Erdöl aus Kunststoff gewinnen

Annina Schopen,

Recycling-Projekt von Igus-Partner Mura nimmt Fahrt auf

Das britische Unternehmen Mura will mit dem HydroPRS-Verfahren aus Kunststoff wieder Erdöl gewinnen. Seit 2020 unterstützt Igus als Investor das Vorhaben. Die erste HydroPRS-Anlage für das chemische Recycling von Kunststoffabfällen soll Anfang 2023 in Betrieb gehen.

Fortschritte bei den Bauarbeiten in Teesside, England: Mura will Anfang 2023 die weltweit erste HydroPRS-Anlage für das chemische Recycling von Kunststoffabfällen in Betrieb nehmen. © Mura Technology

Im April 2021 hat Muras Tochtergesellschaft Renew ELP in Teesside, England mit dem Bau der ersten HydroPRS-Anlage zum Recycling von Kunststoffabfällen begonnen. Das Verfahren ermöglicht das Recycling von unsortierten Kunststoffabfällen mit geringem CO2-Fußabdruck. HydroPRS ist unempfindlich gegenüber organischen Verunreinigungen wie Papier und Lebensmittelresten, sodass sich eine breite Palette von Kunststoffabfällen als Ausgangsmaterial eignet. Dieses wird in der eigenen Materialaufbereitungsanlage zerkleinert und von Verunreinigungen wie Glas, Steinen und Metallen befreit.

Renew ELP mache weiterhin Fortschritte bei den Bauarbeiten der Anlage, wenngleich die Corona-Pandemie und Rohstoff-Engpässe, wie in anderen Wirtschaftszweigen auch, Auswirkungen auf das Projekt hatten, so die Mitteilung von Igus. Nach den Grabungs- und Tiefbauarbeiten wurde in den letzten Monaten vor allem Beton gegossen, um die Fundamente und Unterbauten für die Gebäude und Anlagen zu errichten.

Im Juli wurden bereits erste Anlagen wie Lagertanks für Destillat an die Baustelle geliefert. Darüber hinaus wird ein Teil in lokale Lagerhäuser gebracht oder bei den Lieferanten vor Ort gelagert. Das helfe bei der Montageplanung, da das Equipment so jederzeit verfügbar sei und effizient installiert werden könne. Die nächsten großen Bauvorhaben sind die Materialaufbereitungsanlage und die Hauptprozessanlage. Im Juli hat Mura bereits mit der Programmierung der Steuerungssoftware für die HydroPRS-Anlage begonnen, die bis Oktober fertig gestellt werden soll.

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Kapazitäten werden weiter ausgebaut

Ziel sei es, den Renew-ELP-Standort Anfang 2023 in Betrieb zu nehmen. In der ersten Phase liege die Kapazität der Anlage bei 20.000 Tonnen, die auf jährlich 80.000 Tonnen erhöht werde. Zum Vergleich: Der größte Müllstrudel der Welt, der Great Pacific Garbage Patch, der im Pazifischen Ozean zwischen Hawaii und Kalifornien schwimmt, besteht derzeit laut Schätzungen von Forschern aus circa 80.000 Tonnen Plastikmüll.

In Zukunft sollen weltweit weitere HydroPRS-Anlagen gebaut werden – auch in Deutschland. Es sein bereits mehrere mögliche Standorte identifiziert worden. Einer davon befinde sich derzeit in der Entwicklungsphase und gehe voraussichtlich bis einschließlich 2025 in Betrieb. Die geplanten Anlagen in Deutschland sollen dann über eine Verarbeitungskapazität von 50.000 bis 100.000 Tonnen pro Standort verfügen.

Das Geschäftsmodell von Mura umfasst sowohl eigene Standorte in Großbritannien, Europa und den USA als auch weltweite Lizenzmöglichkeiten über Muras Partner KBR. Inzwischen sind weitere Partner wie DOW Chemical, Chevron Phillips Chemical und Mitsubishi Chemical hinzugekommen. Bereits seit 2020 ist auch Igus Partner von Mura und hat fünf Millionen Euro in das Projekt investiert.

Gemeinsam zu mehr Nachhaltigkeit

Für die Versorgung der HydroPRS-Anlage mit Kunststoffabfällen arbeitet Mura bereits mit Lieferanten zusammen. Diese sammeln den Kunststoffmüll von Haushalten und Städten und liefern diesen künftig an Mura. „Wir wissen um die großartigen Möglichkeiten dieser bahnbrechenden Technologie und unterstützen Mura, um dem chemischen Recycling zum Durchbruch zu verhelfen. Gemeinsam möchten wir die Kreislaufwirtschaft von Kunststoff vorantreiben, um so kostbare Ressourcen und Rohstoffe zu schonen”, sagt Frank Blase, Geschäftsführer von Igus.

Seit über 50 Jahren regranuliert Igus bereits 99 Prozent des in der Produktion anfallenden Kunststoffabfalls und hat 2019 auch ein eigenes Recycling-Programm für ausgediente Energieketten ins Leben gerufen. Mit der Cradle-chain und den Iglidur ECO-Gleitlagern sind in diesem Jahr auch die ersten Produkte aus bis zu 100 Prozent recyceltem Material entstanden. Ebenfalls neu: das Igus:bike Projekt für nachhaltige, urbane Mobilität. Das Konzept umfasst ein Vollkunststoff-Fahrrad, das komplett schmier- und rostfrei ist und dessen Rahmen sowie Räder ebenfalls aus Post-Consumer-Abfällen hergestellt werden können. Mit der igus:bike Plattform möchte igus zudem das Know-how rund um Kunststoffe in der weltweiten Fahrradindustrie fördern und somit die Kreislaufwirtschaft auch international vorantreiben.

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