher kommen.

Hilft die Digitalisierung bei der Kreislaufwirtschaft?
Wir brauchen die Digitalisierung, um Prozessstabilität, Prozesssicherheit und Qualitätssicherheit in der Produktion zu garantieren. Denn das ist es, was der Verarbeiter braucht. Er muss hundertprozentig sicher sein, welche Eigenschaften das recycelte Material hat. So, wie er das auch von Neuware gewohnt ist. Bei Erema haben wir die Digitalisierung mit der Kundenplattform BluPort deshalb in den letzten Jahren massiv vorangetrieben. Zudem können wir mit Hilfe unseres QualityOn-Pakets online Qualitätsmessungen durchführen, die dazu führen, dass das Regranulat eine durchgehend stabile Qualität aufweist. Das trägt dazu bei, dass der Verarbeiter Vertrauen in diese Regranulate bekommt. Die Digitalisierung spielt auch bei der Rückverfolgung von Kunststoffverpackungen eine große Rolle. Diesem Thema widmet sich die unternehmensübergreifende Initiative R-Cycle. Unternehmen aus der ganzen Kunststoff-Wertschöpfungskette arbeiten gemeinsam an Rückverfolgungsstandards, die in Form eines digitalen Produktpasses alle recyclingrelevanten Informationen erfassen.

Welche Auswirkung hätte eine komplett funktionierende Kreislaufwirtschaft auf den Klimaschutz?
Das hätte eine riesige Wirkung. Wenn wir das schaffen, was wir mit der PET-Flasche schon verwirklicht haben, nämlich einen funktionierenden Kreislauf für Produkte, dann kann sich auch Kunststoff insgesamt als kreislauffähiges Material etablieren und seine Vorteile gegenüber anderen kreislauffähigen Materialien wie Glas oder Papier voll ausspielen. Dann könnten wir Kunststoff noch gezielter einsetzen, um den Klimaschutz voranzutreiben. Ob bei Windrädern, bei der Hausisolierung, bei der Lebensmittelverpackung, beim Auto – aufgrund seiner vielfältigen Einsatzgebiete und der über den ganzen Lebenszyklus betrachtet besseren CO2-Bilanz leistet recycelter Kunststoff einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz. Die Verringerung der CO2-Emissionen würde durch den vermehrten Einsatz von Rezyklaten beschleunigt. Dazu muss die Kreislaufwirtschaft von der Gesellschaft quasi verinnerlicht werden. Sie muss so selbstverständlich und normal sein, dass niemand mehr darüber extra nachdenkt. 

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