PET-Recycling

Meinolf Droege,

Trend zu Großanlagen und hoher Rezyklat-Qualität

Das Recycling von PET-Flaschen hat sich in den vergangenen 20 Jahren bewährt und wurde zum Vorbild für geschlossene Kunststoffkreisläufe. PET-Flaschen mit hohem Rezyklat-Anteil, der am Label auch deutlich sichtbar ausgewiesen wird, sind immer häufiger in den Verkaufsregalen zu finden. Das wirkt sich auf die Nachfrage nach innovativen PET-Recycling-Technologien aus.

Trotz Corona und fallen Preise für Neuware wird massiv in Recyclingtechnologien investiert. © Shutterstock, Bogdan ionescu

„Trotz Corona-bedingt rückläufiger Getränkeabsätze und in der Recyclingbranche angespannter Situation durch den Preisverfall bei Neuware ist das Interesse an unseren PET-Recyclingtechnologien ungebrochen hoch“, berichtet Christoph Wöss, Business Development Manager in der Erema Group. Gründe dafür seien zum einen ausgereifte Technologien, hohe Produktsicherheit, stabile Prozesse und Wirtschaftlichkeit – und das Bekenntnis namhafter Markenhersteller sowie von Politik und Gesellschaft zum Kunststoffrecycling und zur Kreislaufwirtschaft. Die EU hat ihre Position dazu unter anderem in Vorgaben für Recyclingquoten und Mindestrezyklat-Anteilen in PET-Flaschen durchgesetzt.

Die Gesamtkapazität aller bisher für unterschiedliche Anwendungen verkauften PET-Recyclingmaschinen beziffert Erema mit 2,6 Millionen Tonnen pro Jahr, wobei die Tendenz aktuell eindeutig in Richtung Großanlagen ab 2000 Kilogramm pro Stunde zeigt. Herausragend in dieser Kategorie sei ein im Jahr 2020 in Mexiko installiertes Recyclingsystem, bestehend aus zwei Vacurema Basic T-Maschinen mit je 4000 Kilogramm pro Stunde Durchsatzleistung sowie einerSolid State Polykondensation (SSP). „Der Kunde plant damit eine Jahresproduktion von bis zu 60 000 Tonnen lebensmitteltauglichem rPET. Für uns sind das die größten Anlagen, die wir jemals gebaut haben, in unseren Auftragsbüchern steht aber bereits die Order für eine noch größere“, so Christoph Wöss.

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Besonders zufrieden zeigt sich Christoph Wöss mit dem Markterfolg der Vacunite-Technologie, die einen neuen Maßstab für Leistungsfähigkeit im Bottle-to-Bottle-Recycling setze: In knapp zwei Jahren sei das energieeffiziente Anlagenkonzept, eine Entwicklungskooperation mit Polymetrix, bereits an 13 Kunden weltweit verkauft worden. Das Verfahren kombiniert Vakuum- und Stickstoff-Technologie, gewährleistet hohe Dekontaminationseffizienz und sorgt mit guten rPET-Farbwerten auch dafür, dass im Endprodukt Flasche höhere rPET-Anteile möglich sind. Eine dieser Anlagen hat kürzlich die RCS-Gruppe in Deutschland in Betrieb genommen. Alexander Rimmer, Geschäftsführer der RCS Gruppe: „Unsere Analysen belegen, dass wir bei allen potenziellen Kontaminanten Werte erreichen, die deutlich unter unseren Zielwerten liegen oder gar nicht detektierbar sind.“

Michael Heitzinger, Christoph Wöss und Patrick Rachinger auf der Baustelle für das neue Kundenzentrum, in dem eine Vacunite-Anlage für Material-Testläufe installiert wird. © Erema

Das Wachstum sei nicht allein von der guten Entwicklung im Bottle-to-Bottle Bereich getragen. Die Verarbeitung von PET-Flakes in einem Verarbeitungsschritt direkt zu Preforms (Flakes-to-Preform) oder zu Folien – möglich auch mit dem Multi Purpose Reactor als Nachrüstlösung für bestehende Folien-Extrusionsanlagen (Bottle-to-Sheet) –, besonders aber auch zu Regranulat für die Textilindustrie (Bottle-to-Poy) befördert die Nachfrage in diesem Segment ebenso. Insgesamt hat Erema gemäß eigener Angaben von Oktober 2019 bis Oktober 2020 42 Anlagen mit einer Gesamtkapazität von 643 000 Tonnen pro Jahr geliefert. Das entspricht in etwa der Gesamtkapazität aller von 2011 bis 2018 verkauften PET-Recyclingmaschinen.

Der erfolgreichen Entwicklung der PET-Recycling Sparte am Markt folgend, wachsen auch die Expertenteams in der Verfahrenstechnik und für die Inbetriebnahme dieser speziellen Anlagen. Als Service übernehmen Mitarbeiter die Anfragen zur Bewertung des jeweiligen Recyclingprozesses durch die European Food and Safety Authority (efsa) und beraten und unterstützen bei den Vorbereitungen für die Zulassungsverfahren, die für die Produktion von lebensmitteltauglichem rPET nötig sind. Und schließlich wird derzeit nach den Produktions- und Büroflächen auch das Kundenzentrum in der Unternehmenszentrale in Ansfelden erweitert. Voraussichtlich noch in der ersten Jahreshälfte 2021 können sind dort Materialtests auch mit dem Vacunite-Verfahren möglich.

Forschung und Entwicklung

Um mit dem Bottle-to-Bottle Kreislauf vergleichbare closed-loop-Systeme auch für andere Verpackungen zu entwickeln und zu realisieren, engagiert sich Erema in verschiedenen Forschungsprojekten, wie Pet2pack und Cornetpolycycle. Ersteres verfolgt das Ziel PET-Rigid-Rezyklate zu entwickeln, die für den Einsatz in Lebensmittelverpackungen zugelassen werden. Die zweite Initiative beschäftigt sich mit der Entwicklung einer Teststrategie zur umfassenden Sicherheitsbewertung von Polymer-Rezyklaten, um auch recycelten Polyolefinen und Polystyrol den Weg in Verpackungen mit Lebensmitteldirektkontakt zu ebnen. Von der intensiven Zusammenarbeit mit den Forschungs- und Entwicklungspartnern in solchen Projekten erwartet das Unternehmen in den nächsten Jahren wichtige Erkenntnisse, um die Kreislaufwirtschaft weiter voranzutreiben.

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